Warum lesen unsere Kinder in der Schule keine Weltliteratur?

Ich war diese Woche mit meinen Teilnehmern in Berlin. Gesponsort wurde das Ganze von der Bundesregierung, organisiert von der SPD und so gab es neben leckerem Essen und einer Übernachtung im Hotel auch jede Menge politische und geschichtliche Führungen durch Gedenkstätten, Museen und den Deutschen Bundestag. In eben jenem hatten wir auch Zeit für eine Diskussion mit der Bundestagsabgeordneten Daniela Kolbe von der SPD. Am Ende dieser Diskussion trat eine Frau ans Mikrofon und klagte über ein Anliegen, das ihr schwer zu schaffen machte:

Ich habe den Eindruck, dass die Kinder hier in Deutschland gar keine Weltliteratur mehr lesen. Warum lesen die Kinder in der Schule nicht mehr Tolstoi, Homer, Remarque und Thomas Mann?

Die Frau empfand das als beängstigenden Mangel. Sie selbst sei Ukrainerin und hätte jedes Jahr vor den Sommerferien eine lange Liste an Literatur bekommen, die über die Ferien zu lesen sei. Ihre Tochter würde nicht ein Buch davon lesen müssen und kenne sich darum auch gar nicht mit der Weltliteratur aus.

Die Abgeordnete gab offen zu, dass sie auf diesem Gebiet kein Fachmann und schlicht überfragt sei. Das war natürlich das Stichwort für meinen Auftritt. 😀

Ich habe den Eindruck, dass die Kinder hier in Deutschland gar keine Weltliteratur mehr lesen.

Das stimmt zunächst so nicht. Zunächst ist Bildung Ländersache und so legt jedes Bundesland für das eigene Gebiet fest, was gelesen werden muss (Pflichtlektüre). In Sachsen sind Goethes Faust und der Vorleser an Realschulen Pflicht. Dazu kommt eine aktualisierte Version von Schillers Nathan der Weise (Nathan und seine Kinder) und Romeo und Julia von Shakespeare. Dazu jede Menge Gedichte, Parabeln, Fabeln und Balladen. Es gibt sie also nocht, die sogenannte Weltliteratur im Unterrichtskanon. In Gymnasien ist der Anteil an sogenannter Weltliteratur noch höher.

Warum lesen die Kinder in der Schule nicht mehr Tolstoi, Homer, Remarque und Thomas Mann?

Man hat das Leseverhalten quer durch die Gesellschaft erforscht und dabei festgestellt, dass ein Großteil der Bevölkerung kaum oder gar nicht liest. Gründe dafür waren unter anderem genau jener feste Kanon an wichtigen Büchern, der in der Schule durchgeprügelt und abgeprüft worden ist. Oder das Gefühl, dass die Bücher sicherlich irgendwie wichtig seien, aber mit dem eigenen Leben nichts zu tun haben, bei den persönlichen Problemen nichts nützen und überhaupt außer dem Satz „Klar, kenn ich das!“ im Leben nicht weiterbringen. Außerdem fand man dabei heraus, dass vielen Menschen…weit mehr, als man sich ausmalen kann, das Lesen an sich schwer fällt. Die Ergebnisse waren geradezu erschütternd. Im Land der Dichter und Denker wurde immer weniger gelesen. Ein Umdenken fand statt.
Statt die alten Größen durchzuprügeln, um sie als allgemeines Kulturgut zu erhalten, traten andere Ziele in den Vordergrund: Verbesserung der Lesefähigkeit und des Leseverstehens (Ich kann ja viele Bücher lesen ohne sie dabei verstehen zu müssen.) Kreative Gestaltungsprozesse im Leseverstehensprozess und am allerwichtigsten: Erhaltung der Lesemotivation.

Denn die Frage nach der Weltliteratur verstellt den Blick auf etwas ganz Wesentliches: Zur Weltliteratur wird nur, was einer Generation einmal viel bedeutet und einen gesellschaftlichen Umdenkprozess eingeleitet hat. Das ist aber kein abgeschlossenes Kapitel. Auch heute noch gibt es Romane, die große Teile einer Generation beeinflussen und aufwecken. Nicht nur alte Bücher können Menschen ansprechen, im Gegenteil, häufig gehören sie eben in eine andere Zeit und lassen die Menschen mit heutigen Problemen allein. Oder ihre sprache und Begrifflichkeiten haben sich inzwischen so stark gewandelt, dass dies eine große Hemmschwelle für heutige (junge) Leser darstellt. Das ist schon bei Kästners Fliegendem Klassenzimmer so. Die Regeln in der Schule und in der Gesellschaft sind andere.

Auch lesen eben nicht mehr alle Menschen die gleichen Bücher. Die Spanne wird breiter, der Alleinstellungsplatz der einflussreichsten Bücher wird kleiner und so erscheint es manchem, als gäbe es keine neuen Werke der Weltliteratur. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Es gibt mehr.

Später tritt eine ältere Dame an mich heran, sie habe mich noch nicht ansprechen können, weil das Thema ihr so einen Kloß im Hals bereitet habe, sie musste sich erst einmal beruhigen. Sie sei nämlich auch Deutschlehrerin gewesen und empfände den Mangel ebenso verherend, wie die Sprecherin in der Diskussion. Ob ich denn wirklich glaube, die Lesemotivation mit modernen Büchern erhalten zu können.

Tja, dazu kann ich nur sagen, dass ca. 80% meiner BvB-Teilnehmer angaben, noch nie im Leben ein Buch gelesen zu haben und auch kein Problem damit hätten, dies weiterhin so zu lassen. Also las ich mit ihnen Jugendbücher, die ich selbst sehr mag. Nicht jeden konnte ich damit erreichen, aber der Großteil war begeistert, einige baten mich, das Buch ausleihen zu können. Später stellte ich am Ende einer Doppelstunde immer ein neues Buch vor und las eine Stelle daraus. In der erste Woche hörte ich noch „Boah, schon wieder ein Buch? Wie viele haben sie denn noch?!%&“, aber schon in der zweiten Woche freuten sich alle darauf. Sie waren überrascht von der breiten Spanne an Genres, von den unterschiedlichen Sprachniveaus und vor allem davon, wie schnell solche Bücher spanned werden können, sodass nach 10 Minuten Lesezeit der Wunsch geäußert wurde, die Stunde möge noch länger gehen oder das Buch in der nachsten Stunde weiter gelesen werden.

Also ja, ich glaube daran, dass Literatur, besonders die moderne Literatur, die Lesemotivation erhalten, aber vor allem auch entfachen kann.

Außerdem muss klar festgestellt werden: Nicht wenigen Menschen geht es so, dass sie irgendwann in ihrem Leben feststellen, dass sie schon oft von dem einen oder anderen bedeutendem Buch gehört haben und nichts drüber wissen. Dieser Gedanke wurmt manchen. Und dann kann ich nur sagen: Bücher gibt es günstig und dazu jede Menge Schriften, ob als Lektürehilfen oder im Internet, um die Inhalte besser zu verstehen. Wir leben nicht mehr im Mittelalter oder in der DDR, wo Bücher verboten oder nicht zugänglich waren. Wer Interesse hat, kann mit wenig Aufwand jedes Buch lesen, das er möchte und sich Hilfen zum Verständnis an die Hand holen.

Schwieriger ist es nur geworden, sich mit anderen Leuten über ein Buch zu unterhalten.  Zunächst muss man Leute finden, die die gleichen Bücher gelesen haben und dann müssen sie auch noch darüber reden wollen. Wenn es einen Mangel im Umgang mit Literatur gibt, dann empfinde ich diesen als solchen. 😉

Woche 16: Vorsorge

„Muss ich mir Sorgen machen?
Geht es dir wirklich gut?
Du musst aber auch mal was anderes machen!“

Diese drei Sätze haben sich diese Woche häufig wiederholt. Jeden Abend gegen 23 Uhr kommt mein Freund ins Nebenzimmer, wo ich auf dem Bett hocke und genüsslich Material kopiere, ordne, Stunden plane.

„Das ist ja, als ob ich (er ist Informatiker) jetzt dasitzen würde und überlegen würde, was wohl in den ersten drei Wochen eines neuen Jobs meine Aufgaben wären und dann ohne Bezahlung schonmal irgendwas vorarbeiten würde. Das ist doch totaler Irrsinn, das wird doch eh alles anders, als du es planst.“
Ich: „Ja, nur führe ich eben in meinem Job nicht irgendwelche gestellten Aufträge aus, sondern bin quasi Showmoderator. Das kann ich nicht aus dem Stand, das muss vorbereitet sein.“
„Ich könnte das aus dem Stand. Du kannst dich doch erstmal mit denen unterhalten! Wie es ihnen geht, was denen so widerfahren ist, wie das im vorhergehenden Kurs lief…, frag die aus!“

Ein bisschen hat er ja recht. Als alter Kontrollfreak will ich für alles meine persönliche Anleitung zur Hand haben, dabei schaffen gerade die ungeplanten Gespräche und Planabweichungen meist die notwendige Nähe zu den Schülern. Und genau die Nähe macht den Unterschied. Dabei geht es nicht darum, dickste Freunde zu werden, sondern um eine grundlegende Art von Beziehung, die den Unterschied zwischen „nervigem Lehrer“ und „der Mensch, der mir hilft“ schafft.

Die letzten Wochen waren ein Wechselbad der Gefühle, zwischen „ich bin nicht vorbereitet“-Panik und „man besitze ich gutes Material, das wird super“. Im Nebenzimmer stapeln sich Bücher, Stifte, Wolle, Ordner, Gläser, Plastikostereier und vieles mehr…ich werde am Montag mit meinem Einkaufs-Oma-Trolli und vielen Taschen auf Arbeit aufschlagen. XD

Um mich abzulenken schlug der besorgte Freund diese Woche einige Aktionen vor. So kam es, dass ich zum ersten Mal seit ca. 10 Jahren wieder Auto gefahren bin. Das hatte ich mir schon länger vorgenommen und war nur super stolz, es durchgezogen zu haben. Da ich kein eigenes Auto gebrauchen kann (Parkplätze gibt es hier sowieso nicht), habe ich mich beim Car-Sharing angemeldet und so ging es am Dienstag los.

Das klappte natürlich nicht ohne Hindernisse. Es war sogar relativ kompliziert. Um euch nicht zu langweilen, hier die Schritte als Aufzählung:

  • auf Homepage registrieren
  • Bestätigungsemail anklicken (Achtung! Hier MUSS man unbedingt sofort sein Passwort ändern, sonst verliert man seinen Zugriff!)
  • Zur nächsten Servicestation fahren, um sich mit Ausweis zu identifizieren und den vertrag abzuschließen
  • (nochmal hinfahren, weil der Mitarbeiter eine Unterschrift zu wenig verlangt hat und jeden Tag dreimal anrief, um zu fragen ,wann ich vorbei komme)
  • die App laden, um wirklich einfach ein Auto zu wählen und zu buchen
  • (Vor dem Auto stehen und es nicht aufbekommen, weil man das Passwort nicht geändert hat und so das Auto nicht mit der App öffnen kann, denn es fehlt die Freischaltung über die Homepage. Darüber total ausflippen und, nachdem man zurück Zuhause den Kundendienst am Telefon hat, erfahren, dass man…)
  • …das Auto mit der Kundenkarte öffnen (kann)
  • losfahren, Spaß haben
  • Auto wieder auf dem Platz parken, von wo man es geholt hat

Wenn man das ganze Prozeder erstmal hinter sich hat, ist es wirklich einfach.

Ich muss mich wieder an Abmessungen (des Autos) gewöhnen, die Übersicht über den Verkehr (habe über eine Kreuzung mal aus versehen die Spur gewechselt, hätte brenzlich werden können) wiedererlangen, aber insgesamt habe ich sofort wieder das alte Gefühl von „Freiheit“ gehabt, das ich früher mal mit dem Fahren verbunden habe, nur diesmal ohne den Horror unvorhersehbarer Kosten, die einem den letzten Spargroschen rauben.

Während des Ausflugs hörte ich jemand hinter mir erstaunt ausrufen. Es war meine Lieblingskollegin! Für mich die Kirsche auf der Torte an diesem herrlichen Tag. Wir haben uns sofort zum Kinoabend verabredet und gestern Abend den Sci-Fi-Gruselstreifen „Life“ gesehen. Wuoh…ich habe mich mehr hinter meinen ausgestreckten Händen verkrochen, als zugesehen. Meine Topliste und fürchterlichen Todesarten wurde nacheinander abgearbeitet.

SPOILERALARM! SPOILERALARM! SPOILERALARM! SPOILERALARM! SPOILERALARM! SPOILERALARM!

Wer den Film noch schauen will, der sollte jetzt aufhören!!!

  • im Raumanzug angegriffen werden und ein Leck im Anzug haben (Vakuum, Kälte, Sauerstoffmangel…woran stirbt man nun zuerst?)
  • während man im Raumanzug angegriffen wird, langsam an eindringendem Kühlmittel ersticken
  • ersticken durch ein verschlucktes Alien
  • lebendig gefressen werden
  • in den Weiten des Alls verloren gehen, ohne Chance auf Rückkehr
  • und lauter ekliges Zeug

Einige logische Fehler haben mich natürlich wieder geärgert.

  • der erste stirbt, nachdem das Alien ihm den Rachen runtergekrabbelt ist. Fontänen von Blut verlassen seinen Körper, schweben durch den Raum und sind nach dem Schnitt auf die entsetzten Kollegen….spurlos verschwunden
  • die ISS gerät in einen Sinkflug zur Erde und hat keinen Treibstoff mehr, um den Kurs zu korrigieren. Die Erde schickt eine Kapsel, um die ISS auf einen Kurs ins weite All zu schicken, sodass die Erde sicher ist. Aber warum ist diese „Wegrammkapsel“ bemannt? Es ist ganz klar ein Himmelfahrtskommando, wieso setzt man da mehrere Astronauten rein?
  • zwei Rettungskapsel verlassen nacheinander die Raumstation, eine mit Ziel Erde, eine mit Ziel unendlicher Weltraum, denn der Passagier hat den Alien an Bord
    • die zweite Kapsel übernimmt manuell die Steuerung, um sich in den Weltraum zu schicken…hätte er damit nicht auch den Teibstoff gehabt, um die ISS auf Kurs zu bringen?
    • das Alien greift ihm in die Hand und ändert den Kurs, die zwei Rettungskapsel kollidieren, die zweite Kapsel nimmt Kurs auf die Erde…wobei sie zufällig genau den Winkel trifft, um nicht zu verglühen…WAS für ein ZUFALL
    • der Pilot der zweiten Kapsel versucht das Alien nicht groß daran zu hindern, schreit nur etwas rum und öffnet dann den Helm
    • das Alien, was bisher jeden Menschen blitzschnell umgebracht  (und dann angenagt liegen gelassen hat..tzö), tötet den Astronauten nicht, sodass er noch ein bisschen „Nein, nicht!“ schreien kann, als irgendwelche Fischer die Kapsel auf der Erde öffnen
    • die Pilotin der ersten Rettungskapsel war zuständig für die Sicherheit, hat also eine Menge technisches Know-How und schafft es nicht, eine Kurskorrektur vorzunehmen, um wenigstens zu versuchen, nicht in die Unendlichkeit abzudriften?
  • sollte sich das Alien nicht um seine Vermehrung kümmern, statt nur darum alle „Lebensmittelvorräte“ einmal anzunagen und dann tot rumliegen zu lassen?

Insgesamt war der Film schon gruselig, nicht so sehr durch die Erschreck-Momente, als vielmehr auf psychischen Ebene. Ich habe eben recherchiert, wieso ein Raumanzug Kühlmittel brauchen sollte, um festzustellen, dass die „Kühlmittel im Helm droht Astronauten zu ersticken“-Story auf wahren Begebenheiten beruht. IEEK! Das Leben schreibt immer noch die gruseligsten Geschichten.

http://scilogs.spektrum.de/astras-spacelog/die-gefahr-astronauten-siebter-brief/

Woche 15: Buchmesse und kleine Hadereien

Letzten Mittwoch war der Cheatday. Am Samstag war ich das erste Mal wieder auf der Waage: 79,2kg. Das war okay. Sonntag wollte Slaine partout nicht zum Training und so schob und ersetzte und löschte ich in der Planung, bis alles halbwegs stimmt. Dafür waren wir am Montag zum Training. Also wurde auch da wieder angepasst. Alles okay. Dienstag wieder Training verschoben->umgeplant, dafür gestern Training und beim Umplanen habe ich so lange geschoben, bis ein halber Broiler ( Grillhähnchen) reinpasste.
Nur dass man den gar nicht so leicht planen kann. Wer weiß schon, wie viel Fett das nach dem Grillen und dem Weglassen der schlimmsten Hautstellen noch hat?

Und plötzlich war er wieder da, der innere Dämon, der mir erzählt, dass ich nun nicht die 2kg /Monat schaffen werde. Und wenn ich die bisherige Abnehmgeschwindigkeit nicht halte, mache ja alles keinen Sinn und ich könnte mir gleich noch richtig was gönnen.

Das habe ich natürlich nicht gemacht, ich kenne die alte Schweinebacke! Und der Gedanke, dem Coach alles zu beichten, hält mich nach wie vor immer schön bei der Stange. Aber mir ist mit plötzlichem Erschrecken klar geworden, wie schnell es geht. Wie schnell die Stimmung kippt und alles in Gefahr gerät.

Und dann esse ich derzeit auch Eintopf mit Kasseler. Die Planung muss ich dringend nochmal überarbeiten denn das Salz zieht dermaßen Wasser…heute morgen strahlten mich satte 80,0 kg an. O_o Es ist nur Wasser..Wasser..asser..ser..ser. Alles ist gut. Aber ich bin gerade sehr vorsichtig.

 

Soweit zur Diät. Aber das ist nicht das Einzige, was mich verunsichert. Gestern war ich nämlich auf der neuen Arbeit, um genauere Infos einzuholen. Was ist da: Für die Kennlernphase, die Kompetenzfeststellung, die Lernstandserhebung, an Material insgesamt. Und als Antwort erhielt ich: fast nichts. Meine Vorgängerin hütet ihr Wissen äußerst eifersüchtig und nimmt ihre Materialien mit. Auf dem Heimweg überkam mich dann die alte „Oh Gott, ich bin nicht vorbereitet, es wird eine Katastraophe“-Panik. Zuhause angekommen schaute ich in meine überquellende Materialsammlung und stellte fest: totaler Blödsinn, ich habe richtig viel Material, Methodenrepertoire, Spiele und Gedönse da. Wahrscheinlich mehr als manch anderer, der das schon seit Jahren unterrichtet.

Heute ging es dann zur Buchmesse.

Expectations: Morgens die Zeit vor den Fortbildungen in der Lehrerhalle zubringen und nach den Fortbildungen endlich einmal Zeit für die Manga-Con haben, die anderen Hallen kann man ja fix abspazieren, ohne sich lang aufzuhalten, tausende von Cosplayern fotografieren, in Mangas stöbern und überlegen, was wohl den Reiz daran ausmacht, den Dance-Dance-Revolution-Stand besuchen und wild rumhüpfen, bis mir die Puste ausgeht, anderen bei Workshops über die Schulter schauen.

Soweit der Plan. Die erste Überraschung war eine Securitykontrolle vor dem eigentllichen Einlass. Das gab es noch nie. Mein Rucksack wurde kurz gefilzt und schon war ich drin! Zumindest im Kongress-Center, in dem der Lehrertag stattfindet. Denn die Messe öffnete erst um 10 Uhr. Also erstmal (kratzigen Bio-) Tee schlürfen und abwarten. Zehn vor zehn hielt mich nichts mehr…ich stürmte Richtung Übergang und gelangte auch prompt in die Bildungshalle (Halle 2), die auch die Fantasy beherbergt. Zumindest nehme ich das an.

Reality: Ich hatte gefühlt gerade mal zwei Stände intensiv durchforstet, als ein Blick auf die Uhr verriet, dass es 12:15 ist. In einer viertel Stunde würde meine Fortbildung beginnen und ich hatte noch nichts gegessen. ARGH! Außerdem würde ich erst herausfinden müssen, in welchem Raum die stattfindet und den Raum auch finden. Und aufs Klo musste ich ja noch! Hektik! Stress! Anonyme Zeugen sahen mich drei Minuten später in einer anderen Halle wie ein Neandertaler am Tuppernapf schlürfen.

Die Fortbildungen waren spannend und man wird geradezu bombardiert mit kostenlosem Material. Lehrwerke, Arbeitshefte, Infomaterial, Stoffbeutel, Kugelschreiber, Kataloge. Noch saß ich, aber ich wusste, dass die Taschen echt schwer würden, wenn ich anschließend noch munter die anderen Hallen abgrasen würde.

16 Uhr verließ ich die letzte Fortbildung, die Materialien tummelten sich trotz konkurrierender Verlage in einer gemeinsamen Tragetasche und schnitten sich zur Rache schmerzhaft in die Schulter, als ich den direkten Weg zurück zur eigentlichen Messe nahm: durch Halle 2.
Da wollte ich dann nur nochmal schnell einen Blick auf 1-2 Stände werfen, für die ich zuvor nicht genügend Zeit hatte…und plötzlich war es 17:40 Uhr, ich hatte drei weitere Bestellzettel ausgefüllt und die Verlagstüte quoll über.
Wie komm ich denn jetzt am schnellsten zur Manga-Con? Hallo? Ich bin in Halle 2, da muss es doch einen schnellen Weg zur Halle 1 geben. Oder…..auch nicht. Nach 10 Minuten mit stählernen Nackenmuskeln und gefühlten 10 G stand ich im Mittelgang und schaute hinüber auf die weit…weit entfernte Halle 1. Tja. Nächstes Jahr schaffe ich es bestimmt! Denn immerhin weiß ich, dass ich dann die Exkursion mit meinen Schülern anleite..über eben jene Buchmesse. Das wird ein Abenteuer!

Jetzt bleiben nur noch zwei Fragen offen: Wann kommt das bestellte Material an und (ieeek!) wie viel wird es kosten? :-O

Ruhe kehrt ein

Meine Lehrerfreudninnen haben Ferien. Mehrfach wurde ich schon bemitleidend gefragt, ob ich keine Ferien habe. Nein, nur Urlaub. Aber wenn ich ehrlich bin, gefällt es mir so.

Zur Zeit sind meine Schüler aus dem Haus, entweder weil die Maßnahme für sie vorüber ist, oder weil sie sich in Praktika austoben, bevor die Ausbildung beginnt. Ab und zu geht die Bürotür auf und einer steckt den Kopf herein, um mal „Hallo“ zu sagen. Man habe Zeit und wolle mal vorbeischauen. Die Kollegen sind fast alle im Urlaub oder krank, das sonst überfüllte Büro ist fast leer. Und endlich ist mal Zeit, um stundenlang ganz in Ruhe eine Unterrichtseinheit zu durchdenken, zu planen und zu gestalten. So krame ich all die tollen Methoden und Ideen heraus, für die im Unterrichtsalltag keine Zeit war.

In der nächsten Maßnahme werde ich ein Buch behandeln (Wer hat Angst vor Jsper Jones?), das schon in der letzten Maßnahme gelesen wurde und ein zweites (About a boy), welches ich zum ersten Mal behandel. Während der letzten Maßnahme hatte ich anfangs nur mein privates Exemplar von Jasper Jones, welches ich am Ende einer Doppelstunde vorlas. Die Schüler sollten lediglich zuhören, ich wollte sie nicht damit nerven, dass sie zusätzlich Notizen festhalten. Es sollte ein ästhetischer Stundenausgang sein. Doch schon nach wenigen Wochen stellte ich fest, dass viele dem nicht folgen können. Ein Teil kann schlicht nicht zuhören, viele fehlten ständig und verloren den Faden, andere hatten generell kein Interesse und so kam bei den mündlichen Zusammenfassungen immer weniger heraus. Ich begann privat Bücher bei rebuy zu erstehen. Durch das Mitlesen wurde es für diejenigen leichter, die nicht gut zuhören können. Dennoch war die inhaltliche Erarbeitung mühsam und zäh, auch wenn die Erzählung dann doch noch einige gepackt hat. Diesmal soll alles anders werden.

Zum einen habe ich inzwischen genug Bücher zusammen. Zum anderen soll die Verfilmung (noch dieses Jahr?) kommen. Und als Drittes gibt es diesmal nach der inhaltlichen Erarbeitung stets einen kreativen Output bei beiden Romanen. Weniger schwarz-weiße Kopien, mehr buntes Gestalten. Und genau das habe ich schonmal probiert.

Die Methode nennt sich Lapbook, Vorlagen gibts im Internet und es ist leichter, als gedacht.

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Buchvorstellung: Anna Kushnarowas „Djihad Paradise“

Wenn ihr euch schon einmal die Frage gestellt habt, wie es sein kann, dass junge (deutsche) Menschen aus ihren firstworld Leben ausbrechen, um der IS beizutreten und im heiligen Krieg genau jenes Leben zu lassen, dann seid ihr heute hier richtig.

Lang liegt die letzte Buchvorstellung zurück, etwas lang ist sie diesmal auch geworden. Das ließ sich nicht ganz vermeiden, da ich doch gern einige Hintergrundinformationen zum eigentlichen Thema des Buches geben will: SEKTEN

Ich möchte hier nochmal stichpunktartig zusammenfassen, was, speziell im zweiten Teil, an Wissen enthalten ist.

Was ist eine Sekte?
Eine Gruppe, die sich vor allem durch folgende Kriterien zu anderen Organisationen abgrenzt:

  • es gibt eine Führerfigur oder zumindest eine Heilsideologie
  • enge Bindung der Mitglieder an die Gruppe
  • kein soziales oder diakonisches Engagement
  • Gruppe sieht sich von Feinden umstellt (Verschwörung)
  • Kritik ist weder innherhalb noch von außen erwünscht
  • Aussteiger werden bedrängt und bedroht

Wer ist anfällig für Sekten?

  • Menschen in pers. Krisensituationen
  • Menschen auf der Suche nach einem Sinn im Leben
  • Menschen, denen ihr Leben festgefahren erscheint, die eine Leere in sich spüren
  • aufgeschlossene, kreative Menschen, die offen für Neues sind
  • –>so ziemlich jeder ist anfällig für Sekten, denn Sekten nutzen unsere Sehnsüchte und unseren Kummer, um uns zu manipulieren

Der Weg in die Sekte-Anwerbephasen

  • Ansprechphase
  • love bombing
  • snapping (Einladung, Mitglied zu werden oder zu einem mehrtägigen Seminar zu kommen)
  • programming (systematische Installation der Sektenidentität->Manipulation)

Wie funktioniert die Manipulation/das programming?

  • Verhaltenskontrolle=Umweltkontrolle durch täglich abgelegte Rechenschaft und danach gestellte Aufgaben bzw. Ziele->Freizeit wird eingeschränkt
  • Gedankenkontrolle durch Sondersprache, die verinnerliche Lehre und Gedankenstopp-Techniken
  • Gefühlskontrolle durch Veränderung und Einengung des Gefühlspektrums, Einimpfung von Schuldgefühlen und Ängsten
  • Informationskontrolle durch Überangebot an Infos innerhalb der Gruppe und beschränkte Freizeit außerhalb der Gruppe, Beziehungen werden kontrolliert

Und nun, bringt etwas Geduld mit oder schaut es einfach in mehreren Anläufen. Vielleicht gefällt es ja trotzdem dem einen oder anderen, oder es hilft wieder jemandem bei seinen Hausuafgaben. Das würde mich freuen. 😉

 


Wenn der Geisteswissenschaftler mit dem Naturwissenschaftler…

…spricht. Gestern ergab sich des Abends eine so typische Situation im Hause Spagg, dass ich gleich dachte: Das ist so typisch, das muss ich festhalten.

Sie liegt mit einem frisch aufgeschlagenen Buch im Bett, als ein Strahlen über ihre Gesichtszüge hereinrauscht.

Sie: Oh, hör mal, was für ein wunderschönes sprachliches Bild! „Er starb früh am Morgen, noch bevor man einen schwarzen von einem weißen Faden hätte unterscheiden können.“*

Er: Was? Ne, das ist überhaupt kein schönes Bild, das ist totaler Blödsinn! Wenn er gesagt hätte, einen roten von einem blauen Faden, dann hätte das Sinn ergeben. Aber einen schwarzen Faden! So ein Nonsense! Überleg doch mal. Entweder, es ist so dunkel, dass man gar nichts sieht, oder man kann einen Faden erkennen und dann erkennst du auch immer, wenn du einen schwarzen neben einen weißen Faden hälst, welcher der helle ist. Denk doch nur an Wasabi (unseren schwarz-weißen Kater), nachts erkennst du immer, wo der liegt, weil du immer das schwarz-weiß erkennst. (Dabei steigert er sich sowohl gestisch als auch durch Modulation der Stimme.)

Sie nur so:
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*Das ist der erste Satz aus Ilija Trojanows Roman „Der Weltensammler“