Iron Fist (Netflix Original)

Iron Fist ein eine Netflix Originalserie um den Marvel Superhelden „Iron Fist“.
Vorsicht, Spoileralarm!

Worum geht es?
Danny Rand (Loras Tyrell aus GoT) ist als Junge mit seinen Eltern über dem Himalaya abgestürzt. Seine Eltern sterben bei dem Unfall, während er, schwer verletzt und halb erfroren, von Mönchen eines geheimen Ordens gerettet wird. Im Laufe der Jahre wurde Danny so zum Kämpfer ausgebildet und hat jede Herausforderung angenommen. So durfte er sich schließlich auch einer geheimnisumwitterten Herausforderung stellen, bei der er seine geheimnisvollen Kräfte erlangt hat. Er kann sein Karma in seiner Faust konzetrieren, sodass sie gelb leuchtet. Ach, und natürlich kann er damit alles zertrümmern.
Seine Aufgabe ist klar: Für den Rest seines Lebens muss er den Eingang zum Kloster bewachen.

Und plötzlich wird ihm klar, was er lange verdrängt hat: er ist ein Fremder, der sich gut angepasst hat. Aber er kennt auch noch eine andere Welt da draußen, voller Möglichkeiten, alter Bekannter und Abenteuer. Also haut er ab und schlägt sich zu seiner Heimat durch: New York. Und hier setzt die Serie ein. Danny Rand kommt als naiver ausgeglichener Bettler nach New York. Zunächst kann ihm kein Rückschlag die Laune vermiesen. Das ändert sich, als man ihm den Zutritt zur Firma seiner Eltern verweigern will. Denn die haben nicht irgendeine Firma, sondern einen riesen Konzern geleitet, zusammen mit ihren Partnern, deren Kinder inzwischen die Leitung übernommen haben: die Geschwister Walt und Joy Meachum.

Zu Beginn ist die Serie echt spannend…der naive Bettler in der Großstadt, der sich sichtlich bemüht, sein Zen zu erhalten. Später wird die Geschichte um Danny und seine charakterliche Entwicklung leider echt seicht und öde.
Dafür tritt aber ein anderes Argument für die Serie zutage: Der Charakter des Walt Meachum!

Anfangs nur ein arroganter, abgeklärter Karrieremacher, der sich nur für sich interessiert, entwickelt der Charakter im Laufe der Geschichte eine erstaunliche Tiefe, die der Schauspieler Tom Pelphrey mit kleinen Gesten und Blicken zum eigentlichen Hauptdarsteller macht. Zum einen ist das Verhältnis zu seinem machthungrigem, verstecktlebenden Vater sehr schwierig, weil der ihn einerseits als Erben fördert und andererseits manipuliert und erniedrigt. Seine Schwester weiß nicht, dass ihr Vater noch am Leben ist und vergöttert Walt und seine Art, die Firma zu leiten, obwohl es eben nur zum Teil seine Entscheidungen sind. Raum für Privatleben gibt es für ihn nicht. Bis Danny auftaucht und die wohlgeordnete Welt ins Wanken bringt. Fassade und Abgrund…das ist zunächst alles, was man in Walt Machum erkennt, doch als die Fassade aufbricht, kann auch Walt sich endlich entwickeln. Und diese Entwicklung ist das eigentlich spannende an dieser Serie. Der Nebencharakter stielt dem Hauptcharakter die Show!

Selbst die deutsche Synchronstimme von Walt Meachum ist eindrucksvoll. Wenn ich in den Witcherromanen von Geralts tonloser gefühlsarmer Stimme lese, dann höre ich innerlich Walt Meachum.
Gänsehaut!

14. Woche: Neustart mit 36

Nachdem ich letztes Wochenende den Kopf gar nicht mehr frei bekam und es mich vor der nächsten Woche nur noch gruselte, stand für mich der Ausstieg endgültig fest. Am Montag brachte ich noch vier Unterrichtstunden hinter mich, in denen manche schliefen, andere durchweg kicherten/schwatzten und wieder andere wortlos den Raum verließen, um nach 20 Minuten zurückzukehren und auf meine Frage, wo sie gewesen seien, nur achselzuckend meinten: kopieren. Und ich dachte die ganze Zeit: Es sind meine letzten Stunden hier, ich sollte mich nicht mehr aufregen.

Dann saß ich an meinem Schreibtisch. Alle meine Sachen waren längst Zuhause und die Reste steckten im Rucksack. Die zu hinterlassenen Ordner waren frisch beschriftet ordentlich im Schrank. Alles war geregelt. Ich sah auf die Uhr: 10:00. Noch 6 h Arbeit vor mir. Nichts zu tun. Kein Sinn mehr in irgendwas. Also worauf wartete ich noch?
Auf nichts.
Und so beschloss ich, direkt den Weg zu Ende zu gehen. Ich sagte meiner Chefin, dass dies der Abschied sei. Nicht die diplomatischste Art, aber ehrlich. Ich erzählte nichts von Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen und Schwindel oder was sonst so die beliebtesten, nicht nachweisbaren Ausreden sind.

„Mir geht es nicht gut und ich muss mich jetzt um mich kümmern.“

Dann übergab ich meine Schlüssel, zerdrückte meine Mädels nochmal ordentlich und verließ in schönstem Sonnenschein die Arbeit. Zum letzten Mal.

Schon auf dem Heimweg überfiel mich eine selige Müdigkeit. Nicht diese überdrehte Erschöpfung, die sich so ausgewrungen anfühlt und gleichzeitig, als ob man zur Not noch einen Marathon laufen könnte, weil der Körper unter Dauerstress steht. Nein, es war Morpheus, der mich mit seiner süßen Schlummrigkeit besuchte. Ich schlief früh ein und die ganze Nacht durch, ohne schräges Fantasieren. Nur tiefer, gesunder, tablettenfreier Schlaf.

Und nun erhole ich mich. Auf Lehrerinnen-Art.

Und heute bin ich nun 36 Jahre geworden. Die Waage lieferte ein neues Tiefstgewicht, Slaine schenkte mir einen Shoppingtag zu zweit in der Stadt und von meinem Coach habe ich mir einen „Totaler-Ausrast-Cheatday“ gewünscht. Letzterer hat ihn gestattet, allerdings unter der Auflage, diese Woche nicht mehr auf die Waage zu steigen, um keinen Frust zu kriegen. Wenn das kein guter Start ins neue Lebensjahr ist!

Und so zogen Slaine und ich händchenhaltend in die Stadt, um sämtliche Läden zu plündern und überall zu futtern, wo es uns gefällt.
Die Klamotten für heute Abend:

😀

Ein neues Jahr beginnt und ich fühle mich endlich nicht mehr älter, als ich bin. Ich bin bereit! Bereit für einen neuen Job, einen neuen Körper und neue Abenteuer!
Und gerade freue ich mich sogar wieder auf die morgige Diät…man, bin ich voll!

Woche 10 die II.: Diätalltag eines Kontrollfreaks

Ich habe es geschafft, die schwierige Einstiegszeit liegt hinter mir. All die Zweifel „Oh, halte ich wohl durch?“ „Werde ich den Aufwand schaffen?“ „Wird es immer so anstrengend sein?“ „Läuft es richtig oder mache ich zu viele Fehler?“ liegen hinter mir. Alltag ist eingezogen. Ein Tag nach dem nächsten vergeht, ohne dass ich mich umschau oder ins Stolpern gerate. Slaine futtert hier weiter munter Pizza oder Essen vom Lieblingschinesen und spült es mit feinstem Rotwein runter, ohne dass ich auch nur mit der Schulter zucke. Alles läuft perfekt.

Perfekt sieht bei mir so aus:
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Das ist meine Küchenwand, jedes Blatt ist ein Tag mit 4 bis 5 Mahlzeiten. Jedes Gramm ist festgelegt. Es gibt 3 Kategorien:

  • TTA (Trainings- und Arbeitstag)
  • NTTA (trainingsfreier Arbeitstag)
  • TT WE (Wochenendtage sind immer Trainingstage)

um überhaupt noch durchzusehen, habe ich die drei Kategorien farblich markiert. Wenn ich Lust auf Abwechslung oder ein anderes Gericht habe, setze ich mich hin und schreibe neue Listen. Manchmal merkt man nach dem ersten oder zweiten Mal, dass etwas stört, dann wird die Liste überarbeitet. Teilweise kleben dort schon drei Versionen übereinander.

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Donnerstags oder spätestens freitags plane ich das Wochenende und die darauffolgende Woche mit wenigen Klicks durch. Spätestens freitags muss dann auch die Einkaufsliste bis zum Feierabend stehen, weil ich auf dem Heimweg schon die meisten Lebensmittel etc. einkaufe. Den Rest hole ich samstags nach dem Training.

Mahlzeiten plane ich in der Woche so, dass ich entweder nur Kaltes zusammenrühren muss, oder für mehrere Tage vorkoche. Verliere ich die Übersicht über die Zutatenmengen (wie z.B. beim Eintopf), lege ich eine Exceltabelle an. So muss ich die jeweiligen Mengen nur noch ablesen.
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Gewicht und Umfänge werden aller 4 Wochen festgehalten…natürlich in einer Excel-Übersicht. Außerdem noch zur Übersicht die täglich verzehrten Makronährstoffe und die Kalorienbilanz.

Feierabend bedeutet für mich derzeit, Klamotten für den nächsten Tag rauszulegen, die benutzten Dosen in den Geschirrspüler zu stapeln und die Mahlzeiten für den nächsten Tag abzuwiegen und zuzubereiten und natürlich das aktuelle Abendessen nicht vergessen. Erst danach ist wirklich Freizeit…außer an Trainingstagen, dann heißt es Tasche packen, Nachtrainingszeug abwiegen und ab zum Sport.

Es läuft perfekt. Wie ein Uhrwerk. Jeder Tag ist präzise. Und vergeht. Die Wochen vergehen.

 

 

Und plötzlich höre ich beim Supermarktschlendern, während ich mit leeren Händen hinter Slaine hertrotte, einen Gedanken, der eigentlich längst überfällig war. Irgendwann musste er auftauchen denn er kommt immer dann, wenn sich alles einspielt, wenn ich mich sicher fühle und der Pfad vor mir gerade, klar und gut befestigt daliegt.

„Wann kann ich denn mal wieder einen Apfelkuchen essen? So einen richtigen, nicht nur ein winziges Stückchen. Einen ganzen Kuchen mit saftigen Äpfeln und Rosinen und Caramel und dazu Wanner-Waffeln…“

Wie immer erschrak ich kurz über den Gedanken, denn ich weiß um seine Macht. Die Macht, alles Feste aufzulösen und mich in das abenteuerlich strudelne Chaos zu reißen, wo man alle Kontrolle fahren und sich einfach treiben lässt.

Denn genau das steckt hinter dem Gedanken. Es geht doch eigentlich gar nicht um Apfelkuchen oder Pizza, es geht um meinen Verstand, der sich nach einer Pause sehnt. Einfach mal Sendepause machen, nicht dieses Gefühl, bei einem langen Schlittenhunderennen ständig alle Zügel fest in der Hand halten zu müssen. Ein Ende der To-do-Listen. Urlaub von der Kontrolle.

Das Alles weiß ich nicht erst seit heute. Aber wie macht man Sendepause? Meine Lieblingskollegin geht in den Garten und schuftet. Eine andere putzt, eine weitere kocht. Und ich? Ich lese…verdränge alles, um mich in die Abenteuer anderer zu flüchten. Doch immer öfter werden ich wieder rausgerissen. Nicht einmal dort lassen mich die To-do-Gedanken in Ruhe.

Wie macht man Pause? Wie genießt man das Jetzt? Wo gibt es echt Ruhe?

Die fünfte Woche oder: Wie es ist, längere Zeit für einen Bildungsanbieter zu arbeiten.

Mein Stundenplan auf Arbeit teilt sich in eine A- und eine B-Woche. Die A-Woche ist ganz okay, die B-Woche hingegen vollgestopft mit Unterricht. Die B-Woche saugt mich regelrecht aus.
Eingestellt wurde ich als Lehrkraft für eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme. Das erste Jahr habe ich also nur diese Schüler unterrichtet und mich um ihre Sorgen, Nöte und den Förderbedarf gekümmert. Das war anstrengend, aber ich war glücklich. Aufgrund meiner vielen Stunden wurde mir zugesichert, nur diese eine Maßnahme zu unterrichten.
Dieses Jahr hieß es dann, der Personalschlüssel sei ganz anders, als bisher angenommen. Der gesamte BVB-Unterricht müsse laut Plan (Welcher Plan, wo kommt der plötzlich her?) mit 2 Lehrern abzudecken sein, alle Lehrer müssen daher zusätzlich Stützunterricht für Teilnehmer einer anderen Maßnahme erteilen. Natürlich zusätzlich zum bisherigen Pensum.

Außerdem ist ein Integrationskurs gestartet. Bei den Einstufungstests ergab sich bei einigen Teilnehmern ein zu geringer Wissenstand. Sie benötigen einen Vorkurs, den wir leider nicht anbieten. Also was tun? In einer 6-Wochen-Spanne soll versucht werden, die Teilnehmer durch eine Art Mini-Intensivkurs auf das Niveau zu bringen. Wie kann das gelingen? Nun, man schaut einfach bei den Mitarbeitern, wer die nötigen Qualifikationen besitzt, nimmt sich deren Stundenplan vor und füllt die letzten Lücken (Wer braucht schon Vor- und Nachbereitungszeit? Tests können auch in den Pausen korrigiert werden.) mit eben jenem Mini-Intensiv-Vorbereitungskurs. Das ganze mache ich zum Mindestlohn (der in diesem Sektor festgelegt ist) und ohne jegliche Zusatzvergütung oder Boni.

Und dennoch stand ich bis letzte Woche voll hinter meinem Chef, der Firma und dem ganzen Projekt. Denn ich liebte meinen Job. Ich weiß einfach, dass ich dabei viel bewegen und entscheidende Wendepunkte im Leben meiner oft hilflosen Teilnehmer herbeiführen kann. Ich beobachte, wie sie kleine Schritte in ein neues Leben wagen, Wissen erringen, dass ihre Weltsicht eine Spur erweitert, höre, wie sich ihr Sprachschatz langsam anreichert. Und ich liebe mein Team von Kollegen. Wir teilen wirklich Freude und Leid miteinander, stützen uns, kritisieren uns auch vorsichtig gegenseitig. Und wir geben unser Bestes. Zusammen mit Hin- und Rückfahrt gebe ich jeden Tag 11h des Tages nur für meinen Job. Und auch im Feierabend (oder wie jetzt, am Wochenende) geht er mir oft nicht aus dem Kopf. Da bleibt nicht viel Raum für anderes. Ich bin oft zu müde oder erschöpft, um noch andere Leute zu treffen oder Partys etc. zu besuchen. Und das war okay so.

Bis ich diese Woche ein Gespräch mit meinem Chef hatte. Ich wollte eine Fortbildung im Haus organisieren, um strukturelle Probleme zu lösen und unsere Handlungsmöglichkeiten mit den Teilnehmern auszuloten. Mein Chef hat rundweg abgelehnt. Das hätte er mit allen möglichen Argumenten tun können, aber er entschied sich für die verletzendste Art und Weise. Ich habe das schon öfter von anderen Mitrbeitern gehört, dass er sich quasi von jetzt auf gleich vom netten Chef in ein eiskaltes, beleidigendes Arschloch wandeln kann. Jetzt habe ich es selbst erlebt. Statt einfach zu sagen, dass es ihm die Sache nicht wert ist oder er die Kosten nicht tragen will oder sonst etwas sagt er: Wenn es nicht gut läuft, liege das allein an meinen pädagogischen Kompetenzen. Die bringe ich entweder mit oder ich habe hier nichts verloren. Dann soll ich mich nach etwas anderem umsehen. O_o

Nun sitze ich hier und merke, dass damit eine Linie gezogen wurde. Plötzlich stelle ich alles in Zweifel. Wozu racker ich mich ab? Warum sollte ich die zusätzlichen Stunden übernehmen? Warum mich engagieren? Wieso stecke ich mein eigenes Geld wieder in Bücher für den Unterricht? Wofür das alles???

Ich könnte Integrations- und Alphabetisiterungskurse in Teilnzeit für einen wesentlich besseren Lohn unterrichten. Dankbare, höfliche Schüler, Teilzeitarbeit…
Derzeit ist hier so akuter Lehrermangel, dass Quereinsteiger von überall eingestellt werden und nach einem Jahr Arbeit und ein bissschen Prüfung das 2. Staatsexamen anerkannt bekommen. Ich könnte in einer normalen Schule arbeiten und würde den fehlenden Abschluss bekommen. Für wesentlich mehr Geld und weniger Arbeitsstunden.
Mein Freund macht sich gerade selbständig, wir sind also nicht einmal mehr an einen Ort gebunden. Sachsen ist durch viele Rahmenbedingungen noch immer ein echt hartes Pflaster. Bisher war immer einer von uns durch seinen Job hier gebunden. Und eben jene Bindung lockert sich bei mir gerade sichtlich.

So viel Text, das bedeutet wohl, dass mir das schwer im Magen liegt. Ich hatte gar nicht geplant, darüber zu schreiben. Na gut. Jedenfalls war diese Woche eine aussaugende B-Woche. Der Ernährungsplan hat mir da unheimlich geholfen, denn die Vorbereitung habe ich auf ein Minimum reduziert. Geplant ist alles ganz leicht. Es kostet mich nur einen Klick und schon steht der Plan für einen Tag. So plane ich die ganze Woche im Voraus, kaufe auch entsprechend ein. Die Abwechslung leider bei den geringen Kohlenhydrat- und Fettmengen, aber das stört mich jetzt nicht. Im Gegenteil, ich bin froh, dass ich mir gerade keine Gedanken darum machen muss und mampfe alles, was der Plan hergibt.
Das Gewicht sinkt, das Training läuft und all das gibt mir Sicherheit und Halt.

Ich bin Egoist oder: Folgen jahrelanger emotionaler Erpressung

Weihnachtszeit, Familienzeit. Ich gehöre zu denen, die allein der Gedanke gruselt und so habe ich mich die letzten Jahre vor eben jener gedrückt. Dieses Mal stand die goldene Hochzeit meiner Eltern zusätzlich auf dem Plan, da war Drücken unmöglich. Also Augen zu und durch.

Ich hatte ja vorher schon einige Bedenken, aber es kam dann doch viel schlimmer.

Kurz vor dem Termin wurden alle hektisch. Goldene Hochzeit und wir haben noch kein Programm, wie wir das richtig würdigen. Also schnell was ausgedacht. Eine Idee führte zur nächsten. Ein festlicher Rahmen wurde geplant. Schön. Dann bat eine Schwester um ein absolutes Handy- und PC-Verbot, weil sonst besonders die Kinder den ganzen Abend am Handy hängen. Einerseits total verständlich, andererseits stieg das Level meines persönlichen Grauens dadurch schon gut an. Meine Eltern hatten sich gemeinsames Singen gewünscht. Also wurden noch die Kirchen-Gesangsbücher eingepackt. Das Grauen wurde greifbar. Ich sah einem Abend entgegen, bei dem alle hektisch Essen auftrugen, das Abendessen jagt das Kaffeetrinken, dazwischen Gebete, Lieder, Ansprachen, Rituale, Kinder spielen schiefe Musik, noch mehr Singen, Geschirr verräumen, aufräumen, sentimentale Verabschiedungen und Beteuerungen, wie toll alles war. Und kein Raum für Gespräche. Also schmiss ich mich zwischen die Planungswütigen und bat um etwas Raum für Gespräche. Wenn es etwas gibt, was ich an Familienfeiern schätze, dann sind es Gespräche mit meinen Neffen und Nichten, denn die verwandeln sich dadurch binnen weniger Minuten von Fremden zu Vertrauten, mit denen man etwas intimes teilt. Das schafft Verbundenheit.

So kam es dann auch und es sollte noch besser werden. Einer meiner Neffen lud mich zu sich ein, zeigte mir seine Wohnräume, seine Wive. Es wurde gezockt und geschwatzt, alles ungezwungen und schön. Wäre da nicht das schlechte Gewissen gewesen, weil wir die Party relativ früh verlassen hatten. Aber es half nichts, seine Frau musste früh arbeiten, da gab es kein Halten. Also schob ich das schlechte Gewissen, so gut es ging, zur Seite und genoss den Abend.

Bis das Handy meines Neffen brummelte und sein Gesicht einfror. Auf die Frage, was los sei, zeigte er mir ein Bild seiner Mutter.

Ein Selfie mit verweintem Gesicht, dazu eine ordentliche Packung Vorwürfe und Vorhaltungen.

Wir haben die Party ruiniert, alle enttäuscht, das Schönste verpasst. All die Mühe, die investiert wurde und wir gehen einfach. Der Vater traurig, die Mutter unglücklich. Es wird nie wieder so eine Feier geben. Sie habe auch keinen freien Tag und müsse immer arbeiten und sei trotzdem da, hätte alles vorbereitet und gemacht. Sie sei nun so fertig, wegen ihm.
Einerseits verständlich. Ich kann es verstehen. Wirklich. Aber andererseits riss es mir in dem Moment alle alten Wunden auf und triggerte all das mühsam bezähmte Grauen, dass mich beim Gedanken an meine Familie immer begleitet. Denn die Strategie, das eigene Befinden in die Verantwortung von Nahestehenden (Kinder, jüngere Geschwister, enge Freunde) zu legen und das persönliche Missbehagen dem anderen vorzuwerfen und ihn verantwortlich zu machen, weil man traurig oder enttäuscht ist, ist in meiner Familie Methode.

Das ist zunächst sehr effektiv, denn jeder, der so etwas erlebt hat weiß das nächste Mal: Vorsicht, sonst löst du gleich eine Katastrophe aus, die dir noch lange nachhängt. Kurzfristig erhält man damit also vernünftige, liebe Kinder/Freunde/Verwandte, die machen, was man will und Verständnis haben. Keine Egoisten, sondern nützliche Glieder einer Gemeinschaft. Wird diese Methode jedoch häufiger oder von mehreren Personen angewandt, verkehrt sich das Ganze in sein Gegenteil. Man erhält bockige Egoisten, die sich allen Gemeinschaftsplänen widersetzen, sich abkapseln und bei Druck zur Totalverweigerung übergehen.

Wie kann man das erklären?

Die Adressaten dieser Behandlung werden zunächst empathischer, sie nehmen die Gefühle und Stimmungen anderer Menschen stärker wahr, schließlich will man nicht jeden Tag ein oder mehrere familiäre Tragödien auslösen. Um das zu schaffen, beobachten sensible Gemüter ihr Umfeld sehr genau. Reagieren auf alle Signale und versuchen schon im Vorfeld emotionale Minenfelder zu entdecken und zu entschärfen. Tag für Tag. Das ist anstrengend. Man stellt die eigenen Bedürfnisse immer mehr zurück, verdrängt die eigenen Wünsche und Erwartungen und hofft, dass damit alle glücklich sind. Aber das klappt nicht immer. Irgendwann schlägt der böse Egoismus durch und man gönnt sich etwas oder trotz aller Vorsicht übersieht man eine Mine und ist Schuld an der nächsten Tragödie. Der Druck wird stetig größer, der Bewegungsraum für die eigene Entfaltung immer enger.

Nun brauchen diejenigen, die diese Methode angewendet haben gar nichts mehr sagen, denn ihre Wünsche und Bedürfnisse haben sich längst in meine Seele eingeschrieben und sind zu Stimmen in meinem Kopf geworden, die mich, absolut verselbständigt, jeden Tag emotional erpressen. So entsteht ein täglicher Eiertanz zwischen emotionalen Minen und dem Wunsch nach persönlicher Entfaltung.

Es zerreißt einen innerlich, Betroffene kommen nie mit sich selbst ins Reine, egal, wie sie sich verhalten, sie fügen gefühlt immer jemandem Schaden zu. Schuld wird auf Schuld gehäuft. Große Verantwortung für kleine Seelen. Eine Last, die man bald nicht mehr tragen kann. Man trägt immer Schuld, schon morgens beim Aufwachen überfällt dich die Schuld vergangener Ereignisse und wird zu einem Mantel, den du nur im Schlaf kurz ablegst.

Und endlich meldet sich das geschundene Ego und ruft: Wenn ich doch sowieso Schuld bin, wieso können wir dann nicht etwas Spaß haben? Lass uns was Egoistisches machen! So entstehen Totalverweigerer. Unfähig die eigenen Bedürfnisse und die anderer abzuwägen und zu managen, macht man irgendwann dicht. Die Stimmen im Kopf, die Stimmen der realen Personen, die werden sowieso wieder toben, egal, was ich tu. Also gönn ich mir für kurze Zeit etwas egoistischen Spaß.

Was man erhält ist genau das Kind, vor dem man immer gewarnt hat: selbstbezogen, stur, ignoriert die Bedürfnisse anderer, ein Einzelgänger, der sein Verhalten weder rechtfertigt noch erklärt, das personifizierte egoistische Schweigen.

So bin ich jetzt. Aus Sicht meiner Familie ein richtiges Arschloch. Meine Versuche es zu erklären, die Methode aufzudecken und meine Nachfolger davor zu bewahren, schlugen fehl. Es bleibt wieder nur die Verweigerung und das Gefühl, mein Ich sei allen eigentlich scheißegal, Hauptsache man funktioniert und tanzt nicht aus der Reihe. Und in meinem Kopf ist die Hölle los…

a b

Ab jetzt mit Unterstützung

So, nach langen Überlegungen habe ich nun endlich beschlossen, dass es Zeit für Unterstützung wird. Morgen habe ich ein Erstgespräch mit einem Personal Trainer. Man, bin ich gespannt! 😀

Alles Hippies

Urlaub…der Zeitraum auf den man hinarbeitet, für den man eigentlich arbeiten geht. Urlaub, das verspricht Idylle, Entspannung, sich selber spüren.
So stell ich mir das bei den meisten Deutschen vor.

Für mich ist Urlaub ein klein bisschen anders. Zunächst ist Urlaub eine Zugfahrt, denn Urlaub heiß für mich, irgendwo anders aufzuwachen. Aber natürlich nicht allein, sondern mit Slaine an meiner Seite. Den würde ich sonst sehr vermissen…beim Einschlafen und Aufwachen. Beim Zugfahren allerdings eher nicht.

Die Tragödie beginnt mit dem Hinsetzen. So schön ein breiter Freund in freier Wildbahn ist, sobald man einen Doppelsitz mit ihm teilt und das Gesicht einen Abdruck auf der Fensterscheibe hinterlässt, während die Luft durch einen anschmiegsamen Ellbogen aus den Lungen massiert wird, merkt man, dass man nur einen halben Sitz bekommt.
Damit geht der Spaß erst los. Während ich keine Probleme habe, mich beim Anblick der Landschaft zu entspannen und mich entweder von einem Buch fesseln zu lassen oder in entspannenden Schlummer zu fallen, ergeht es dem Göttergatten da ganz anders.
„Mir ist langweilig.“ „Wann sind wir da?“ „Mir tut der Hintern weh. Ich kann nicht mehr sitzen.“
Die ganze Knatschpalette rauf und runter… Da graut es mir mittlerweile schon richtig vor Fahrten.

Doch diesmal lief es ganz anders. Naja, fast. Nachdem sich mein Gesicht mit einem satten *Schmatz* von der Fensterscheibe löste, ging mein Göttergatte aufs Behindertenklo, um die Fahrt nicht schon hibbelig zu beginnen. Ein Blick auf die Bedienelemente außen, ließ ihn kurz stutzen.
außen
Clever, wie er ist, hat er gleich erraten, dass die Fläche mit dem Signalwort „besetzt“ leuchten muss, damit auch wirklich besetzt ist. Also drückt er beherzt auf „öffnen“ und erwischt eine Omi mitten im Geschäft. Diese versucht verzweifelt, jene Tür mit einer Hand zuzudrücken ohne mit dem Gluteus den Abort zu verlassen, während die zweite Hand den beigen Renterrock umkrallt. Welcher Körperteil dabei die meiste Anstrengung vollbrachte, bleibt ungewiss. Spekulanten sollen jedoch aufs Gesicht gewettet haben.

Wie konnte es dazu kommen?
Nachdem die hochrote Omi das Örtchen verlassen hat, nimmt der Göttergatte einen neuen Anlauf, drückt auf „öffnen“, dringt ins Innere der Kabine vor und sieht Folgendes:
innen
Klar, was zu tun ist?
Der Göttergatte drückt zunächst auf „schließen“, wartet, bis die Tür ganz geschlossen ist und das Licht rot blinkt, um DANN auf den zweiten roten Button mit der Anweisung zu drücken. Erst danach leuchtet das Licht durchgehend rot, weil die Tür verriegelt ist und auch von außen erkennbar als rotes „besetzt“ leuchtet.

Wer sich diese Bedienelemente ausgedacht hat, kann eigentlich nur Inhaber eines fiesen Failblogs sein. Als unschuldige Zuschauer verbrachten wir nun also den Rest der Fahrt mit Blick auf jene Klotür und wurden bestens unterhalten.

Zunächst gab es die Leute, die das Bedienelement außen missinterpretierten und Schlange standen, obwohl die Toilette nicht besetzt war. Als die Schlange die Glastür, welche uns von jenem Abtail trennte, öffnete, verrieten wir natürlich das Geheimnis. Sofort verschwand der Erste in der Kabine und wir warteten gespannt, ob das „besetzt“-Zeichen wohl erleuchten wird.
Tat es nicht.
Auch die weiteren Passanten aus der Schlange verschwanden in der Kabine, drücken auf „schließen“, verriegelten jedoch nicht.
„Alles Hippies“ flüstert der Göttergatte.
Unsere Fantasie treibt bunte Blüten, als wir uns fragen, ob es vielleicht schon Pranks gibt, bei denen U-Tuber diese Konstruktion ausnutzen, um in einer solchen Situation die Tür mit laufender versteckter Kamera zu öffnen. Die Sammlung an Clips wäre sicher böse, aber sehr unterhaltsam.
Und wie die Flitzebögen warten wir, ob noch jemand, wie die Omi zu Beginn, überrascht wird.
Doch nichts passiert. Die ständig falsch interpretierten Bedienelemente erzeugen den Fehler und die Höflichkeit der Deutschen hebt sie wieder auf! Alle bleiben fast ehrfürchtig vor dem nicht leuchtenden „besetzt“-Zeichen stehen, beobachten und lauschen, ob irgendwelche Reize etwas über den Zustand im Inneren verraten.
Just in germany. XD

Und dann gab es noch eine junge Dame, die leicht verpeilt durch den Zug wankte und dabei an jeder Grifffläche zog und scheinbar irgendetwas erwartete. Als sie zum zweiten Mal an uns vorbei kam, sprach ich sie an: „Sie müssen auf den grünen „öffnen“-Button drücken!“ und zeigte auf das Bedienelement. Ihr Blick sprach mich an, als hätte ich ihr Quantensprünge erklärt. Verwirrt geht sie zurück zur Tür, drückt den Knopf, als handle es sich um einen Knopf an tickenden roten Stangen. Dann beobachtet sie, wie sich die Kabine öffnet, beugt sich ins Innere, zieht den Rumpf wieder in die Senkrechte und kommt zurück mit den Worten: „Ich versteh das nicht!“, was uns nun wiederum verwirrt.
„Sie suchen doch die Toilette?“ frage ich.
„Nein! Such ich nicht!“, sagt sie empört und rauscht gleichzeitig verpeilt und pikiert davon.

O_o