alte Frau im Bodybuilding

Die erste Woche nach meiner vierwöchigen Auszeit und dem heftigsten Beintraining aller Zeiten ist fast um. Seit heute kann ich auch wieder schmerzfrei laufen…Zeit für eine neue Beineinheit…juhu. ;P

Jeder erfolgreiche Diättag wird am Ende mit einem Motivationsbildchen „belohnt“. Simple, aber effektiv.

Der Anfang ist immer am schwersten, sagt man.
Das empfand ich diesmal gar nicht so. Die Schmerzen nach dem Beintraining in Kombination mit der Hitze wirkten als hervorragender Appetitszügler. Abends hatte ich mehrmals noch eine Mahlzeit offen und beschloss, sie für den nächsten Tag aufzuheben, weil ich pappsatt war. Ein erstaunliches Gefühl, nachdem ich vier Wochen lang quasi kein Sättigungsgefühl kannte. Gestern war Slaine beim All You Can Eat-Chinabuffet stapeln und abends bestellte er bei Dominos noch Pizza… und ich konnte entspannt zuschauen. Als wäre ein Schalter umgelegt. Und ich bin dankbar dafür. Hoffentlich hält der Zustand noch ein paar Wochen an. Die ersten 3 kg Wasser sind raus, auch 3 cm Umfang sind an Taille und Hüfte verschwunden. Heute konnte ich schon wieder eins meiner Sommerkleidchen tragen, ohne um die Sicherheit mich passierender Menschen fürchten zu müssen, die durch peitschende Reißverschlüsse oder gesprengte Knöpfe sterben könnten.

Die Beinmuskulatur erholte sich nur langsam von dem Schock. Obwohl ich gleich am nächsten Tag und auch am 3. Tag danach tapfer auf dem Stairmaster watschelte, waren die Schmerzen wirklich heftig. Vom ungewohnten Gang bekam ich dann auch noch Muskelkater in Schienenbeinen und den Waden. Doch das war gar nicht schlecht, denn ein Besuch beim Orthopäden stand an und diesmal „sah“ er meine Probleme. Nun soll ich Einlagen gegen meine Senkfüße bekommen, die vielleicht auch meine ständig verknotete Wadenmuskulatur entlasten. Ich habe ein Rezept für manuelle Therapie (Jaaa, mehr Schmerzen, yay! ;D) und werde auch Akupunktur probieren.
Die manuelle Therapie bei meiner Lieblingstherapeutin wird die schlimmsten Knoten lockern. Von der Akupunktur erhoffe ich mir Unterstützung gegen Blockaden und gegen zwanghaftes Essverhalten. Wunder erwarte ich nicht und bin gespannt, ob ich überhaupt eine Veränderung wahrnehme. Schön wäre es, wenn ich dadurch einen besseren Energiefluss und Zugriff auf die Muskulatur bekäme. Oft habe ich das Gefühl, dass mitten in der Bewegung etwas klemmt und ich deswegen den Muskel gar nicht voll treffe und beanspruchen kann. Ich bin gespannt.

Das heutige Beintraining kann ich jedenfalls als „immerhin was gemacht“ abhaken. Die Muskulatur war steif und brannte sofort. Kniebeuge wollten gar nicht klappen. Bei den Ausfallschritten stach es bereits im ersten Satz im rechten Beinbeuger und zog danach bei jeder Wiederholung. Nur der Beinstrecker, bei dem ich vor dem Foltertraining nie wirklich etwas spürte, der fühlte sich intensiv, fies und damit gut an. Ich fürchte, dass sich ab jetzt jedes Beintraining an der Messlatte von letztem Montag misst, nur dass ich das Level allein nicht einmal im Entferntesten erreichen kann. Das habe ich schon befürchtet. Beim Training steckt man immer in der Situation, im Kopf zu entscheiden, wie viel Prozent man gibt. Mit Marcel hab ich definitiv über 100% gegeben. Die nachfolgenden Einheiten litten darunter, mein ganzer Alltag litt darunter und für mich ist klar: das ist kein Maßstab. Und dennoch weiß ich, wenn ich das ab und zu schaffen würde, würde ich riesige Fortschritte machen. Und so denkt man bei jeder Übung und jeder Wiederholung:

Wenigstens 100% will ich geben, um dann festzustellen, dass mir irgendwo im Satz bei gefühlten 30% die Energie ausgeht.

Was zurückbleibt ist Enttäuschung…das schlimmste Gefühl überhaupt im Training, denn es macht alle Mühe zunichte, lässt alles, was man der eigenen Schwäche abgetrotzt hat, wertlos erscheinen. Es erzeugt nur weitere Schwäche, raubt einem auch den Rest der Energie und am Ende steht man völlig desillusioniert da und denkt, es habe doch alles keinen Sinn mehr. An diesem Punkt stand ich früher oft, als Slaine mich noch von Einheit zu Einheit zu mehr Leistung antrieb. Irgendwann merkte ich, dass es mehr Gift als Unterstützung ist und verbat mir von da an jegliche Kommentare zum Training.

Nun sitz ich wieder hier und überlege, was ich will.

Ich will mich und mein Schaffen jedenfalls nicht dauernd als Enttäuschung wahrnehmen. Ich will gut aussehen und mich entwickeln, aber eben aus eigener Kraft, meine Energien und Potentiale entdecken. Ich war immer extrem, konnte Sachen nie nur halb machen und hab mich dabei stets verrannt, bis ich nicht mehr konnte. Das will ich nun nicht mehr, ich will mich nicht auszehren, nicht fertig machen, keinen Crash mehr. Und doch will ich mich herausfordern, über meine Grenzen hinaus wachsen, Dinge schaffen, die ich für unmöglich gehalten habe.

Ich denke, aller 4 oder 8 Wochen eine Einheit mit Marcel durchziehen und sonst alle negativen Gedanken und Zweifel so gut es geht zur Seite schubsen, könnte klappen.

Dass ich die letzten Pfunde nun möglichst schnell verlieren will, steht fest. Mitte August ist unser Fotoshooting, ich beginne bereits jetzt, mir die nötige Sommerbräune zuzulegen, Kostüm und Posen müssen noch festgelegt werden. Und das Makeup? Ich habe jedenfalls schon richtig Lust darauf. Lust ist ein so viel besserer Motor als Angst vor Enttäuschung. Nächste Woche geht es auch wieder zum Pole Dance… mal sehen, ob diesmal schon mehr geht.

Lust habe ich auch aufs Nähen. Im Moment halten mich auch da die gesteigerten Umfänge ab. Schließlich sollen die Sachen auch in 3 Monaten passen. ;D Stoffe und passende Ideen habe ich heute jedenfalls schon auf dem Holland-Stoffmarkt besorgt.


Bis zum Urlaub müssen noch ein paar cm schmelzen, dann wird die Nadel glühen! ;D

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4 Wochen Leben – ein Resumee

4 Wochen Diätpause waren bitter nötig. Nach 18 Monaten mit Ernährungsplan und sich zum Ende hin häufenden Fressorgien brauchte ich dringend eine Luftholpause. Es war höchste Zeit für all die Dinge, die in einem Leben nach Ernährungsplan keinen Platz haben:

  • spontane Essenssuche nach Appetit
  • Eisbecher bei Hitze
  • Geburtstagskuchen bei Freunden oder Bekannten
  • Urlaub
  • Treffen und Essen mit Freunden und Bekannten, Familie
  • Party feiern, mal richtig einen drauf machen
  • Grillen und auswärts essen
  • Spontanität
  • ordentlich beschwipst sein

Nun sitze ich heute hier, mit fast 7 kg mehr auf den Rippen, 5 cm mehr Umfang an Bauch und Hüfte und kann es einfach nicht bereuen.

Die letzten Wochen waren wir eine Zeitreise im Zeitraffer. Mit dem Essen kam die Ruhe, statt ständigem Gewusel und kontinuierlichem Abarbeiten von To-Do-Listen wollte ich nach Arbeit nur eins: Beine hochlegen und in einem guten Buch schmökern. Ich war einfach entspannt, die Füße schwer und voll. Die Klamotten wurden enger, der Speck quoll wieder über den Bund, alles wurde träge.

Nach 2 Wochen konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, im Studio Gewichte zu stemmen. Das Einzige, was mich wirklich zur Bewegung trieb, war die Jagd nach Eis und Süßkram.

Und nun, wie weiter?
Mitte August steht der Termin fürs Fotoshooting. Bis dahin sind es ziemlich genau 10 Wochen. Zeit, für einen neuen Diät-Sprint.

  • 1600kcal + Trainingsversorgung
  • Meditation, um Ruhe zu finden
  • Pole Dance und Stretching-Kurse
  • wieder ins Gewichtetraining kommen
  • baden gehen
  • Freizeit mit Nähen füllen

 

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Fakt ist, ich werde aufpassen müssen, dass ich nicht wieder so „ausgelaugt“ bin, sodass ich 4 Wochen Pause brauche, um mich psychisch von der strikten Ernährung zu erholen. Ich will möglichst keine Fressorgien mehr und wieder das Gefühl haben, zu leben. Nach dem Fotoshooting ist für mich Schluss mit der harten Diät, dann muss ich soweit sein, dass ich das Gewicht halte und durch Muskelaufbau und finetuning definiere. Das wird nicht leicht, aber es ist immerhin ein Plan.

Pause – diesmal wirklich!

Beim Coach im Büro angekommen plumpse ich in den Stuhl und lass ihn zunächst von meinem feinsten Cold Brew Coffee-Ansatz kosten. „Tre Forze“, was sich anhört wir „drei Fürze“, ist geschmacklich nicht von dieser Welt. Als Slaine ihn das erste Mal probierte, fragte er verwundert: „Was ist das? Likör?“
Es lässt sich schwer beschreiben…dunkel, aber samtig. Oft liest man ja von „Karamell-Noten“, die ich noch nie irgendwo erkannte habe. Aber auf ihn könnte das zutreffen. Genau beschreiben kann es den Geschmack nicht. Cold Brew Fans sei diese Bohne einfach ‚coldestens‘ ans Herz gelegt. 😉

Nach dieser Einstimmung rück ich mit der Wahrheit raus: „Different month, same shit.“ Es fällt mir immer schwerer, Diät zu halten. Schwer ist nicht die Umsetzeng…planen, einkaufen, kochen, essen, alles klappt wunderbar. Aber schon vor der letzten Mahlzeit schiebe ich einfach nur Panik.

„Das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein. Ich könnte glatt den ganzen Tag nochmal essen!“

Dieses Gefühl steigerte sich in den letzten Wochen, bis es zum dauerhaften inneren Toben wurde. Dinge, die mich sonst nie angehoben haben, erschienen mir nun verlockend. Alles flüsterte „Iss mich, ich schmecke wunderbar und mache dich glücklich!“ Der Tag wurde zur Qual, weil es nur noch darum ging, mich irgendwie abzulenken und das Unvermeidliche aufzuschieben.

Aufschieben. Denn je stärker der Zwang wird, desto klarer zeichnet sich ab, dass er nicht verschwindet. An guten Tagen aß ich abends etwas Salat. Zählbar. Kontrolliert. Gesund.
Aber immer öfter riss mich das Toben mit sich und ich tobte mich an Obsttheken, Eistheken, Schokoriegelregalen und anderem aus.

Und wie man sieht, fühlte es sich einfach nur gut an.
Einmal trackte ich mit. Bis 17 Uhr aß ich meine geplanten Kalorien (~1730). Bis 22 Uhr hatte ich knappe 4000kcal konsumiert. Nicht etwa durch Schokolade oder pures Fett…nein, durch einen ganzen Obstkorb und Eis. Durch das Volumen platzte ich fast aus allen Nähten. Am nächsten Vormittag waren wir beim Training, man sah mir nichts davon an. Der Bauch war flach.

Das klingt vielleicht gut, ist es aber nicht. Wenn solche Ausraster nicht bestraft werden, was hält mich dann noch in Zaum?
Es wurde jeden Tag schwerer.

Das alles erzählte ich meinem Coach.
„Okay, wie kann ich dir helfen, was willst du jetzt machen?“
„Ich brauch einen Monat Pause. Essen nach Plan, wie bisher. Aber abends ess ich noch dazu. Ich hoffe dadurch, dass das innere Toben nachlässt und ich wieder mit Verstand und Ruhe essen kann.“
Etwas zähneknirschend stimmt er zu.
Unter einer Bedingung: einmal mehr Training pro Woche.
Dafür geht es nach dem Monat dann wieder in den „Hardcore-Sprint“: Lowcarb bei 1600kcal. Und wir startet mit dem schon ewig angedrohten gemeinsamen Beintraining. Ich glaube, das Fotoshooting im August werde ich gar nicht mehr erleben. ;P

Aber im Moment habe ich das Gefühl der Befreiung, der Druck ist weg, das Gefühl täglich zu versagen auch. Ich essen abends, aber nur etwas…einen Riegel, ein Fischfilet, bis ich satt bin. Das fühlt isch gut an. Alles unter Kontrolle. Hoffentlich bleibt es so.

ps: Letztens sitz ich im Nähzimmer als Slaine den Kopf zur Tür reinsteckt: „Alles okay in Bangladesh?“ XD

Du musst weitermachen. Gib nicht auf.

April, April, da mach ich was ich will, dachte ich in den vergangenen zwei Wochen.

Mein 37. Geburtstag, das große Zittern, ob ich ab April überhaupt noch einen Job hätte, die bevorstehende Verabschiedung meiner Leutchen und das Bangen, wie wohl am Tag darauf die neuen Leutchen so sind.  Dann bearbeitete alle Fotos von 2012…dem Überjahr überhaupt, in welchem ich großartig aussah, mich großartig fühlte und scheinbar von Party zu Party schwang wie Jane an ihren Lianen und stellte fest, dass ich seit über einem Jahr lebe, wie ein Mönch. Dazu kam der Geburtstag einer Kollegin, die sich für meinen Geburtstag enorm ins Zeug gelegt hatte…große Erwartungen!

Wenn ich das Monster unterm Bett beschreiben müsste, wäre es ein süßer Hund mit riesen Augen in denen nicht als große Erwartungen stehen, die kein Mensch erfüllen kann.

Ein Kurzschluss in meinen Nervenbahnen stand also mal wieder bevor und so kam es dann auch.  Als ich spontan mit meinem Freund in der Stadt shoppen wollte, fehlte nur ein Broiler („einma halbe Hahn“ für die Wessis ;D) zum Glück. Doch es war kein genießbarer aufzutreiben und so nahm das Armageddon seinen Lauf…AllUCanEat-Chinabuffet, Schokoriegel, Ben&Jerrys, Müslimassaker und Bier zum Runterkommen. Freitag war Feiertag, Slaine hatte einen Kater und für mich hing innerlich das Bild schief…also ~2000kcal nach Ernährungsplan so lang gestreckt, wie es ging, dann aber doch im Browser verklickt und aus Versehen Pizza, Panna Cotta und Tiramisu bestellt und weil die ja 20 Minuten braucht, bis sie da ist, nochmal fix Müsli mit Studentenfutter und Extratrockenobst eingesaugt.

Und dann mal beim Coach gemeldet, ob wir den Termin vorziehen können…

Es war wie ein Zeitsprung in frühere Zeiten. Ich merkte, wo es schieflief, wusste, was ich zu tun hatte, aber ich konnte mir nicht helfen. Es war, als wäre ein Schalter umgelegt. Trotz aller Pläne und Vorbereitung konnte ich keine Sicherheit und damit keine Ruhe finden und diese Unruhe tobt still in mir. Geht dann auch nur ein geplantes Detail in meinem wackeligen Hirnlabyrinth schief, kennt meine Psyche nur einen Lösungsweg: unstillbare Gier, die alle anderen Ängste, Sorgen und Gedanken auf einen Urinstinkt zusammenschrumpft, der pochend große Mengen Fastfood fordert.

Eating Gluttony

Quelle: https://tamyourue.deviantart.com/art/Eating-Gluttony-196561878

Also traf ich meinen Coach, erzählte alles und wollte gerade verkünden, dass ich erstmal weiter zählen werde, aber ohne Kaloriendefizit. Ich wollte herausfinden, wo mein Tagesbedarf tatsächlich liegt und mir eine Pause gönnen, als mein Coach mich unterbrach, anschaute und meinte:

„Du musst weitermachen. Gib jetzt nicht auf. Solche Ausraster sind normal in der Diät, ich kenne das auch. Gerade in den letzten Wochen.“

Die letzten Wochen…ich spürte ein inneres Beben bei den Worten…die letzten Wochen. Das glaubte ich nun seit einem halben Jahr. Wie viele letzte Wochen sind es denn noch?!?

„Du hast doch den Gutschein für das Fotoshooting (Spoiler: Weihnachten 2015!!!! hatte Slaine mir einen Gutschein für ein Paarshooting geschenkt). Mach einen Termin aus! Das ist dann DEIN Wettkampftag. Bis dahin musst du die Form deines Lebens erreichen.“

Das saß. Wir sind dann noch meine Kleinzielliste durchgegangen…was davon ist „abrechenbar“, was lässt sich schwer erkennen? Und er gab mir noch ein paar neue Ziele: functional Exercises. Das war eine gute Idee, schließlich offenbaren diese Übungen regelmäßig meine Defizite und sind ein guter Anreiz. Als erstes steht auf dem Programm: Handstand aus den Slings heraus. Als das Treffen vorbei war, stellte ich verwundert fest, dass vom inneren Widerstand und dem Gefühl vom Chaos nichts mehr übrig war. Alles war wieder zurück an seinem Platz, ich konnte wieder den alten Plan aufnehmen.

Auf, in die letzten Wochen!

 

 

Dann kam auf Arbeit der Tag des Abschieds und gleichzeitig die Geburtstagsfeier meiner Kollegin. Schon morgens waren meine Leutchen schlecht drauf, quengelig wie Kleinkinder. Sind wir bald fertig? Ich bin müde. Ich hab keine Lust. Muss ich mitmachen?!? Ich schaltete auf „Verbalpeitsche“, trieb alle an, verteilte Aufgaben wie Stockschläge und langsam kamen alle in Gang. Wir hatten ein Brunch geplant und das wurde richtig gut.

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Beim Essen wurde die Stimmung locker, wir haben herzlich gelacht und Späße gemacht. Nur einer musste unaufhörlich betonen, dass er nichts essen könne, weil es ihm ja noch so schlecht ginge. Dann ging es an die Überreichung der Abschlussgeschenke und plötzlich steht eine mit einem Geschenk in der Hand vor mir. Das hätte ich wirklich am wenigsten erwartet. In den letzten Wochen haben meine Leutchen Spitznamen verteilt. Ich bekam den Spitznamen „Hexe“. Erst „Kleine Hexe“, was ja noch niedlich ist, dann aber „Böse Hexe“, was für mich ein ziemlicher Schock war. Erklären kann ich es mir nur so, dass es diesen Leuten eben sehr schwer fällt, sich mit ihren Gefühlen auseinander zu setzen. Widerstrebende Gefühle münden in schlechter Laune und daran muss jemand Schuld sein. Die Stimmung war in den ganzen letzten Wochen sehr wechselhaft. Auch ich hatte damit zu kämpfen und stellte mich auf „abgebrühter Profi“ein. Und nun plötzlich das…Tränen bei manchem, ein ganz liebes, herzliches Geschenk und eine ganz persönliche, selbstgeschriebene Karte. Ich war wie vom Donner gerührt. Als würde man einen Kühlschrank zur Mirowelle umfunktionieren wollen.

Manche blieben bis zum Schluss bei mir, waren lieb und herzlich und zeigten, was sie Gutes mit mir verbanden. Andere blieben sitzen, halfen nicht beim Aufräumen und verschwanden früher, ohne sich richtig verabschiedet zu haben. Das spiegelt auch irgendwie das letzte Jahr wieder. Es war ein stetes Ringen und Kämpfen, unterbrochen von Herzlichkeit und Lachen. Aber es war ein echt zähes Jahr. Ich war am Ende selbst total platt. Und morgen sollten die Neuen eintreffen. Ich wusste bis dienstag Nachmittag nicht, wie viele es werden würden!

 

 

Der Mittwoch kam. Die ersten trafen kurz nach 7 ein, die letzten anderthalb Stunden später. Der Unterricht beginnt um 8:00 Uhr.

Erste Runde: Kennlernspiel. Jeder erzählt etwas über sich und bindet eine Lüge ein. Ich fing an. Dann sollte der Erste lügen. Tat es aber nicht. „Ich lüge nie!“ Aha…wenn das keine Lüge ist. So ging es weiter. Nur Einer stockte nach den ersten flüssigen Sätzen und hängte dann einen gepressten Satz hintendran. Eine Neue kommentiere jeden Ausspruch, eine Zweite mischte sich ein. Es wurde unruhig. Es wurde nervig. Leider müssen am ersten Tag sämtliche Unterlagen durchgegangen, erklärt und unterzeichnet werden. Ein nerviges Prozedere. Am Ende des Tages schwirrten allen die Köpfe, alle waren genervt, ich spürte den altbekannten Widerstand und sah mich ein weiteres Jahr kämpfen.

Uff!

Ich erwachte mit sicheren Erkältungsanzeichen. Mit Bauchschmerzen begrüßte ich meine neuen Lerner…2 fehlten. Wenn die abbrechen, wäre ich arbeitslos. Ich startete mit der Vorstellung des Kursplans und der Frage: „Wie funktioniert eigentlich Schreiben?“

Und damit änderte sich alles. Die Schwatztante war neugierig und erstaunt, alle waren aufmerksam. Am Ende des Tages keimte leichte Hoffnung in mir, dass dieses Jahr doch ganz anders laufen würde. Der Tag danach verlief auch klasse. Kein Widerstand, nur Neugierde. Am Ende des Tages wandte sich einer, der am ersten Tag sichtlich mit seiner Aggression zu kämpfen hatte, in der Tür noch einmal um: „Das hier ist anders als in den anderen Schulen. Intensiver.“ Da wusste ich: Ich habe sie!

Und ich begriff: Der vorhergehende Kurs war nie meiner geworden. Diese Leute binden sich sehr eng an ihre Bezugspersonen. Ist diese Bindung vollzogen, kann nichts mehr getauscht werden. Ich war immer nur „die unliebsame Vertretung dieser einen tollen Frau auf dem Podest“.  Der neue Kurs wird durch mich geprägt. Es wird dennoch nervige Tage voller mieser Laune und brenzlicher Situationen geben, aber ich kann ruhiger sein, weil ich nicht das Gefühl haben muss, gegen meine eigenen Leutchen zu kämpfen, sondern ihr Vertrauen zu genießen.

2018 wird nicht leicht, aber es wird mein Jahr!

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37 und plötzlich denke ich ständig in „noch“-Sätzen

Die Zeit rast vorbei, dass einem ganz schwindelig wird. Gerade noch feiert man Silvester und plötzlich sind die Unterrichtstage mit meinem Lernern an einer Hand abzählbar und ich bin 37 Jahre alt.

37…da winkt ja die 40 mit beiden Händen!

Im Bodybuilding hört man oft, dass das Alter bis 40 gut zum Aufbau ist. Danach geht es nur noch darum, den Verfall aufzuhalten.

Und plötzlich bekomme ich Torschuss-Panik. Es ist fast April und seit November habe ich nichts abgenommen. Schlimmer noch, ich pendel zwischen 71kg und 73kg auf und ab. Immer häufiger genehmige ich mir Cheatdays. Es tut so gut, im Training mal mit voller Power zu berserken, statt sich mit rotem Akku von Satz zu Satz zu schleppen.

Schon drängt sich der Gedanke auf, endlich mit der Aufbauphase zu beginnen. Dabei würde ich mich damit nie wohl fühlen. Was nützt Masse, wenn sie schwabbelt?

Nächste Woche habe ich wieder meinen Termin mit Coach Marcel. Da wird es um einen neuen Schlachtplan gehen. Ich brauche dringend abrechenbar Ziele, wie auch immer die aussehen könnten. Und ich muss wieder an eine Abnahme glauben können. Show must go on, noch kann ich…

  • Muskel aufbauen
  • Fett abnehmen
  • jünger aussehen
  • besser aussehen
  • stärker werden
  • Defizite beheben
  • die Haltungsschäden ausgleichen
  • neue Gewohnheiten etablieren
  • Teile meines Selbst neu entdecken und fördern

Noch geht alles, solang ich daran glaube.

 

Zum Geburtstag gab es meine heiß ersehnte Gritzner 788 Overlock (Nähmaschine), mit der ich gleich meine erste Jeans fertig nähen werde. Es ist so COOL damit zu nähen! Ich liebe sie jetzt schon, obwohl ich die meisten Funktionen noch gar nicht nutze.

Bevor die Gritzner hier einziehen konnte, wollte ich aber zunächst Übersicht bei den vorhandenen Stoffen haben. Und so musste erst einmal jeder Reststoff vernäht werden, der nicht unbedingt geoverlocked werden muss. Mit den Schnitten beginne ich immer mehr zu spielen.

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37…die Zahl ist für mich schwer zu fassen. Aber ich seh zu, dass wir uns noch richtig gut anfreunden.

Zurück zum alten Plan mit neuen Experimenten

ENDLICH…

  • Urlaub
  • neues Essen aus meiner geliebten Rezeptsammlung genießen
  • Zeit für Kaffee-Experimente
  • wieder trainieren
  • neue Griffhilfen ausprobieren
  • Zeit zum Nähen
  • Fisch frisch zubereiten

Nachdem ich letzte Woche wie mit einem Schleudertrauma verbrachte, mich von Fressattacke zu Versagensdruck und zurück hangelte, bin ich nun seit gestern glücklich zurück in der alten Spur.

Der letzte Punkt auf der Liste ist zwar direkt schief gegangen, aber das hält mich nicht auf. UPS sollte am Samstag frischen Fisch zustellen, der Freitag frisch ausgenomen und abgeschickt worden ist. Aber UPS will nicht und fährt ihn lieber von Bautzen (Stadt in Sachsen) über Berlin (nicht in Sachsen) nach Leipzig (wieder Sachsen). So liegen meine frischen Fische, statt in meinem Magen nun in einem Paket herum, um morgen (hoffentlich noch immer gefroren) bei mir anzukommen. Wer hätte gedacht, dass es in einer Großstadt so schwer sein könnte, frischen Fisch zu bekommen.

Zeit zum Nähen heißt bei mir, Zeit, all die missglückten Experimente aufzutrennen und hoffentlich zu retten. Das ist total nervig, macht gar keinen Spaß und die ganze Zeit befürchtet man das Schlimmste. Paradoxerweise mache ich es trotzdem…Masochismus kann wohl ganz unterschiedliche Folgen haben.

Neue Griffhilfen! Slaine hat sie in einem Clip von Tim Budesheim gesehen, der sie sehr anpreist. Kurz darauf schlingt er mir ein Maßband um die Handgelenke und schwupps, kam zwei Tage später ein Päckchen für mich an. Andere bekommen Schmuck zum Valentinstag, ich bekomme Griffhilfen. Romantik ganz nach meinem Geschmack. 😀 Sinn des Ganzen ist, natürlich bessere Griffkraft, dabei aber ein schnelleres Anlegen zu ermöglichen als das ewige Herumgeschlinge bei herkömmlichen Zughilfen. Und es funktioniert wirklich gut! Bei der rechten Hand seht ihr, wie man sie benutzt. Man hat wirklich einen guten Griff und muss nicht viel Zeit mit Wickeln verbringen. Gestenr habe ich sie zum ersten Mal benutzt. Negativ aufgefallen ist mir, dass bei Rackdeads eine Ader am Handgelenk gequetscht wurde. Mit etwas veränderter Position wurde das besser. Außerdem hat das starre Innenteil etwas am Arm gescheuert. Da wird die Zeit zeigen, ob das besser wird, wenn es nicht mehr ganz so starr ist, oder ob ich mir noch etwas extra Polster einarbeite. Schwierig war es außerdem, mit den Hilfen die Wiederholungszahlen zu notieren. XD

Damit kommen wir auch schon zu den Kaffee-Experimenten. Vor einigen Jahren las ich ein Buch, das mich nachhaltig beeinflusste: „Homeland“ von Cory Doctorow. Es ist die Fortsetzung von „Little Brother“. Am Anfang des Romans befindet sich der Protagonist auf dem Burning Man Festival…einem Endzeit-Festival mitten in der Wüste. Fernab von allen Bequemlichkeiten der Zivilisation. Kein Strom, fließendes Wasser, kein Dach über dem Kopf…Mad Max-Atmosphere.
Kein Strom?
Also wie kommen wir denn nun auf Kaffee?
Na eben ohne Strom…der Protagonist beschreibt, wie er Cold Brew Coffee, bzw. Cold Drip Coffe macht. Seitdem saß diese Idee in meinem Hinterkopf mit dem Verweis „irgendwann man machen“.
Irgendwann war vorgestern.
Wie funktioniert es?

1. Cold Brew Coffee

  • 100g Kaffee grob mahlen
  • in einem Glas mit 800ml Wasser aufschütten
  • gut durchrühren
  • 12-24h bei Zimmertemperatur stehen lassen
  • durch einen herkömmlichen Kaffeefilter gießen
  • genießen

2. Cold Drip Coffee

  • man benötigt einen Dripper, Eiswürfel und natürlich frisch gemahlenen Kaffee
  • Kaffee etwas feiner mahlen
  • in den Dripper füllen
  • Eiswürfel obendrauf geben
  • warten, bis kein Eis mehr da ist

Fazit: Cold Brew und Cold Drip Coffee verhalten sich zu normalem Kaffee wie 90%ige Schokolade zu Vollmilch-Schokolade. Es schmeckt beides richtig intensiv nach stark verdichtetem Kaffee, aber nicht fies bitter oder sauer. Der Geschmack entfaltet sich nach und nach im Mund und bleibt noch lange auf der Zunge. Es ist, als würde man Kaffee-Bohnen lutschen. Oder Bohnen-Aroma. Da an ihn kalt trinkt, freue ich mich besonders auf den Sommer. Bei heißen Temperaturen wird der kalte Kaffee wunderbar sein. Doch auch jetzt schon ist er ein echter Genuss. Der Cold Brew ist wesentlich intensiver, kräftiger. Er schmeckt so, wie ich mir Espresso früher vorgestellt habe. Stark, aber ohne die Bitterkeit von Espresso.
Cold Drip schmeckt milder. Vielleicht liegt es daran, dass ich ihn beim ersten Mal noch sehr grob gemahlen hatte. Heute habe ich ihn feiner gemahlen, damit mehr ausgetropft wird. Wer es nicht ganz so stark mag, sollte wohl diese Variante probieren. Beides ist jedoch etwas für echte Fans von intensivem Kaffeegeschmack.

So viel für heute. Ich habe jedenfalls wieder Gefallen an den Sachen gefunden, die ich so tu. Die Waage wird für mich verbannt bleiben. Nun setze ich ganz auf Umfänge und den Spiegel. Das ist mehr Wert und macht mich nicht so „mad“.