Perspektivwechsel…ist der Akku immer halbvoll oder halbleer?

Die vierte Diätwoche läuft gerade. 1600 kcal an trainingsfreien Tagen, 1800 kcal an Trainingstagen. Bis auf einen Tag (Mitarbeiterfest), ist jede Tag perfekt. Einfach perfekt. Der Hunger drückt ab und an, manchmal liegen auch die Nerven kurz blank, aber im Großen und Ganzen läuft es sahnig.

Slaine bestellt dauernd Pizza oder schleppt mich als Zuschauer zum All-u-can-eat-Buffet. Aber es hebt mich kaum an. Im Moment kann ich es kaum erwarten, wieder die alte Form zu erreichen und dann natürlich die Grenze zu überqueren, um noch tiefere Einschnitte, meine Bauchmuskulatur, meine Wadenform, all das noch verborgene freizulegen. DAS will ich mehr als alles andere.

Wenn ich sehe, welch schöne Formen unter der Fettschicht stecken…da sind schöne Bauchmuskelpakete drunter, der Hintern bekommt zur Zeit eine neue seitliche Linie, die die eigentliche Backe abteilt, meine Schultern bekommen stärkere Konturen und selbst der lange vernachlässigte innere Rücken wächst langsam…davon will ich mehr sehen. Und ich will mich bewegen. Zweimal war ich bisher beim Poledance und jedes Mal war mindestens ein überraschter Jauchzer dabei, der von der Überraschung über die ungeahnten Möglichkeiten berichtet. Ich kann! Ich kann viel mehr, als ich mir zugetraut habe. Und das sickert so langsam durch.

Als Kind träumte bestimmt jeder mal davon, höher zu springen, schneller zu rennen oder geschmeidiger am Stufenbarren zu turnen als die anderen. Doch die Erfahrung zeigte immer: vergiss es, du bist ganz unten dabei. Mein Sportlehrer schaute regelmäßig am Ende des Schuljahres auf all die gesammelten 5en und sagte dann: Du hast immer so schön geschwitzt, dafür gibt es eine 3. Ich habe in all den Schuljahren stets die Erfahrung gesammelt, dass ich zum Sport nicht zu gebrauchen bin. Selbst bei meinem über alles geliebten Reitsport passte meine Ambition nicht zu meinem Können. Ich bekam die Knie einfach nichts ans Pferd und stieg regelmäßig im hohen Bogen über den Hals des Pferdes fliegend ab. Sport war für mich stets eine Serie von Enttäuschungen.

Und nun sowas…Poledance und Bodybuilding. Immer öfter erwische ich mich bei dem Gedanken: Zuhause denkst du eh nur ans Essen, geh lieber trainieren. Und dann geh ich trainieren.

Was ist passiert?

Gut, Bodybuilding und ich brauchten lange, um uns anzunähern. Erst als ich entdeckte, dass mein Körper einfach gut darin ist, Muskeln aufzubauen, reizte mich der Gedanke mehr und mehr, endlich etwas zu tun, was meiner Biologie, meinen Anlagen entspricht, statt mich immer zu Sportrichtungen zwingen zu wollen, die ich für „gesundheitlich wertvoll“ hielt.

Poledance ist nochmal etwas ganz anderes. Poledance kam durch die Umsetzung von Pausen.

Und das war so.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich mich permanent ausgelaugt fühle. Meinem Empfinden nach stand ich schon morgens mit rot blinkender Akkuanzeige auf und schleppte mich dann durch den Tag. Bis mir irgendwann auffiel, dass das gar nicht stimmt. Das Bild von mir war Quatsch, denn das Aufstehen fiel mir nie wirklich schwer. Ich fühle mich morgens meistens fit und munter und auch während der Arbeit bin ich normalerweise voller Energie, flitze Treppen hoch und runter und sprühe vor Energie. Dann kommt der Feierabend und plötzlich ist es, als wäre der Stecker gezogen. Aber ich hab ja noch so viel zu tun und kann mich ja jetzt nicht schlafen legen! Also Kaffee, Energy oder Booster eingeworfen und weiter gemacht. Irgendwann schleppte ich mich nur noch von Kaffee zu Kaffee und war wirklich dauerhaft am Limit.

Ich begriff, dass ich nur mal die Signale meines Körpers ernst nehmen müsste und mir eine Pause gönnen sollte, um das Dauertief in ein normales Auf- und Ab zurückzuverwandeln. Also begann ich freitags nach Arbeit, statt zum Wochenendeinkauf und der üblichen Haushalts-to-do-Liste ins Solarium zu gehen. Zeit des erzwungenen Nichtsstuns…wie wohlig! Wie gut das tut! Dann begann ich Meditationsplaylisten zu hören (Danke für den Tipp! Ich muss gar nicht außer Haus zu Kursen gehen…ich kann es im Bett tun! Manchmal steht man sich echt selbst im Weg.). Der ständig überdrehte Kopf fand endlich einen Ausstieg und Ruhe.

Dann habe ich noch die Kohlenhydrate so verteilt, dass ich sie bekomme, wenn ich sie nötig habe (nämlich auf Arbeit!!!!). Das lästige Einkaufen lässt sich Dank der Diät auf 2x/Woche einschränken.

Plötzlich hatte ich Zeit und Energie! Und ich hatte Lust auf etwas Neues…ein kleines Experiment. Lust mich selbst zu entdecken udn herauszufordern. Pledance hatte mir schon immer gefallen und was kann schon passieren…ich probierte es aus. Meisterschaften werde ich auch darin nie gewinnen, aber mehr Körperspannung, bessere Koordination und jede Menge Spaß.

Seitdem hat sich mein Blickwinkel wirklich gewandelt. Ich empfinde meinen Körper nicht mehr als Verräter, der mich im Stich lässt und immer nur träge ist. Langsam werden wir richtige Kumpel, die sich unterstützen und auch mal Rücksicht aufeinander nehmen. Ich bin gar kein immer schlapper Sack, ich hab sogar ganz schön viel Power, aber die entdeckt man eben erst, wenn man auch die Schwäche mal zulässt und annimmt.

 

Ps: Ich fürchte, wenn ich den letzten Band der Chronik des Eisernen Druiden von Kevin Hearne ausgelesen habe, fall ich erstmal in eine literarische Depression. Mit den Büchern könnte ich stundenlang Cardio machen! Die haben einfach alles! Literarische Zitate, philosophische Unterhaltungen, Hintergrundwissen über Mythen und Legenden, süße Tiere und dazwischen grotesk übertriebene Brutalität und flache Anzüglichkeiten. Einfach mit jedem Band ein absoluter Hochgenuss…wenn das vorbei ist fall ich in ein Loch!

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4 Wochen Leben – ein Resumee

4 Wochen Diätpause waren bitter nötig. Nach 18 Monaten mit Ernährungsplan und sich zum Ende hin häufenden Fressorgien brauchte ich dringend eine Luftholpause. Es war höchste Zeit für all die Dinge, die in einem Leben nach Ernährungsplan keinen Platz haben:

  • spontane Essenssuche nach Appetit
  • Eisbecher bei Hitze
  • Geburtstagskuchen bei Freunden oder Bekannten
  • Urlaub
  • Treffen und Essen mit Freunden und Bekannten, Familie
  • Party feiern, mal richtig einen drauf machen
  • Grillen und auswärts essen
  • Spontanität
  • ordentlich beschwipst sein

Nun sitze ich heute hier, mit fast 7 kg mehr auf den Rippen, 5 cm mehr Umfang an Bauch und Hüfte und kann es einfach nicht bereuen.

Die letzten Wochen waren wir eine Zeitreise im Zeitraffer. Mit dem Essen kam die Ruhe, statt ständigem Gewusel und kontinuierlichem Abarbeiten von To-Do-Listen wollte ich nach Arbeit nur eins: Beine hochlegen und in einem guten Buch schmökern. Ich war einfach entspannt, die Füße schwer und voll. Die Klamotten wurden enger, der Speck quoll wieder über den Bund, alles wurde träge.

Nach 2 Wochen konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, im Studio Gewichte zu stemmen. Das Einzige, was mich wirklich zur Bewegung trieb, war die Jagd nach Eis und Süßkram.

Und nun, wie weiter?
Mitte August steht der Termin fürs Fotoshooting. Bis dahin sind es ziemlich genau 10 Wochen. Zeit, für einen neuen Diät-Sprint.

  • 1600kcal + Trainingsversorgung
  • Meditation, um Ruhe zu finden
  • Pole Dance und Stretching-Kurse
  • wieder ins Gewichtetraining kommen
  • baden gehen
  • Freizeit mit Nähen füllen

 

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Fakt ist, ich werde aufpassen müssen, dass ich nicht wieder so „ausgelaugt“ bin, sodass ich 4 Wochen Pause brauche, um mich psychisch von der strikten Ernährung zu erholen. Ich will möglichst keine Fressorgien mehr und wieder das Gefühl haben, zu leben. Nach dem Fotoshooting ist für mich Schluss mit der harten Diät, dann muss ich soweit sein, dass ich das Gewicht halte und durch Muskelaufbau und finetuning definiere. Das wird nicht leicht, aber es ist immerhin ein Plan.