Mal wieder eine Hornochsen-Aktion

Wenn man es sich schön machen will, aber kaum Geld besitzt, ist Ebay-Kleinanzeigen eine echte Fundgrube. Was es da alles gibt! Un meist zu einem unschlagbaren Preis. Viele dinge werden gar verschenkt!
Verschenkt!
Mitten im Kapitalismus.
Unglaublich.

Wo ist da der Haken?
Klar, der Transport.
Man muss selbst schleppen und transportieren. Oder man zahlt viel Geld dafür, dass es ein anderer tut.

Für meine Pole-Dance-Stange brauchte ich dringend einen weiteren Spiegel, um beim Üben zu sehen, ob es halbwegs so gut aussieht, wie es sich anfühlt.
Und nicht so einen mickrigen Spiegel. So groß wie möglich sollte das Teil sein.

Ich fand einige wunderschöne Exemplare. Doch wie sollte ich den Transport bewerkstelligen? Glas wiegt einiges und so ein großer spiegel ist durch seine sperrige Form schwer zu bewegen.

Wenn er keinen Rahmen hat, ist die Gefahr groß, dass er unterwegs zerbricht. Außerdem weiß ich dann gar nicht, wie ich ihn an der Wand befestigen kann. Also besser einen mit Rahmen.

Dann sah ich ihn: 1,80 x 0,60 m groß mit Rahmen. Riesig und wunderschön. Bald ist März, meine einweihungsparty rückt näher und daher war das ziel für meinen Urlaub (diese woche), die Wohnung fertig zu stellen.

Jetzt oder nie, sagte ich mir und stellte den Kontakt zum Verkäufer her. Gerade mal 15€ sollte das gute Stück kosten. In der Anschaffung liegen solche Größen bei ca. 350€.
Ich musste ihn haben. Irgendwie würde ich ihn schon wegbekommen, dachte ich.

Irgendwann meldete sich mein Ex und fing an, mir sein Herz auszuschütten. Wir haben in letzter Zeit wieder ziemlich guten, freundschaftlichen Kontakt. Nach über 13 gemeinsamen Jahren ist eben ein dickes Band vorhanden, auch wenn keine romantischen Gefühle mehr im Spiel sind.
Ehe er richtig loslegen konnte, schrieb ich ganz dreist: Das erzählst du mir am besten, während wir meinen neuen Spiegel zu mir schaffen.
Und nach kurzer Überlegung sagte er zu.

Zu zweit wird das ein Klacks…..dachte ich.

Vor dem Laden angekommen, grinste mir, statt dem kräftigen Mann, den ich als Verkäufer erwartet habe, eine ca. 40kg schwere Asiatin entgegen. Sie würde mir schonmal nicht helfen können.
Mein Ex stand bereit und wir betraten den Laden, wo ich das gute Stück direkt am Boden erblickte. Festgespannt in einen Rahmen aus Echtholz und auf eine Platte auf Presspan und Holzleisten geleimt.
Ich konnte ihn nicht einmal vom Boden heben, so schwer war er.

Doch zum Glück war ich ja nicht allein und mein Ex wesentlich stärker als ich. Als wir das Teil auf den Oberschenkeln liegen hatten, wurde mir das Ausmaß des Desasters erst richtig bewusst, denn meine Unterarme protestierten sofort lautstark. Und wir waren noch keinen cm gelaufen. Wie sollten wir den ganzen Weg bis zu mir nur bewerkstelligen?

Nicht den Berg anschauen, sage ich immer, betrachte nur den nächsten Schritt.

Der nächste Schritt war die Tram-Haltestelle, denn natürlich transportiert man den schwersten Spiegel der Welt in der Straßenbahn.

Dort angekommen war ich am Ende meiner Kräfte. Im Gesicht knallrot und mit Händen, die nicht mehr greifen konnten. Der Schweiß rann mir den Rücken runter, als wäre es ein Formel1 Rennen.

Als wir das Teil hochkant in die Tram schoben, es passte gerade so diagonal auf den Platz, der eigentlich für Kinderwagen reserviert ist, grinsten mich von überall junge Gesichter an, als wöllten sie sagen: Ja, so einen Scheiß habe ich auch mal verbockt. Damals, als ich jung war und es nicht besser wusste.

Nach nur einer Haltestelle mussten wir Tram und Bahnsteig wechseln und hatten 10 Minuten Zeit, zu Luft zu kommen. Zum ersten Mal seit langem war ich froh, dass 10 Minuten wirklich lang sein können. Doch mir graute vor dem Weg zu mir. In meiner Vorstellung war der Weg endlos weit (räumliche Wahrnehmung gehört nicht zu meinen Stärken, liegt vielleicht daran, dass sich ein Weg in Minirock und derselbe Weg mit dem schwersten Spiegel der Welt in den Händen völlig unterschiedlich lang anfühlen).

In echt war er das übrigens auch. Und so konnte ich es gar nicht glauben, als wir plötzlich vor meiner Haustür angekommen waren. In den Fahrstuhl hätte er fast nicht reingepasst. Ich fühlte mich mittlerweile in meinen Klamotten, als wäre ich im Raumfahreranzug in die Sauna gegangen und meine Hände wollten den Schlüssel nicht mehr greifen, geschweige denn drehen. Das Türöffnen wurde zur Herausforerung.

Doch schließlich schafften wir auch das, wuchteten das Teil über die Pole-Dance-Verstrebungen hinweg an die Wand, schafften es mit letzter Kraft das Ding aufrecht hinzustellen und genossen dann erstmal einen Schnaps auf die Strapazen.

Als ich dann allein war, setzte zur Erleichterung die Freude ein. Gefühlt ist meine Wohnung nun fertig und bereit für die Einweihungsparty. Und ich fühle mich richtig wohl darin.

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dunkle Zeit

Heute ist mein letzter freier Tag…“zum Glück“ raunt es mir da vom Rande meines Bewusstseins zu.

Es ist nicht so, dass die letzten Wochen furchtbar waren und ich die ganze Zeit unglücklich in der Ecke gesessen hätte. Im Gegenteil, es waren fast alles richtig schöne Tage. Teilweise genoss ich die Entspannung allein Zuhause, oder ich war in guter Gesellschaft und hatte richtig ausgelassen Spaß.

Und dennoch schwebte über allem der dunkle Mantel. Das begann vor Weihnachten, als meine Heinis mir die letzten Reserven wegfraßen und ich mich in einem Gespräch sagen höre: „Wir stehen hier an einer Weggabelung und ihr müsst jetzt entscheiden, ob die nächsten drei Monate hier eine schöne Zeit oder die Hölle auf Erden sind. Denn ich bin im Moment am Ende. Mit meinen Nerven, meinen Ideen, meinen Lösungen, meinen Strategien. Ich kann nicht mehr. Und wenn ihr so weitermacht, schmeiß ich hin. Dann gehe ich.“
Das zeigte Wirkung, die letzten zwei Tage vor Weihnachten verbrachten wir alle in seliger Stimmung, waren lieb zueinander und wieder eine richtig gute Truppe. Aber der Kraftstoffanzeiger war im roten Bereich und ich brauchte dringend einen Energieschub von außen.

Den erhoffte ich mir wieder vom Favoriten. Ich hatte ihm schon früh gesagt, dass ich durch meine Doppelschichten nur an zwei Zeitfenstern könne. Am Tag des ersten Zeitfensters hoffte ich also schon ganz zappelig auf die Nachricht, dass er vielleicht heute käme. Ich klammerte mich geradezu an den Gedanken, sog daraus die Kraft und gute Laune, die ich brauchte, um einen Schritt vor den anderen zu setzen.
Doch zunächst hörte ich von ihm nur: „Weiß ja nicht, wie du Zeit hast, aber ich könnte Samstagnachmittag oder Sonntag.“

Der Satz löste mich auf. Ich war bei der Mittagspause und hätte mich am liebsten sofort unterm Schreibtisch zusammengrollt und wäre in Dornröschchenschlaf gefallen, denn natürlich hatte ich weder am einen noch am anderen Termin Zeit. Verzweiflung und Wut sind ein ganz übles Gemisch. Es überfiel mich und ich wusste doch aus den Streits der Vergangenheit, dass ich nichts mehr daran ändere. Denn egal, was ich sage, der Favorit ändert seine Pläne nicht und ich steh in seiner Prioritätenliste ganz unten.

Ich schrieb ihm später, wie mies es mir nun ginge und wie bitter es sich anfühlt, so tief in der Prioritätenliste zu sein, dass jeder Typ, der ihn auf der Straße anspricht, ob er ihm einen Burger vom McDrive mitbringen könnte, vor mir landen würde. Denn ich bin ja nur Sex und auf den kann er locker ein paar Wochen verzichten.
Giftige Worte, aber deswegen nicht weniger wahr.

Es war genau die Situation eingetreten, die ich immer vermeiden wollte und wegen der ich keine Beziehung mehr will. 90% des Jahres gebe ich Vollstoff, bin voller guter Energie, verschwende sie geradezu, um andere zu motivieren und selbst durch den Alltag zu schweben. Aber es gibt eben die Zeit der 10%, in der meine Reserven aufgebraucht sind und ich einen Teil der gegebenen Energie zurück bräuchte. Mein Ex ist viele Jahre in genau der Zeit mit seinem Verständnis da gewesen. Ich hätte mir dann zwar auch mal eine Massage oder ausgiebige Streicheleinheiten gewünscht, aber immerhin gab er mir emotionalen Halt.

Nun bin ich Single und muss mich selbst managen. Und da setze ich ausgerechnet auf das unzuverlässigste Pferd im Stall. Typical me. Doch der Schaden war angerichtet.
Zu allem Übel sagt der Kerl auch wirklich immer noch das Dümmste, was man in solchen Situationen sagen kann. Wäre es nicht so real, wären seine Texte guter Stoff für einen Bühnenkomiker.

So saß ich dann also am ersten „freien“ Tag (meine Schicht im Nebenjob begann erst 18 Uhr) morgens im Bett und wusste, es wartet die nächsten Tage nur die Arbeit auf mich. Arbeit und Zeit. Keine Gesellschaft, keine Party, keine Ablenkung, kein Sinn. Die Arbeit wurde das einzige Strukturelement eines endloses Ozeans voller leerer Zeit. Ich hatte schon ungewöhnlich lang geschlafen und stellte schon beim Aufwachen fest, dass er sich an meine Schultern schmiegte: der Mantel aus bedrückender Dunkelheit. Ich schaffte es nichtmal zum Kaffee in die Küche. Lag nur wie gelähmt da. Nicht einmal der morgendliche Smalltalk mit dem Favoriten war ein Motivationspunkt, denn ich war noch so sauer, traurig und verletzt, dass ich nicht schrieb.

Am 25. wachte ich früh auf und spazierte voller guten Mutes ins Fitnessstudio. Mittlerweile fühle ich mich im John Reed so wohl, dass ich manchmal meinen Wohnungsschlüssel statt meiner Mitgliedskarte zücke, wenn ich reingehe. 2. Zuhause eben.
Auch am 25. fühlte ich mich dort gut aufgehoben und wollte mit einer Ganzkörpereinheit loslegen.
Guter Plan soweit. Nur dass ich eben den Mantel aus Dunkelheit noch immer trug. Schon in der ersten Übung fiel es mir von Wiederholung zu Wiederholung schwerer. Als hätte ich überall unsichtbare Bleigewichte am Körper. Ich dachte erst, es wäre nur das fehlende Training und zwang mich noch zu einer zweiten Übung. Dort spürte ich es dann ganz und gar. Die Muskultatur brannte sofort, alles fühlte sich an, als würde ich mit erhöhter Schwerkraft trainieren und plötzlich war ich müde. So lähmend müde.

Das war der Worst Case, denn wann immer ich in den nächsten Tagen darüber nachdachte, ins Studio zu gehen, überfiel mich die Angst, dass mich der Mantel wieder bis ins Studio verfolgt und dort nur darauf lauert, dass ich etwas unternehmen will, um mich zu retten. Den Mantel im Training zu erkennen ist einfach…die totale Niederlage. Eine klare Botschaft: Die Depression ist wieder da und du entkommst ihr nirgends. Versuchs gar nicht erst.
Ich war seitdem nicht mehr im Studio…

Gerettet hat mich dann zunächst ein sehr verspäteter Besuch des Favoriten. Was, bin ich total doof, dass ich den trotzdem noch reinlasse?
Ja, ich bin nicht nur doof, ich bin auch total süchtig. Denn so mies das alles läuft und so schlecht er zu mir passt…die Stunden mit ihm sind Stunden im Himmel.
Es ist auch wieder typisch für mein Leben, dass der Charakter, der im Alltag am schlechtesten zu mir passt, im Bett der ideale Partner ist. Drei Stunden mit ihm und die Welt ist plötzlich wieder ein buter, lichtdurchfluteter Ort voller schöner Melodien. Verflixt nochmal…

Und als er weg war, wollte ich gerade zum Training stiefeln, als ich zwei Paketscheine im Briefkasten finde…meine Poledancestange wartete beim Nachbarn auf mich! 😀

Langsam kam wieder Licht ins Dunkel.

Durch den Stress in den letzten Wochen habe ich natürlich auch mehr gegessen…logisch, ich rede auch nicht von Proteinen. Ich spürte tagtäglich, wie ich dicker und weicher wurde. Wie der Speck sich über den Rand der Hose schiebt und meine Arme! X_x Aber ich konnte es nicht aufhalten und so hatte ich das Gefühl, alles verloren zu haben, worum ich so lang gekämpft hatte. Das ewige Auf- und Ab hat mich wieder.
Erst als ich mich an der Stange sah, wurde mir klar, dass nichts zu spät ist, dass der Mantel mich mit seinen Einflüsterungen betrügt und nichts so schlimm ist, dass man es nicht mit ein wenig Sport und Disziplin wieder hinkriegt.
Der Mantel lügt. Und man glaubt ihm doch.
Zum Glück macht es einfach so viel Spaß, an der Stange zu turnen, dass ich es nur aus eben diesem Spaß heraus tue.

Das Gefühl, fliegen zu können und von der erarbiteten Muskulatur zu profitieren. Und das Gefühl an der Grenze zu einem ganz neuen Land voller Möglichkeiten zu stehen, holt mich langsam raus aus dem Tief. Und jetzt werde ich mal eiligst nach Diätplan vorkochen, denn ich will heute noch versuchen, zum Training zu gehen.

Ob ich es schaffe? Drückt mir die Daumen. 😉

Perspektivwechsel…ist der Akku immer halbvoll oder halbleer?

Die vierte Diätwoche läuft gerade. 1600 kcal an trainingsfreien Tagen, 1800 kcal an Trainingstagen. Bis auf einen Tag (Mitarbeiterfest), ist jede Tag perfekt. Einfach perfekt. Der Hunger drückt ab und an, manchmal liegen auch die Nerven kurz blank, aber im Großen und Ganzen läuft es sahnig.

Slaine bestellt dauernd Pizza oder schleppt mich als Zuschauer zum All-u-can-eat-Buffet. Aber es hebt mich kaum an. Im Moment kann ich es kaum erwarten, wieder die alte Form zu erreichen und dann natürlich die Grenze zu überqueren, um noch tiefere Einschnitte, meine Bauchmuskulatur, meine Wadenform, all das noch verborgene freizulegen. DAS will ich mehr als alles andere.

Wenn ich sehe, welch schöne Formen unter der Fettschicht stecken…da sind schöne Bauchmuskelpakete drunter, der Hintern bekommt zur Zeit eine neue seitliche Linie, die die eigentliche Backe abteilt, meine Schultern bekommen stärkere Konturen und selbst der lange vernachlässigte innere Rücken wächst langsam…davon will ich mehr sehen. Und ich will mich bewegen. Zweimal war ich bisher beim Poledance und jedes Mal war mindestens ein überraschter Jauchzer dabei, der von der Überraschung über die ungeahnten Möglichkeiten berichtet. Ich kann! Ich kann viel mehr, als ich mir zugetraut habe. Und das sickert so langsam durch.

Als Kind träumte bestimmt jeder mal davon, höher zu springen, schneller zu rennen oder geschmeidiger am Stufenbarren zu turnen als die anderen. Doch die Erfahrung zeigte immer: vergiss es, du bist ganz unten dabei. Mein Sportlehrer schaute regelmäßig am Ende des Schuljahres auf all die gesammelten 5en und sagte dann: Du hast immer so schön geschwitzt, dafür gibt es eine 3. Ich habe in all den Schuljahren stets die Erfahrung gesammelt, dass ich zum Sport nicht zu gebrauchen bin. Selbst bei meinem über alles geliebten Reitsport passte meine Ambition nicht zu meinem Können. Ich bekam die Knie einfach nichts ans Pferd und stieg regelmäßig im hohen Bogen über den Hals des Pferdes fliegend ab. Sport war für mich stets eine Serie von Enttäuschungen.

Und nun sowas…Poledance und Bodybuilding. Immer öfter erwische ich mich bei dem Gedanken: Zuhause denkst du eh nur ans Essen, geh lieber trainieren. Und dann geh ich trainieren.

Was ist passiert?

Gut, Bodybuilding und ich brauchten lange, um uns anzunähern. Erst als ich entdeckte, dass mein Körper einfach gut darin ist, Muskeln aufzubauen, reizte mich der Gedanke mehr und mehr, endlich etwas zu tun, was meiner Biologie, meinen Anlagen entspricht, statt mich immer zu Sportrichtungen zwingen zu wollen, die ich für „gesundheitlich wertvoll“ hielt.

Poledance ist nochmal etwas ganz anderes. Poledance kam durch die Umsetzung von Pausen.

Und das war so.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich mich permanent ausgelaugt fühle. Meinem Empfinden nach stand ich schon morgens mit rot blinkender Akkuanzeige auf und schleppte mich dann durch den Tag. Bis mir irgendwann auffiel, dass das gar nicht stimmt. Das Bild von mir war Quatsch, denn das Aufstehen fiel mir nie wirklich schwer. Ich fühle mich morgens meistens fit und munter und auch während der Arbeit bin ich normalerweise voller Energie, flitze Treppen hoch und runter und sprühe vor Energie. Dann kommt der Feierabend und plötzlich ist es, als wäre der Stecker gezogen. Aber ich hab ja noch so viel zu tun und kann mich ja jetzt nicht schlafen legen! Also Kaffee, Energy oder Booster eingeworfen und weiter gemacht. Irgendwann schleppte ich mich nur noch von Kaffee zu Kaffee und war wirklich dauerhaft am Limit.

Ich begriff, dass ich nur mal die Signale meines Körpers ernst nehmen müsste und mir eine Pause gönnen sollte, um das Dauertief in ein normales Auf- und Ab zurückzuverwandeln. Also begann ich freitags nach Arbeit, statt zum Wochenendeinkauf und der üblichen Haushalts-to-do-Liste ins Solarium zu gehen. Zeit des erzwungenen Nichtsstuns…wie wohlig! Wie gut das tut! Dann begann ich Meditationsplaylisten zu hören (Danke für den Tipp! Ich muss gar nicht außer Haus zu Kursen gehen…ich kann es im Bett tun! Manchmal steht man sich echt selbst im Weg.). Der ständig überdrehte Kopf fand endlich einen Ausstieg und Ruhe.

Dann habe ich noch die Kohlenhydrate so verteilt, dass ich sie bekomme, wenn ich sie nötig habe (nämlich auf Arbeit!!!!). Das lästige Einkaufen lässt sich Dank der Diät auf 2x/Woche einschränken.

Plötzlich hatte ich Zeit und Energie! Und ich hatte Lust auf etwas Neues…ein kleines Experiment. Lust mich selbst zu entdecken udn herauszufordern. Pledance hatte mir schon immer gefallen und was kann schon passieren…ich probierte es aus. Meisterschaften werde ich auch darin nie gewinnen, aber mehr Körperspannung, bessere Koordination und jede Menge Spaß.

Seitdem hat sich mein Blickwinkel wirklich gewandelt. Ich empfinde meinen Körper nicht mehr als Verräter, der mich im Stich lässt und immer nur träge ist. Langsam werden wir richtige Kumpel, die sich unterstützen und auch mal Rücksicht aufeinander nehmen. Ich bin gar kein immer schlapper Sack, ich hab sogar ganz schön viel Power, aber die entdeckt man eben erst, wenn man auch die Schwäche mal zulässt und annimmt.

 

Ps: Ich fürchte, wenn ich den letzten Band der Chronik des Eisernen Druiden von Kevin Hearne ausgelesen habe, fall ich erstmal in eine literarische Depression. Mit den Büchern könnte ich stundenlang Cardio machen! Die haben einfach alles! Literarische Zitate, philosophische Unterhaltungen, Hintergrundwissen über Mythen und Legenden, süße Tiere und dazwischen grotesk übertriebene Brutalität und flache Anzüglichkeiten. Einfach mit jedem Band ein absoluter Hochgenuss…wenn das vorbei ist fall ich in ein Loch!

4 Wochen Leben – ein Resumee

4 Wochen Diätpause waren bitter nötig. Nach 18 Monaten mit Ernährungsplan und sich zum Ende hin häufenden Fressorgien brauchte ich dringend eine Luftholpause. Es war höchste Zeit für all die Dinge, die in einem Leben nach Ernährungsplan keinen Platz haben:

  • spontane Essenssuche nach Appetit
  • Eisbecher bei Hitze
  • Geburtstagskuchen bei Freunden oder Bekannten
  • Urlaub
  • Treffen und Essen mit Freunden und Bekannten, Familie
  • Party feiern, mal richtig einen drauf machen
  • Grillen und auswärts essen
  • Spontanität
  • ordentlich beschwipst sein

Nun sitze ich heute hier, mit fast 7 kg mehr auf den Rippen, 5 cm mehr Umfang an Bauch und Hüfte und kann es einfach nicht bereuen.

Die letzten Wochen waren wir eine Zeitreise im Zeitraffer. Mit dem Essen kam die Ruhe, statt ständigem Gewusel und kontinuierlichem Abarbeiten von To-Do-Listen wollte ich nach Arbeit nur eins: Beine hochlegen und in einem guten Buch schmökern. Ich war einfach entspannt, die Füße schwer und voll. Die Klamotten wurden enger, der Speck quoll wieder über den Bund, alles wurde träge.

Nach 2 Wochen konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, im Studio Gewichte zu stemmen. Das Einzige, was mich wirklich zur Bewegung trieb, war die Jagd nach Eis und Süßkram.

Und nun, wie weiter?
Mitte August steht der Termin fürs Fotoshooting. Bis dahin sind es ziemlich genau 10 Wochen. Zeit, für einen neuen Diät-Sprint.

  • 1600kcal + Trainingsversorgung
  • Meditation, um Ruhe zu finden
  • Pole Dance und Stretching-Kurse
  • wieder ins Gewichtetraining kommen
  • baden gehen
  • Freizeit mit Nähen füllen

 

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Fakt ist, ich werde aufpassen müssen, dass ich nicht wieder so „ausgelaugt“ bin, sodass ich 4 Wochen Pause brauche, um mich psychisch von der strikten Ernährung zu erholen. Ich will möglichst keine Fressorgien mehr und wieder das Gefühl haben, zu leben. Nach dem Fotoshooting ist für mich Schluss mit der harten Diät, dann muss ich soweit sein, dass ich das Gewicht halte und durch Muskelaufbau und finetuning definiere. Das wird nicht leicht, aber es ist immerhin ein Plan.