Mal wieder eine Hornochsen-Aktion

Wenn man es sich schön machen will, aber kaum Geld besitzt, ist Ebay-Kleinanzeigen eine echte Fundgrube. Was es da alles gibt! Un meist zu einem unschlagbaren Preis. Viele dinge werden gar verschenkt!
Verschenkt!
Mitten im Kapitalismus.
Unglaublich.

Wo ist da der Haken?
Klar, der Transport.
Man muss selbst schleppen und transportieren. Oder man zahlt viel Geld dafür, dass es ein anderer tut.

Für meine Pole-Dance-Stange brauchte ich dringend einen weiteren Spiegel, um beim Üben zu sehen, ob es halbwegs so gut aussieht, wie es sich anfühlt.
Und nicht so einen mickrigen Spiegel. So groß wie möglich sollte das Teil sein.

Ich fand einige wunderschöne Exemplare. Doch wie sollte ich den Transport bewerkstelligen? Glas wiegt einiges und so ein großer spiegel ist durch seine sperrige Form schwer zu bewegen.

Wenn er keinen Rahmen hat, ist die Gefahr groß, dass er unterwegs zerbricht. Außerdem weiß ich dann gar nicht, wie ich ihn an der Wand befestigen kann. Also besser einen mit Rahmen.

Dann sah ich ihn: 1,80 x 0,60 m groß mit Rahmen. Riesig und wunderschön. Bald ist März, meine einweihungsparty rückt näher und daher war das ziel für meinen Urlaub (diese woche), die Wohnung fertig zu stellen.

Jetzt oder nie, sagte ich mir und stellte den Kontakt zum Verkäufer her. Gerade mal 15€ sollte das gute Stück kosten. In der Anschaffung liegen solche Größen bei ca. 350€.
Ich musste ihn haben. Irgendwie würde ich ihn schon wegbekommen, dachte ich.

Irgendwann meldete sich mein Ex und fing an, mir sein Herz auszuschütten. Wir haben in letzter Zeit wieder ziemlich guten, freundschaftlichen Kontakt. Nach über 13 gemeinsamen Jahren ist eben ein dickes Band vorhanden, auch wenn keine romantischen Gefühle mehr im Spiel sind.
Ehe er richtig loslegen konnte, schrieb ich ganz dreist: Das erzählst du mir am besten, während wir meinen neuen Spiegel zu mir schaffen.
Und nach kurzer Überlegung sagte er zu.

Zu zweit wird das ein Klacks…..dachte ich.

Vor dem Laden angekommen, grinste mir, statt dem kräftigen Mann, den ich als Verkäufer erwartet habe, eine ca. 40kg schwere Asiatin entgegen. Sie würde mir schonmal nicht helfen können.
Mein Ex stand bereit und wir betraten den Laden, wo ich das gute Stück direkt am Boden erblickte. Festgespannt in einen Rahmen aus Echtholz und auf eine Platte auf Presspan und Holzleisten geleimt.
Ich konnte ihn nicht einmal vom Boden heben, so schwer war er.

Doch zum Glück war ich ja nicht allein und mein Ex wesentlich stärker als ich. Als wir das Teil auf den Oberschenkeln liegen hatten, wurde mir das Ausmaß des Desasters erst richtig bewusst, denn meine Unterarme protestierten sofort lautstark. Und wir waren noch keinen cm gelaufen. Wie sollten wir den ganzen Weg bis zu mir nur bewerkstelligen?

Nicht den Berg anschauen, sage ich immer, betrachte nur den nächsten Schritt.

Der nächste Schritt war die Tram-Haltestelle, denn natürlich transportiert man den schwersten Spiegel der Welt in der Straßenbahn.

Dort angekommen war ich am Ende meiner Kräfte. Im Gesicht knallrot und mit Händen, die nicht mehr greifen konnten. Der Schweiß rann mir den Rücken runter, als wäre es ein Formel1 Rennen.

Als wir das Teil hochkant in die Tram schoben, es passte gerade so diagonal auf den Platz, der eigentlich für Kinderwagen reserviert ist, grinsten mich von überall junge Gesichter an, als wöllten sie sagen: Ja, so einen Scheiß habe ich auch mal verbockt. Damals, als ich jung war und es nicht besser wusste.

Nach nur einer Haltestelle mussten wir Tram und Bahnsteig wechseln und hatten 10 Minuten Zeit, zu Luft zu kommen. Zum ersten Mal seit langem war ich froh, dass 10 Minuten wirklich lang sein können. Doch mir graute vor dem Weg zu mir. In meiner Vorstellung war der Weg endlos weit (räumliche Wahrnehmung gehört nicht zu meinen Stärken, liegt vielleicht daran, dass sich ein Weg in Minirock und derselbe Weg mit dem schwersten Spiegel der Welt in den Händen völlig unterschiedlich lang anfühlen).

In echt war er das übrigens auch. Und so konnte ich es gar nicht glauben, als wir plötzlich vor meiner Haustür angekommen waren. In den Fahrstuhl hätte er fast nicht reingepasst. Ich fühlte mich mittlerweile in meinen Klamotten, als wäre ich im Raumfahreranzug in die Sauna gegangen und meine Hände wollten den Schlüssel nicht mehr greifen, geschweige denn drehen. Das Türöffnen wurde zur Herausforerung.

Doch schließlich schafften wir auch das, wuchteten das Teil über die Pole-Dance-Verstrebungen hinweg an die Wand, schafften es mit letzter Kraft das Ding aufrecht hinzustellen und genossen dann erstmal einen Schnaps auf die Strapazen.

Als ich dann allein war, setzte zur Erleichterung die Freude ein. Gefühlt ist meine Wohnung nun fertig und bereit für die Einweihungsparty. Und ich fühle mich richtig wohl darin.

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dunkle Zeit

Heute ist mein letzter freier Tag…“zum Glück“ raunt es mir da vom Rande meines Bewusstseins zu.

Es ist nicht so, dass die letzten Wochen furchtbar waren und ich die ganze Zeit unglücklich in der Ecke gesessen hätte. Im Gegenteil, es waren fast alles richtig schöne Tage. Teilweise genoss ich die Entspannung allein Zuhause, oder ich war in guter Gesellschaft und hatte richtig ausgelassen Spaß.

Und dennoch schwebte über allem der dunkle Mantel. Das begann vor Weihnachten, als meine Heinis mir die letzten Reserven wegfraßen und ich mich in einem Gespräch sagen höre: „Wir stehen hier an einer Weggabelung und ihr müsst jetzt entscheiden, ob die nächsten drei Monate hier eine schöne Zeit oder die Hölle auf Erden sind. Denn ich bin im Moment am Ende. Mit meinen Nerven, meinen Ideen, meinen Lösungen, meinen Strategien. Ich kann nicht mehr. Und wenn ihr so weitermacht, schmeiß ich hin. Dann gehe ich.“
Das zeigte Wirkung, die letzten zwei Tage vor Weihnachten verbrachten wir alle in seliger Stimmung, waren lieb zueinander und wieder eine richtig gute Truppe. Aber der Kraftstoffanzeiger war im roten Bereich und ich brauchte dringend einen Energieschub von außen.

Den erhoffte ich mir wieder vom Favoriten. Ich hatte ihm schon früh gesagt, dass ich durch meine Doppelschichten nur an zwei Zeitfenstern könne. Am Tag des ersten Zeitfensters hoffte ich also schon ganz zappelig auf die Nachricht, dass er vielleicht heute käme. Ich klammerte mich geradezu an den Gedanken, sog daraus die Kraft und gute Laune, die ich brauchte, um einen Schritt vor den anderen zu setzen.
Doch zunächst hörte ich von ihm nur: „Weiß ja nicht, wie du Zeit hast, aber ich könnte Samstagnachmittag oder Sonntag.“

Der Satz löste mich auf. Ich war bei der Mittagspause und hätte mich am liebsten sofort unterm Schreibtisch zusammengrollt und wäre in Dornröschchenschlaf gefallen, denn natürlich hatte ich weder am einen noch am anderen Termin Zeit. Verzweiflung und Wut sind ein ganz übles Gemisch. Es überfiel mich und ich wusste doch aus den Streits der Vergangenheit, dass ich nichts mehr daran ändere. Denn egal, was ich sage, der Favorit ändert seine Pläne nicht und ich steh in seiner Prioritätenliste ganz unten.

Ich schrieb ihm später, wie mies es mir nun ginge und wie bitter es sich anfühlt, so tief in der Prioritätenliste zu sein, dass jeder Typ, der ihn auf der Straße anspricht, ob er ihm einen Burger vom McDrive mitbringen könnte, vor mir landen würde. Denn ich bin ja nur Sex und auf den kann er locker ein paar Wochen verzichten.
Giftige Worte, aber deswegen nicht weniger wahr.

Es war genau die Situation eingetreten, die ich immer vermeiden wollte und wegen der ich keine Beziehung mehr will. 90% des Jahres gebe ich Vollstoff, bin voller guter Energie, verschwende sie geradezu, um andere zu motivieren und selbst durch den Alltag zu schweben. Aber es gibt eben die Zeit der 10%, in der meine Reserven aufgebraucht sind und ich einen Teil der gegebenen Energie zurück bräuchte. Mein Ex ist viele Jahre in genau der Zeit mit seinem Verständnis da gewesen. Ich hätte mir dann zwar auch mal eine Massage oder ausgiebige Streicheleinheiten gewünscht, aber immerhin gab er mir emotionalen Halt.

Nun bin ich Single und muss mich selbst managen. Und da setze ich ausgerechnet auf das unzuverlässigste Pferd im Stall. Typical me. Doch der Schaden war angerichtet.
Zu allem Übel sagt der Kerl auch wirklich immer noch das Dümmste, was man in solchen Situationen sagen kann. Wäre es nicht so real, wären seine Texte guter Stoff für einen Bühnenkomiker.

So saß ich dann also am ersten „freien“ Tag (meine Schicht im Nebenjob begann erst 18 Uhr) morgens im Bett und wusste, es wartet die nächsten Tage nur die Arbeit auf mich. Arbeit und Zeit. Keine Gesellschaft, keine Party, keine Ablenkung, kein Sinn. Die Arbeit wurde das einzige Strukturelement eines endloses Ozeans voller leerer Zeit. Ich hatte schon ungewöhnlich lang geschlafen und stellte schon beim Aufwachen fest, dass er sich an meine Schultern schmiegte: der Mantel aus bedrückender Dunkelheit. Ich schaffte es nichtmal zum Kaffee in die Küche. Lag nur wie gelähmt da. Nicht einmal der morgendliche Smalltalk mit dem Favoriten war ein Motivationspunkt, denn ich war noch so sauer, traurig und verletzt, dass ich nicht schrieb.

Am 25. wachte ich früh auf und spazierte voller guten Mutes ins Fitnessstudio. Mittlerweile fühle ich mich im John Reed so wohl, dass ich manchmal meinen Wohnungsschlüssel statt meiner Mitgliedskarte zücke, wenn ich reingehe. 2. Zuhause eben.
Auch am 25. fühlte ich mich dort gut aufgehoben und wollte mit einer Ganzkörpereinheit loslegen.
Guter Plan soweit. Nur dass ich eben den Mantel aus Dunkelheit noch immer trug. Schon in der ersten Übung fiel es mir von Wiederholung zu Wiederholung schwerer. Als hätte ich überall unsichtbare Bleigewichte am Körper. Ich dachte erst, es wäre nur das fehlende Training und zwang mich noch zu einer zweiten Übung. Dort spürte ich es dann ganz und gar. Die Muskultatur brannte sofort, alles fühlte sich an, als würde ich mit erhöhter Schwerkraft trainieren und plötzlich war ich müde. So lähmend müde.

Das war der Worst Case, denn wann immer ich in den nächsten Tagen darüber nachdachte, ins Studio zu gehen, überfiel mich die Angst, dass mich der Mantel wieder bis ins Studio verfolgt und dort nur darauf lauert, dass ich etwas unternehmen will, um mich zu retten. Den Mantel im Training zu erkennen ist einfach…die totale Niederlage. Eine klare Botschaft: Die Depression ist wieder da und du entkommst ihr nirgends. Versuchs gar nicht erst.
Ich war seitdem nicht mehr im Studio…

Gerettet hat mich dann zunächst ein sehr verspäteter Besuch des Favoriten. Was, bin ich total doof, dass ich den trotzdem noch reinlasse?
Ja, ich bin nicht nur doof, ich bin auch total süchtig. Denn so mies das alles läuft und so schlecht er zu mir passt…die Stunden mit ihm sind Stunden im Himmel.
Es ist auch wieder typisch für mein Leben, dass der Charakter, der im Alltag am schlechtesten zu mir passt, im Bett der ideale Partner ist. Drei Stunden mit ihm und die Welt ist plötzlich wieder ein buter, lichtdurchfluteter Ort voller schöner Melodien. Verflixt nochmal…

Und als er weg war, wollte ich gerade zum Training stiefeln, als ich zwei Paketscheine im Briefkasten finde…meine Poledancestange wartete beim Nachbarn auf mich! 😀

Langsam kam wieder Licht ins Dunkel.

Durch den Stress in den letzten Wochen habe ich natürlich auch mehr gegessen…logisch, ich rede auch nicht von Proteinen. Ich spürte tagtäglich, wie ich dicker und weicher wurde. Wie der Speck sich über den Rand der Hose schiebt und meine Arme! X_x Aber ich konnte es nicht aufhalten und so hatte ich das Gefühl, alles verloren zu haben, worum ich so lang gekämpft hatte. Das ewige Auf- und Ab hat mich wieder.
Erst als ich mich an der Stange sah, wurde mir klar, dass nichts zu spät ist, dass der Mantel mich mit seinen Einflüsterungen betrügt und nichts so schlimm ist, dass man es nicht mit ein wenig Sport und Disziplin wieder hinkriegt.
Der Mantel lügt. Und man glaubt ihm doch.
Zum Glück macht es einfach so viel Spaß, an der Stange zu turnen, dass ich es nur aus eben diesem Spaß heraus tue.

Das Gefühl, fliegen zu können und von der erarbiteten Muskulatur zu profitieren. Und das Gefühl an der Grenze zu einem ganz neuen Land voller Möglichkeiten zu stehen, holt mich langsam raus aus dem Tief. Und jetzt werde ich mal eiligst nach Diätplan vorkochen, denn ich will heute noch versuchen, zum Training zu gehen.

Ob ich es schaffe? Drückt mir die Daumen. 😉

Zeit, sich Wünsche zu erfüllen

„Was ist denn mit deiner Küchentür?“, fragt der Liebhaber, dem ich erzählte, dass ich sie vielleicht noch vor Weihnachten einbauen lasse.
„Ach, hör auf!“, sage ich frustriert.
„Erzähl, was ist los?“

Los war der Kostenvoranschlag von Hornbach, der doch wesentlich teurer ausfiel, als gedacht. Gerechnet hatte ich mit 250, maximal 300 €. Auf der Rechnung standen jedoch am Ende 450€, wobei ich 50€ fürs Aufmaß schon angezahlt hatte.

Leisten kann ich mir eigentlich auch die 250€ nicht, doch da mich jede Nacht das Kühlschrankmonster mit seinen gurgelnden und summenden Geräuschen weckt, ich außerdem nach stark riechenden Gerichten das Bettzeug wechseln kann und den Essensgeruch tagelang in der Wohnung habe, desweiteren die Küche ständig mitheizen muss, tat eine Tür hier dringend Not. Umso mehr hat mich der Kostenvoranschlag abgef****.

Der Liebhaber setzt sich an den Bettrand und blickt nachdenklich in Richtung Küchenzeile. „Dann mach ich dir die Türe. Ich hab sowas schon mal gemacht und auch alles Nötige da.“
Ich war hin und hergerissen.
Einerseits lässt man sich von einem Liebhaber normalerweise keine Türen einbauen, außerdem besteht immer die Gefahr, dass man sich auf jemanden verlässt, der dann beschließt, dass es für ihn nicht so wichtig ist, sich an Vereinbarungen zu halten.

Aber andererseits…ich wollte diese Tür.
UNBEDINGT.

Später schrieb er von sich aus: „Ich kümmer mich um die Tür, musst keinen anderen bestellen, Babe.“ Da war es für mich abgemacht.
Türblatt (Tür), Drückergarnitur (Klinke), Zargenschaum, Zarge (Türrahmen) und Acryl waren schnell bestellt.
Doch dann der nächste Rückschlag: „Ach, die Zarge ist aus dem Katalog, die muss ich bestellen. Sollte in 4-5 Wochen da sein.“

-.-

„Die spinnen doch, geh am Montag mal zu Wöhlk, Babe, die haben Ahnung.“
Goggle sagt, es handelt sich um einen Holzfachhandel. Also tanz ich da montags an und bestelle die Zarge. Am nächsten Tag ist sie schon abholbar und auch günstiger als bei Hornbach. Statt veranschlagten 450€ kam der Einbau nun insgesamt 230€.

„Wo haben sie denn ihr Auto stehen?“, fragt der junge Mann im Lager.
Lachend wuchte ich mir den 2m langen und ca. 20kg schweren Karton auf die Schulter und sage: „Mein Verkehrsmittel fährt aller 10 Minuten von der nächsten Haltestelle ab.“
„Und der Freund sitzt Zuhause auf dem Sofa, oder was?“
„So in etwa…“

Schnell merke ich, dass es echt kräftezehrend ist, so ein unhandliches Paket zu tragen. Das Gewicht ist nicht das Problem, sondern einen guten Griff zu finden, der das Paket nicht schmerzhaft gegen einen Knochen drückt oder ständig die Hände abrutschen lässt. Und ich verfluche mich, weil ich eigentlich noch die Griffhilfen einpacken wollte, die für einen guten Grip sorgen.
Das letzte Stück über die Brücke bis zum Haus wird es nochmal kniffeliger, weil der Wind es spaßig findet, mir das Paket Richtung Abgrund zerren zu wollen. Doch schließlich öffne ich stolz die Wohnungstür und lege die Zarge zurecht.

Gestern war es dann soweit. Mit vereinten Kräften bauten wir den Rahmen ein und schließlich auch die Tür samt Drückergarnitur.

Schon gestern merkte ich, dass es für mich viel gemütlicher ist, wenn der Raum geschlossen ist, statt dem gähnenden Loch zur Küche. Diese Nacht schlief ich viel ruhiger, weil das Küchenmonster ausgesperrt ist.
Als ich morgens aufwachte, war mir heiß, denn ohne Küchenloch bleibt auch mehr Wärme im Raum.

Zum Mittag habe ich Fleisch gemacht. Es war ein wunderbares Gefühl, zu wissen, dass die Küche in 2 Minuten durchgelüftet ist und nicht die ganze Wohnung noch tagelang danach riecht.
Als das Essen fertig war, wollte ich damit ins Wohnzimmer, aber dann wurde mir klar, dass dadurch wieder Geruch ins Wohnzimmer kommt, den ich da im Moment wirklich nicht haben will. Also aß ich zum ersten Mal überhaupt in der Küche und fand es richtig gemütlich. Ohne Ablenkung, gemütlich am Esstisch.
Erst jetzt fühlt es sich wirklich wie MEINE Wohnung an. :))
Ich habe viel Wissen dazu gewonnen (Zum Beispiel beim nächsten Mal darauf zu achten, dass Türblatt und Zarge wirklich die gleiche Farbe haben *ggg*.), und Spaß beim Zusammenbau gehabt.

Next Stop: Pole-Dance-Stange. 😀

4 Monate Single

4 Monate und ich kann noch immer nicht behaupten, dass ich verstünde, wie das richtig geht.
Es ist noch immer eine riesen Umstellung von der bedrückenden Enge in die absolute Freiheit zu springen, nur um dann festzustellen, dass die andere Wiese auch gar nicht so viel grüner ist.
Oder dass das grellere Grün auf Dauer nicht gut zu ertragen ist.

In einem Roman fand ich letztens das Wort, welches mein neues Leben gut beschreibt: unbehaglich. Man versucht es sich gemütlich zu machen, aber irgendwie klappt es nicht so richtig.

In meinem alten Leben hatte ich es geschafft, viel Zeit zu füllen, mit kochen, Serien schauen, zocken, nähen. Zu meinem neuen Leben passt das nicht mehr. Es fühlt sich an, als würde ich versuchen nochmal mit Barbies zu spielen. Ich sehe, was mich daran gefesselt hatte, aber es fesselt mich jetzt eben nicht mehr.

Dennoch brauche ich Struktur,
denn die bewahrt mich vorm Fall ins Nichts.
Und was bietet mehr Struktur als Bodybuilding?
Ich koche noch immer nach Plan für mehrere Tage im Voraus. Und noch immer hasse ich es.
Außerdem gehe ich trainieren. Neulich hat nun endlich mein neues 2. Zuhause (John Reed) offiziell eröffnet und ich fühle mich dort sehr wohl, auch wenn es echt verdammt kalt ist! *brrrr*
Ich fotografiere mich noch immer gern.

Letzte Woche war ich zweimal beim Training. Auf den Stairmaster ging ich gern und fühlte mich wohl. Doch bald ging mir die Puste aus. Macht nichts, dachte ich und wollte ans Eisen, nur um festzustellen, dass ich urplötzlich müde war. Zu müde um irgendwelches Gewicht zu bewegen. Beim 1. Mal schob ich es noch auf Verspannungen. Aber beim 2. Mal machte ich mir Sorgen…was ist nun schon wieder los mit mir?

Ich grübelte und hatte eine Idee: Was, wenn ich Erscheinungen einer depressiven Verstimmung habe?
Passt zu meinem Kaufverhalten (Ich darf auf keinen Fall Geld ausgeben, ich darf nicht tiefer in den Dispo kommen..ach scheiß drauf, ich kauf mir was Schönes!)
Passt zu meinem Essverhalten (Heute halte ich mich einfach an den Plan, kostet ja auch viel zu viel sonst und ich darf auf keinen Fall fett werden…oh Gott, die Riegel brauchte ich jetzt! Aber jetzt sind keine mehr da! Ich muss noch welche auf Vorrat kaufen.)
Passt zum Training (ENDLICH ein neues 2. Zuhause, endlich richtig rocken beim Training! Och, ist das heute alles schwer! Und wie mir alles wehtut und im Bett ist es viel gemütlicher.)
Passt zum Freizeitverhalten (Ich würde ja spazieren gehen…aber es ist grau und ich kenne die Gegend nun doch schon. Ich würde ja nähen, aber das ist doch auch anstrengend. Ich würde ja eine Runde auf dem Balkon chillen, aber es ist doch schon zu kalt. Ich würde ja tanzen gehen, aber 23 Uhr ist echt schon spät.)

Meine Selbstdiagnose erklärt das alles ziemlich gut. Also „behandel“ ich mich nun selbst auf Depression. Ich nehme täglich meine Dosis Vitamin D+K. Ich bin nachsichtig mit mir, wenn ich mal einfach entspannen will, tret mich aber auch hoch, wenn ich weiß, dass es besser wäre. Ich verordne mir Spaziergänge, auch wenn ich keine Lust dazu habe und Trainingseinheiten, selbst wenn sie schlecht laufen. Desc Weiteren rede ich mit meinen Freundinnen und meiner Familie, auch wenn mir nach einigeln zumute ist.
Und es klappt. Gestern habe ich Beine trainiert. Und ich habs durchgezogen.
3 Schichten Shirts…damit bleib selbst ich warm, trotz Schweiß.

Sturz aus dem Chaos in die totale Ordnung.

Problem erkannt, Problem gebannt, könnte man sagen. Wenn man so wenig Geld hat, dass die freie Zeit zur Qual wird, dann sucht man sich am besten einen Nebenjob. Und genau das habe ich getan.
Zwei Jobs, zwei Arbeitsorte, viel strukturierte Zeit. Irgendwann gibts auch mal Geld dafür.
Im Moment tut es mir gut, auf lange Sicht wird es wohl zur Belastung werden. Deswegen habe ich mich auch bei neuen Stellen beworben, auch wenn es sich furchtbar anfühlt, mir vorzustellen, den Job aufzugeben.

Und ich habe angefangen, Träume zu realisieren. Letzten Monat kaufte ich das Ticket für die Fibo und die Fiboparty, diesen Monat buchte ich das Hotel. Träume aus eigener Hand realisieren, auch wenn es eigentlich (finanziell) nicht geht. Das tut gut.

Durch den neuen Job habe ich allerdings nicht nur weniger Zeit, nein, da es dort furchtbar zieht, habe ich auch gleich mal eine Erkältung mitgenommen. Das wird die nächsten Monate eine ordentliche Abhärtungskur für mich. Doch im Moment kann ich dadurch nicht einmal an den wenigen freien Tagen trainieren.

Auch merke ich, dass die Zeit zwar gefüllt ist, aber nicht erfüllt. Die Sehnsucht nach Leben schlägt ganz heftig in meiner Brust. Da ich erstmal nicht mehr date, stellt sich die Frage, was es da sonst noch geben könnte. Leben, das sich erfüllt anfühlt, ohne dass ich von anderen abhängig bin.

Bei mir bedeutet dass in erster Linie, dass meine Psyche mich regelmäßig beim Essen ausrasten lässt. Jeder Tag beginnt nach Plan, aber schon in der Mittagspause kann ich an dem ganzen Futterkram, den die Kollegen anbieten, nicht vorbei. Abends muss dann natürlich ordentlich Zucker her. Auch wenn der Verstand weiß, dass es nicht funktioniert, der Bauch sehnt sich nach Glücksgefühlen und Erfüllung. Wenigstens einmal genießen, flüstert es mir. Auch wenn das, was ich da treibe mit Genuss nichts zu tun hat.

Was also tun?
1. Ich habe mir die Regel auferlegt, nichts unterwegs, im Stehen oder mal schnell zwischendurch zu futtern, sondern wenn, dann wirklich als bewusste Ruhephase. Das klappt auch immerhin.
2. Balkonpausen..wird bei den Temperaturen immer schwieriger, aber dort komme ich richtig runter.
3. Tanzen! Sobald es geht, muss ich tanzen gehen. Dort fühle ich mich wild, lebendig, spüre mich und mein klopfendes Herz.
4. Nicht aufgeben. Ich kaufe weiter nach Plan ein. Versuche mich zu motivieren. Versuche dran zu bleiben. Nur nicht ganz aufgeben.

Aber ich habe Angst…Angst vor psychischen Abgründen, Angst vor Verschuldung, Angst vor Überforderung, Angst vor einem Leben als Untote. Dieser Angst muss ich mich stellen.

Form wird besser

Hiho zusammen…

Obwohl ich zur Zeit wirklich viel futter, wird die Form besser. Das liegt zum einen am neuen Trainingsplan. Nun merke ich, das ich wirklich zu lang stets dasselbe trainiert habe und dadurch manche Aspekte der Muskulatur vernachlässigt wurden. Denn die jammern jetzt ordentlich.

Zum anderen merke ich, dass es mich selten mal eine Stunde auf einem Stuhl hält. Ich muss in Bewegung sein. Wahrscheinlich ist mein Verbrauch dadurch auch etwas höher.
Ich trainiere zur Zeit auch sehr viel. Viel öfter als sonst. Das liegt zum einen daran, dass mir furchtbar langweilig ist. Mein ganzes Leben langweilt mich zu Tode, da mach ich doch lieber etwas, was immerhin ein Ergebnis bringt. Zum anderen könnte es auch damit zu tun haben, dass ein sportlicher Mann mein näheres Interesse geweckt hat. ^^

Doch die Langeweile ist wirklich schlimm. Es ist, als ob da draußen eine riesen Party tobe und ich sei als einzige nicht eingeladen. Das ist natürlich Quatsch. Aber das Gefühl, ausgeschlossen zu sein und nicht tun zu können, was ich bedarf, macht mich wirklich fertig, zersetzt mich langsam von innen heraus.

Ihr wisst ja, ich bin lösungsorientiert. Was also tun?
Nun, zunächst muss man an den Ursachen arbeiten…
Ursache Nr. 1 ist, ich verdiene so wenig, dass es einfach hinten und vorn nicht reicht. Ich liebe meinen Job, aber ich kann ihn mir einfach nicht mehr leisten.
Also habe ich a) einen Nebenjob gesucht..yay. Dabei habe ich so lange für weniger Arbeitszeit gekämpft. Doch ohne Geld ist die Zeit erdrückend geworden.
Und b) reiche ich dem Teufel die Hand und bewerbe mich beim Staat als Lehrer. Obwohl sich mir beim Gedanken daran echt der Magen umdreht. Das Trauma des Referendariats steckt noch tief in mir. Andererseits bin ich inzwischen ein gestandener Lehrer, der weit mehr als 24h unterrichtet.
Kann es da so schlimm werden?

Wir werden sehen.

Heute geht es erstmal zum Coach, über ein paar Wehwehchen klagen, grundlegend das Essensprinzip überdenken und ein paar Übungen rocken.

Und danach kommt der Mann, der alles mitbringt, wonach es mich dürstet. Ob er meinen Durst stillen kann? =)

Hallo, ihr kennt mich nicht.

Lange war es still hier. Das liegt daran, dass es den alten Blogautor nicht mehr gibt. Und das kam recht plötzlich.

Lange hatte ich mich um meinen Freund gesorgt, weil er sich m.M.n. nur noch in virtuellen Welten versteckte. Die Wohnung verkam, alle Aufgaben fielen mir allein zu und ich steckte in einem durchroutiniertem Alltag fest, der mich schlichtweg erstickte. Dazu kam, dass mir die Libido vor einigen Jahren stiften gegangen ist. Da war nichts mehr, was mich reizte. Keine heimlichen Fantasien. Kein Prickeln. Sex wurde zur Qual. Und das ist für mich eigentlich kein normaler Zustand.

Der Jahresurlaub kam. Außer 3 Tage Zürich war nichts geplant, obwohl ich seit Dezember gequengelt hatte.

Die Nacht des letzten Arbeitstages endete gegen 4 Uhr, als ich mit Panik aufwachte. Plötzlich ertrug ich nichts mehr. Ich ertrug den Gedanken, 2 Wochen in dieser Wohnung zu leben nicht. Ich ertrug die Alltagsroutinen nicht. Und vor allem ertrug ich den Gedanken, mit diesem Mann weiter so ein eingepferchtes Leben zu führen, nicht. Ich wollte raus, am liebsten sofort in eine WG ziehen. Diese Gedanken kamen für mich völlig unvorbereitet. Ich hatte mich die Tage zuvor nochmal richtig in die Arbeit und diverse Aktivitäten reingekniet. Aber nun wurde mir klar: Ich will ausbrechen. Damals dachte ich noch, dass sich die Beziehung sicher kitten lasse. Wer geht schon nach über 13 Jahren glücklicher Beziehung plötzlich weg?

Ich beschloss zunächst auf Arbeit zu gehen und das lenkte mich tatsächlich gut ab. Ich funktionierte. Nach Feierabend, auf dem Weg zur Tram begleiteten mich meine Lerner. Doch je näher ich der Tramstation kam, desto wilder schlug mein Herz. Die Panik war wieder da. Ich konnte nicht zurück in die Wohnung.

Der Freund rief mich an, um mir zum Urlaub zu gratulieren. Ich sagte nur, ich könne noch nicht heim kommen und er wusste sofort Bescheid. Er wusste, was Sache ist, bevor ich es richtig realisiert und im vollem Ausmaß begriffen hatte: ich wollte raus aus der Beziehung.