Kacke zum Trinken..mein Darmbakterienexperiment Teil I

Wir schreiben das Jahr 2017. Viele Menschen haben sich von den Göttern und natürlicher Nahrung abgewandt und glauben nun an gottgleiche Körperformen, funktionelles Essen und konsumieren Flüssignahrung aus Tüten.

Zoom auf den elektrisch erhellten Planeten…Megacities, Nahaufnahme einer Straße, schwenk in eine Küche. Wir sehen eine verzweifelte Frau, die mit zitternder Hand ein Tütchen aufreißt und mit hungrigem Blick Pulver in ein Glas schüttet. Sie gießt Wasser dazu, rührt, wartet, starrt das Glas an, als ob es den Welthunger allein besiegen könnte. Schließlich setzt sie es an die Lippen und kippt die weißliche Flüssigkeit hinab.

Die Zeit verlangsamt sich, wir zommen in die Speiseröhre, die letzten Tropfen gleiten hinab, die Zeit verrinnt immer langsamer. Ein letztes endlos langes Schlucken…und die Zeit steht still.

Mit einem Ruck läuft die Zeit normal weiter, man sieht die junge Frau. Sie sieht aus wie vorher, die Küche sieht aus wie vorher. Es hat sich nichts verändert…

Manchmal frage ich mich schon selber: Bist du wirklich so verzweifelt?
Die offensichtliche Antwort lautet: Es scheint so.

Was ist passiert?
Wir reisen eine Wochen zurück. Es ist die Woche drei Komma fünf im monatlichen Diätturnus. Die Waage steht seit 3,5 Woche still, obwohl ich fast jeden Tag trainiere und den Diätplan übererfülle. Meine Schwester ruft an und erzählt, dass sie sich viel mit dem Thema „Darm“ beschäftigt und wie unermesslich groß die Auswirkungen des Darms sind. Allergien, Autoimmunkrankheiten, Wohlbefinden, Laune, Abnehmen….alles beginnt im Darm.
Und dann gibt es da diese Studie, bei der dicke Mäuse den Kot von dünnen fressen und umgekehrt. Und siehe da, die dicken Mäuse nehmen ab und die dünnen Mäuse nehmen zu.
Ergo: Darmbakterien von Dünnen machen schlank, Darmbakterien von Dicken machen dick.
Klingt stark vereinfacht? Ist es auch.

Es klingt einfach zu schön, um wahr zu sein.
Ein Tütchen pulverisierte Kackebakterien am Tag trinken und ganz von allein abnehmen.

Aber in der dritten Diätwoche jedes Monats bin ich zu allem bereit. Und dieses Mal hat meine Schwester mir eben zur rechten Zeit diesen Floh ins Ohr gesetzt.
Wenn auch nur eine geringe Chance besteht, dass es dadurch leichter wird, dann muss ich das einfach probieren.
Drei Monate gebe ich dem Experiment Zeit.

Heute ist Tag I. Ich habe das erste Mal ein Tütchen Omni Biotic Metabolic getrunken.

Tadaaa…das neue Wundermittel. Kann alles, heilt alles…mit nur einem Schluck.

Jetzt müsst ihr mich fragen: „Wie hat es geschmeckt?“
Und ich so: „Irgendwie scheiße.“

Ha
Ha
😉

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Ich bin doch kein Analphabet

Letztens fragte RTL an, ob sie bei uns filmen und interviewen dürfen. Beim MDR oder Arte hätte ich mir das überlegt, aber RTL nehme ich das „Wir wissen, dass es sich um ein sensibles Thema handelt“ einfach nicht ab.

Das sahen meine Teilnehmer genauso. „In der Öffentlichkeit sagst du genau EINMAL, dass du Probleme mit dem Lesen und Schreiben hast…und dann nie wieder.“, fasst einer seine Erfahrungen zusammen. „Weißt du wie das ist, wenn man dir ‚Hilie‘ hinterherruft?“ Ich kannte den Begriff gar nicht…es ist eine schmähende Abkürzung für Hilfsschüler, wird mir erklärt.

Probleme mit der Rechtschreibung und Grammatik haben viele Menschen, aber Analphabeten wissen um diese Schwäche und empfinden es als Stigma, dass sie vom normalen Leben ausschließt. Verstecken ist angesagt, Kinn hoch und bloß keine Schwäche zeigen. Weil keiner merken darf, wie große Mühe das Lesen und/oder Schreiben bereitet, vermeidet man es ganz. Man kann ja nicht um Hilfe fragen.

Für Analphabeten ist vieles eine Qual bis hin zur Unmöglichkeit, was für uns selbstverständlich ist. Den Weg in Gebäuden oder zu Adressen finden, eine Tür öffnen (Türöffner, drücken, ziehen..alles Schrift und immer Menschen in der Nähe, die gleich rufen: „Kannste nicht lesen? Steht doch drauf!“), im Supermarkt orientieren (Mehl und Zuckertüten sehen sich sehr ähnlich, doch wenn man Mehl mitbringen soll und mit Zucker wiederkommt, ist das schwer zu erklären), Verträge oder Formulare ausfüllen, eine Speisekarte lesen und Essen bestellen, Internet und Handy bedienen, über Whatsapp schreiben, einen Einkaufszettel verfassen, Nachrichten verfolgen.

Und immer die Angst vor dem Satz „Kannste nicht lesen?!“.

Dabei können sie ja lesen. Der Begriff Analphabet ist furchtbar. Man assoziiert automatisch Menschen, die kaum wissen, wie man einen Stift hält. Dass diese Menschen sich jahrelang in der Schule durchgequält haben, oft mehr ins Lernen investiert haben, als alle anderen, häufig einen Berufsabschluss haben, kann sich kaum jemand vorstellen.

Die Hälfte meiner Schüler liest flüssig, besser als mancher meiner Hauptschüler. Die Fähigkeit zum Lesen und zum Schreiben kann weit auseinander klaffen. Nicht jeder, der mühelos liest, kann auch ebenso mühelos Buchstaben zu Wörtern anordnen. Viele haben eine LRS und Probleme, die Reihenfolge der Buchstaben richtig zu erkennen.

Und es gibt natürlich auch die, die sich mit jedem Buchstaben abmühen. 26 Buchstbaen umfasst das deutsche Alphabet, dazu die Umlaute, das ß, Zwielaute (ei, au, eu, äu, ie) und weitere Buchstabenkombinationen, die zusammen einen Laut ergeben (ch, sch, st, sp, nk, ng). Manche Buchstaben und Buchstabenkombinationen werden unterschiedlich ausgesprochen (st in Stil und Stiel, das v in Vater und Vase, das ch in Milch, Bach und Lachs, das e am Wortende, denn niemand sagt End-E, man spricht eher etwas wie Endö). Das Sächsisch verschlimmert alles, weil wir alles weich sprechen, sodass p, t, k kaum von b, d, g unterschieden werden können. Und dann gibt es noch die deutsche Auslautverhärtung, die am Wortende alles hart klingen lässt, sodass man alle Wörter verlängern müsste, um herauszufinden, welcher Buchstabe wirklich dorthin muss. Es gibt stumme Buchstaben, die das „e“ im „ie“ und das Dehnungs-h, die man zwar schreiben soll, aber nicht hört. Und die Ausnahmen… „Der Weg ist weg.“ Das zweite und vierte Wort klingen anders, warum werden sie dann gleich geschrieben? Was für uns in jahrelangem Unterricht eingetrichtert und gefestigt wurde, stellt für andere ein unübersichtliches Chaos dar, das sich nicht beherrschen lässt.

Einer meiner Teilnehmer kann zum Beispiel nur sehr schwer Buchstaben zu Wörtern verbinden. Soll er in einer Übung eine willkürliche Buchstabenverbindung wie zum Beispiel „gelkindor“ lesen, funktioniert das nicht. Doch einfache Texte mit gebräuchlichen Wortern liest er fast flüssig und begreift auch den Sinn. Wie kann das sein? Ganz klar, er hat ein riesiges Inventar an Wörtern als Bild abgespeichert und mit dem Klang verknüpft. Er hat buchstäblich die Wörter auswendig gelernt. Das ist eine enorme Gedächtnisleistung. Ein anderer erzählte, dass er regelmäßig zum Einkaufen für eine ganze Gruppe geschickt wurde. So sollte er zum Beispiel regelmäßig Frühstück kaufen. Drei Mohnbrötchen, fünf Sesam, drei Vollkorn, zwei Stück von diesem Kuchen, eins von jenem, dazu Butter, unterschiedliche Marmelade, Aufschnitt, Käse. Alles ohne Einkaufszettel und wenn es dann die eine oder andere Sorte Brötchen nicht gab, musste spontan umgeplant werden, ohne die gesamte Liste zu vergessen. Ein anderer erzählte, er habe mit SAP gearbeitet. Er hat einfach die Kollegen um Hilfe gebeten, weil er seine Brille vergessen habe. Und dann hat er sich jeden Tastendruck eingeprägt. Jeden einzelnen Tastendruck.

Meine Teilnehmer wissen natürlich, dass sie in einem Lese- und Schreibkurs sind, aber das Wort „Analphabet“ nimmt keiner in den Mund. Dieser Begriff begräbt Leute, man vermeidet ihn. So kam es, dass ein Teilnehmer erst durch die Anfrage von RTL begriff, dass dieser Begriff für ihn verwendet wird. „Aber ich bin doch kein Analphabet! Ich kann Lesen und Schreiben. Ich bin doch nicht dumm, nur langsam.“ Und schon kullerten Tränen. Mit diesem Begriff belegt zu werden, war für ihn die Hölle, wie ein Todesurteil.

Einmal Analphabet immer Analphabet?

Fakt ist, dass es hier nicht um Faulheit geht. So wie ich immer überlegen muss, ob links wirklich links ist, bevor ich abbiege, so geht es meinen Teilnehmern mit dem Lesen und Schreiben. Bei der Unterscheidung von Links und Rechts ist nur ein kurzer Moment der Konzentration nötig, nur eine „Entweder-oder-Entscheidung“. Meine Teilnehmer müssen dieselbe Konzentration für unzählige Buchstabenkombinationen, verwirrende Regeln und Unregelmäßigkeiten aufbringen. Und wie bei meiner Links-Rechts-Schwäche bleibt kaum etwas „hängen“, man muss es ständig trainieren, um voran zu kommen. Trainiert man nicht, fällt man zurück. Nach zwei Wochen Urlaub scheint man wieder vom Startfeld zu starten. Das ist mühsam und frustrierend. Meine Teilnehmer stellen sich dem. Tag für Tag trainieren sie, um keine Angst mehr vor anderen Menschen zu haben, keine Angst vor der Entlarvung zu haben. Sie wünschen sich nichts mehr, als perfekt lesen und schreiben zu können.

Worauf ich stets antworte: Niemand liest und schreibt perfekt. Selbst Nachrichtensprecher verlesen sich und Deutschlehrer verschreiben sich oder googeln die Rechtschreibung. Weniger Fehler machen und damit weniger Angst haben müssen, das ist das Ziel.

Das Wort Analphabet ist furchtbar…es sind Menschen, die Probleme mit dem Lesen und/oder Schreiben haben.

35. Woche und plötzlich sieht die Welt wieder anders aus…

Wieder dachte ich: Es funktioniert nicht, mit mir stimmt was nicht, es stagniert, irgendwo liegt ein Fehler vor…
Ich verliere den Glauben an mich selbst und mein Projekt, an Erfolge und Konsequenzen, die aus konstantem Tun entstehen. Ich stelle die ganze Welt in Frage und fühle mich von Tag zu Tag schlechter, die Form wird schlimmer.
Und dann…springt die Waage plötzlich nach unten, ich wache schon mit super Laune auf, habe Power, fühle mich straff und fest an…es ist eine neue Welt.

Jeden Monat falle ich darauf herein und jeden Monat fühlt sich die Zeit um den 11. herum an wie eine Neugeburt. So auch heute. Nachdem das Gewicht ewig rund um die 75kg festhing, sprang die Waage über Nacht auf 72,9kg. Neuer Tiefststand!

Dazu die Erleichterung, nicht am Familienfest teilnehmen zu müssen, sondern stattdessen meine Freiheit zu genießen. Ich war total aufgedreht.

Dann hat sich auch noch eine Freundin in meinem Studio angemeldet, sodass wir uns dort treffen konnten.

Ich zeigte ihr erstmal im Schnelldurchgang das Studio, plapperte wie ein Wasserkraftwerk und schließlich kamen wir zum Functional-Bereich.
„Und hier hast du Griffe für Klimmzüge, die sind schön, weil sie sich frei drehen und bewegen lassen“, sagte ich und zog mich ein bisschen hoch, als ich plötzlich mit dem Kopf oben ankam.
Mein erster freier Klimmzug! Absolut ungeplant, überraschend, mühelos!
Okay, ich habe ihn mit Untergriff gemacht.
Aber WAHNSINN! Ich war völlig baff.

Die Pausen zwischen den Sätzen waren heute etwas länger, denn ich musste jedem Bekannten im Studio erzählen, was sich ereignet hatte. Und jeder sagte: „Das glaube ich nicht, bis ich es selbst gesehen habe.“
Insgesamt habe ich auf die Art heute 5 freie Klimmzüge gemacht. XD Obwohl es ein Beintraining war.
Jetzt bin ich total fertig und total glücklich zugleich.

Dreieinhalb Wochen Arbeit, Schweiß und Mühe und wenn ich denke, es bringt alles nichts, wird alles gut.

Ein Kumpel hat meine Veränderung heute folgendermaßen zusammengefasst:
„Ich habe alte Bilder angeschaut, da hattest du noch sooo runde Backen! Und jetzt siehst du aus, wie aus dem KZ entlassen!“
😀 Für andere eine Beleidigung, für mich ein wundervolles Kompliment.

34. Woche…der Fluch der 75 und neue Erkenntnisse

Sie will einfach nicht weichen…immer wieder taucht die 75 auf der Waage auf. Es ist wie verhext. Kann es an meinem Darm liegen? Sind die Bakterien darin vielleicht in der Lage Ballaststoffe aufzuschließen und damit mehr Energie aus der Nahrung zu ziehen? Aufschluss gäbe eine Stuhlanalyse. Doch die ist teuer…zu teuer im Moment. Besserung verspricht ein Wunderpulver…aus Bestandteilen der Darmausscheidung schlanker Menschen….äh…yay. Und auch das kann ich mir im Moment nicht leisten.

Die Theorien, die dahinter stecken, verteufeln auch wieder jede Menge Lebensmittel und versprechen Sodom und Gomorrha, wenn wir unsere Ernährung nicht umstellen. Dinkel ist nun ganz böse, weil es mehr Gluten enthält als Weizen und Hülsenfrüchte sind auch ganz schlimm. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll. Welche Studienlage gibt es? Wer sind diese Experten…geniale Wissenschaftler oder schwerreiche Manipulatoren?

Was ich mittlerweile weiß ist, dass mein derzeitiges „Projekt Personal Coach“ weit mehr zum Vorschein bringt, als nur einen schlanken Körper.

Durch das stark geregelte Leben werde ich langsam zur Prinzessin auf der Erbse. Ich nehme vieles intensiv wahr, was ich früher nicht bemerkt hatte. Dazu zählen:

  • Sättigung durch bestimmte Lebensmittel
  • Wassereinlagerung
  • Phasen voller Engergie und Erschöpfungszustände
  • meine Unfähigkeit mich zu entspannen und zu erholen
  • Fressanfälle werden häufig durch Erschöpfung und Sehnsucht nach Erholung ausgelöst
  • psychischer Stress gipfelt in Fressanfällen (na gut, das weiß man auch vorher, aber jetzt ärgert es mich mehr)
  • Menschen behandeln dich ganz anders, wenn du attraktiv bist

Im Moment fühle ich mich verletzlich und gleichzeitig stark. Schwer zu beschreiben. Aber ich fühle, dass sich mehr in mir ändert, als nur mein Körper.

Am Wochenende wäre die nächste Familienfeier gewesen. Schon im Vorfeld ging das Gezicke los. Alles, was ich mir gewünscht habe war, dass die ewige Rennerei nach den richtigen Tellern, Gläsern und dem Silberbesteck aufhört und statdessen das in den Fokus rückt, weshalb man sich trifft: Gespräche und persönliche Nähe.

Klingt selbstverständlich?
Ist es leider nicht.
„Wenn jeder mit anpackt, wird es ein schönes Fest.“, lautet die immer wiederholte Aussage. Wer braucht schon ein cooles Familienmotto, wie „Ein Lannister zahl stets seine Schulden“, wenn man sich stattdessen zum vererbten Worcoholismus bekennnen kann. Anpacken…ständig und dauernd…das macht einem zum wertvollen Familienmitglied. Wer nur rumsitzt, ist zu nichts nütze. Schmarotzer…
Wegen ein paar Papptellern und Plastikbechern zerbricht nun die Familie.

Na gut, ein bisschen mehr steckt schon dahinter. Aber für mich steht fest, dass ich es nicht mehr ertrage. Ich muss mich selbst schützen und von diesem Unfug befreien. Wieder ein Schritt, der mir gut tut, dabei aber Menschen von mir stößt.
Vielleicht lern ich sogar eines Tages noch, wie man sich einfach zurücklehnt.

Gut, dass ich nicht hingegangen bin….

Space-Pupskonzert von Luc Besson. Die allerschlimmsten Filme sind nicht die Totalschäden, die ungewollt oder absichtlich schlechten, die so-bad-it’s-good-Kandidaten: Es sind die Filme, die mit tollen Ideen und unglaublichen Bildern um die Ecke kommen, nur um sie dann mit flammender Inkompetenz gegen die nächste Wand zu setzen. Valerian ist so ein Film. Die wunderschönen Trailer versprechen […]

über Wie blöd ist Valerian? — What’s Best in Life?

32. Woche Diät

Was sich so tut…

Inzwischen kann ich schon fast von einem Plateau reden. Die 75 hängt an mir und will nicht weichen. Kaum schaffe ich es, mehrere Tage in Folge bei 73,X zu landen, kommt eine Party, etwas Urlaub oder Ähnliches an und schwupps, habe ich die 75 kg für ein paar Tage oder Wochen wieder.

Ich habe den Bodymedia getragen, um herauszufinden, ob sich mein Grundumsatz vermindert hat, weil die Kilos einfach nicht in gewohntem Tempo weichen wollen. Blöd nur, dass man den Grundumsatz in der normalen Version nicht auslesen kann. Aber immerhin kann ich feststellen: Mein Verbrauch ist nicht gesunken. Obwohl ich über 10 kg Gewicht verloren habe, verbrauche ich noch immer durchschnittlich so viel, wie vorher. Das lässt mich vermuten, dass ich tatsächlich hauptsächlich Fett verbrannt habe und kaum Muskulatur.

Wie kommt es dann aber, dass ich nicht mehr so schnell abnehme? Nun, früher bin ich ganz regelmäßig viermal pro Woche zum Training gegangen. In den letzten Monaten wurde es stetig weniger. Ich fühlte mich einfach oft so platt und ausgepowert, dass ich es nur dreimal oder seltener schaffte. Wenn ich da war, fehlte mir schon nach der ersten Übung die Power. Ich verschob immer häufiger die Trainingseinheiten. Seltenere und weniger effektive Einheiten sparen ordentlich verbrauchte Kalorien ein…das Defizit schmilzt dahin.

Noch vor 2 Monaten war meine Wochenplanung einfach. Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag waren festgelegte Trainingstage. Ich hatte meine Ernährungslisten streng nach Trainingstag und Nichttrainingstag unterteilt und konnte so gut planen. Mit den „geschwänzten“ Trainingseinheiten wurde auch das problematischer…alles war für Trainingstage eingekauft und vorbereitet, aber plötzlich wurden es Nichttrainingstage, an denen ich wesentlich weniger Kohlenhydrate und Gesamtkalorien brauche. So konnte es nicht weiter gehen…also wechselte ich auf ein flexibleres System. Jeder Tag wird als trainingsfreier Tag geplant und es gibt einen Trainings-Bumper, den ich zusätzlich an Trainingstagen nehme. So kann ich flexibel sein und die ernährung stimmt wieder.

Meinem Coach habe ich natürlich von der Stagnation erzählt. „Die 75 sitzt auch bei dir im Kopf fest. Wenn wir die erst überwunden haben, geht es wieder voran. Aber jetzt müssen wir härter ran. Wir beschneiden die Kohlenhydrate an Trainingstagen, mehr Cardio, mehr Sätze im Trainingsplan, 15 Wiederholungen pro Satz, Satzpausen von 60 – höchstens 90 Sekunden.“
Uff…das war eine klare Ansage.

Nach dem Gespräch fuhr ich erstmal in Urlaub. Freitag früh fuhr ich mit 73,4 kg ab und kam Sonntagabend zurück. Am Montag morgen brachte ich satte 77,2kg auf die Waage. Mit 75 kg hatte ich gerechnet. 76 kg hätte ich vielleicht auch noch verstanden aber 77,2 kg haben mich richtig geschockt.

Nachhaltig.

Hinzu kommt, dass man so einen Sprung natürlich nicht einfach so schafft. Nein, man muss sich schon Mühe geben. Und das hatte ich getan. Schon am Vortag hatte ich fast ausschließlich Zuckerhaltiges gegessen und konnte abends vor Völlegefühl kaum atmen. Dennoch musste ich am nächsten Morgen 7 Rosinenschnecken, 4 Stück Kuchen, 6 Pancakes, 1 Brötchen mit viiieel Belag, Ei und Bacon und natürlich Joghurt mit Müsli und Obstsalat essen. Frühstück im Urlaub eben. Dann ein wenig bewegen, damit man wieder Luft kriegt und schon kann es weiter gehen mit Eis, Kuchen und Ähnlichem. Abends hatte ich wirklich das Gefühl, zu platzen. Alles tat mir weh.

Das war genau die richtige Ausgangssituation, um voll motiviert in die nächste Runde zu starten. Der Urlaub liegt 2 Wochen zurück, seitdem war ich fast täglich aktiv. Ich habe wieder Biss und Power und einen eisernen Willen, die 75 endlich zu besiegen und mich in Richtung 70kg aufzumachen. Nach dem Fressmassaker war der Einschnitt bei den Kohlenhydraten kein Problem. In der ersten Woche konnte ich keinen Zucker sehen und ließ sogar den Trainingsbumper unter den Tisch fallen. Ich wollte ein hohes Defizit, um die 73 schnell wiederzusehen. Geklappt hat es bisher nicht…die Waage fiel auf 75kg und dort hängt sie nun fest.

Der 4 Wochen-Rhythmus
Zyklusbedingte Wassereinlagerungen haben mich schon immer auf die Palme gebracht. Da müht man sich ab…eine Woche, zwei Wochen, drei…und die Waage sagt „Ätzschbätsch, ich weiß von nichts.“ Dazu fühle ich mich von Woche zu Woche weicher, spür- und sichtbare Muskulatur wird immer weniger. In der vierten Woche verschwindet über Nacht ein Kilo oder auch 2 und dann beginnt das Spiel von vorn. Ob ich nun mehr mache, oder weniger, mich strenger an den Ernährungsplan halte oder ein paar „Fudeltage“ zu verzeichnen sind, interessiert meine Waage kaum. Nur an diesen Sprungtagen zeigt sich, was ich geleistet habe. Es kann einen wirklich in den Wahnsinn treiben. Und obwohl ich weiß, dass es so ist, hat mich das auch vor 3 Wochen wieder fertig gemacht. Ich fühlte mich eh schlapp, wusste nicht, wo ich die Power hernehmen sollte, habe ich wirklich zusammengerissen und schon mehr gemacht, als den Monat vorher, aber Maßband und Waage waren sich einig: es war zu wenig.
Furchtbar!

Vorher

Mit diesen Erinnerungen bin ich froh über den Urlaub. Es war ein echter Resett, den brauchte ich und auch wenn mich derzeit wieder die Waage trollt, zucke ich nur mit den Schultern und mache weiter. Hosen und Shirts werden weiter, Arme fühlen sich straffer an…und ich weiß einfach, dass ich im Moment alles richtig mache. Ich bin gerade einfach gut dabei. 😉

Man sieht es vielleicht nicht, aber es ist jetzt wesentlich übersichtlicher.

Durch die Planungsumstellung beim Ernährungsplan wurden viele Listen überflüssig. Gestern habe ich einige überarbeitet und andere schlichtweg ausgemustert. Das zeigt sich auch in der Küche…teilweise vier Schichten von Plänen habe ich gestern von der Wand geholt. Nun sieht es wieder „geordneter“ aus.

Bin ich bereit für die nächsten Wochen???

Aber sowas von bereit! 😀

Der Meister hat gemeckert…

…oder schließt er sich am Ende nur meiner Meinung an?

Es ist mittlerweile die 32. Woche der Diät. Schon über ein halbes Jahr läuft hier alles so ziemlich nach Plan. Über 12 kg sind weg. Der Diätaufwand ist Routine geworden.

Meine „Küchentapete“. Jedes Blatt enthält 1-2 Tagespläne á 4 Mahlzeiten.

Heißes Wetter? Dann koch ich mir etwas schönes Warmes.

Kaltes Wetter? Lieber ohne Kochen einplanen.

Herzhafte Gelüste? Dann gibt es noch eine Gurke mit Salz und Pfeffer.

Süße Gelüste?Im Frost ist Wassereis ohne Kalorien, nur aromatisiert.

Für alles habe ich eine Idee. Eine Möglichkeit. Eine Lösung.

Listen über Listen. Heißhunger auf etwas bestimmtes? Dann wird sofort eine neue Liste erstellt.

Doch trotzdem lief es in den letzten Wochen immer schleppender. Ich habe das Cardio vor dem Training (nach dem Training geht einfach nichts mehr) hochgeschraubt. Dadurch fühle ich mich oft schon nach der erste Übung total geplättet. In der zweiten Übung ist kaum Kraft mehr da und bei der dritten Übung gähne ich und will nur noch ins Bett.

Schlimmer sind aber die trainingsfreien Tage. Endlich mal bei Netflix entspannen? Nichts da. Statt abzuschalten fordert mein Hirn ständig etwas für den Gaumengenuss. Ich kann dann an nichts anderes denken. Es nervt. Es macht mich gereizt. Deswegen habe ich jetzt mal ein paar Tage ketogen eingeschoben, nur um den Süßhunger los zu werden. Gegen das Verlangen nach Zucker hat es geholfen. Aber meine Kauleiste will dennoch dauerhaft beschäftigt sein. -.-

Dazu kommt, dass ich im Laufe des Monats immer Wasser einlagere. Das weiß ich schon lange, schließlich verschwindet jeden Monat pünktlich 1kg über Nacht. Drei Wochen lang Stillstand auf der Waage und wenn du dir schon langsam die Haare raufst…plop, 1kg weniger. Mit den ganzen Veränderungen zieht nun jedoch ein neuer Blick auf meinen Körper ein. Wo sonst flächendeckendes Gewabbel war, treten nun langsam Muskeln und Knochen hervor. Man sollte meinen, dass sich damit alles fest und straff anfühlt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich spüre die Muskulatur, aber die Fettschicht darüber ist viel wabbeliger als noch vor einigen Monaten. Was man nun besser erkennt sind all die Definzite in der Muskulatur. Dysbalancen, verkümmerte Muskelpartien die ich noch nie richtig genutzt habe. Die Haut schlägt Wellen. Ich fühle mich wie eines der ersten Wasserbetten. Im Laufe des Monats wird das immer schlimmer. Wo sich nach dem Kiloverlust noch Muskulatur abzeichnet, ist drei Wochen später nichts mehr zu erahnen. Alles verläuft speckig-glatt. Es ist zum Verzweifeln. Dazu noch ein guter Schuss PMS-Hormoncocktail und alles scheint sinnlos. Unschaffbar. Vergeblich. Furchtbar!

Und in so einem Moment schreibt mein Coach mich an. Was glaubt ihr, wie meine Antwort aussah?

Vielleicht ist mit über 12kg weniger mein Grundumsatz auch tatsächlich nochmal weniger, das tägliche Defizit nicht so hoch, wie vor ein paar Monaten. Das soll der Bodymedia nun ans Licht bringen.

Gestern saßen wir also zusammen. Mein Coach und ich. Und er sagt genau das, was ich befürchtet habe: Defizit vergrößern, mehr Cardio, mehr Übungen und höhere Satzzahlen im Training.

Tja…ich habe es ja so gewollt. Die nächsten Monate werden hart. Aber ich hoffe, dafür nochmal richtig voran zu kommen. Ich hoffe, es durchhalten zu können und das große Ziel endlich wieder vor Augen sehen zu können. Das Ende des Defizits und der Anfang eines Aufbauplanes.

Vierte Woche: 1kg verschwindet, alles fühlt sich etwas fester an und ich kaufe mir ein neues Shirt. In der vierten Woche ist immer alles prima, der Blick auf die Zukunft klar.

Und dann gehen wir meinen Plan durch. O-Ton: Was soll das denn sein? Das ist doch keine Einheit?! Da bist du doch in maximal 30 Minuten durch, gib mal her, ich rechne das mal durch…3 Minuten hier, vier dort…25 Minuten!

„Aber ich brauche dafür eine stunde und bin danach echt fertig“

„Ja, weil du ewig Pausen machst. 60-90 sekunden Pause zwischen den Sätzen, dann kriegst du in derselben Zeit mehr hin. Und jetzt machen wir mal einen richtigen Plan daraus. 3 Sätze Minimum bei jeder Übung. Die Übung hierhin. Die dorthin. Optionaler Trainingstag? Quatsch, entweder fängst du wieder mit dem Plan von vorn an oder du machst Cardio.“

Wenn ich nun so drüber nachdenke, ist Training für mich wirklich eher wie eine Yoga-Stunde. Ich mache alles sehr konzentriert und bewusst. Dadurch dauern die Sätze lang und saugen die Batterien leer. Vielleicht bringt etwas Tempo und kürzere Pausen tatsächlich wieder etwas Schwung rein. Andererseits könnte es auch zu nerviger Clockwork-Attitüde führen.

Wir werden sehen…

Und dann zeigt er mir noch ein paar neue Übungen und Übungsausführungen um an den Dysbalancen und Defiziten zu arbeiten. Auf dem Foto sieht man deutlich, dass ich zwar einen guten Latissimus habe, darunter aber fast keine Muskulatur zu sehen ist. Das spüre ich auch deutlich, weil ich noch immer zum Buckel neige und Probleme habe, beim Rudern die Muskulatur zu treffen. Aber natürlich hat Marcel dafür eine gute Lösung.

Es liegt viel Arbeit vor mir. Leichter wird es nicht. Aber, es lohnt sich. Und der Coach ist definitiv die beste Investition! Jeden Cent wert.