Pause – diesmal wirklich!

Beim Coach im Büro angekommen plumpse ich in den Stuhl und lass ihn zunächst von meinem feinsten Cold Brew Coffee-Ansatz kosten. „Tre Forze“, was sich anhört wir „drei Fürze“, ist geschmacklich nicht von dieser Welt. Als Slaine ihn das erste Mal probierte, fragte er verwundert: „Was ist das? Likör?“
Es lässt sich schwer beschreiben…dunkel, aber samtig. Oft liest man ja von „Karamell-Noten“, die ich noch nie irgendwo erkannte habe. Aber auf ihn könnte das zutreffen. Genau beschreiben kann es den Geschmack nicht. Cold Brew Fans sei diese Bohne einfach ‚coldestens‘ ans Herz gelegt. 😉

Nach dieser Einstimmung rück ich mit der Wahrheit raus: „Different month, same shit.“ Es fällt mir immer schwerer, Diät zu halten. Schwer ist nicht die Umsetzeng…planen, einkaufen, kochen, essen, alles klappt wunderbar. Aber schon vor der letzten Mahlzeit schiebe ich einfach nur Panik.

„Das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein. Ich könnte glatt den ganzen Tag nochmal essen!“

Dieses Gefühl steigerte sich in den letzten Wochen, bis es zum dauerhaften inneren Toben wurde. Dinge, die mich sonst nie angehoben haben, erschienen mir nun verlockend. Alles flüsterte „Iss mich, ich schmecke wunderbar und mache dich glücklich!“ Der Tag wurde zur Qual, weil es nur noch darum ging, mich irgendwie abzulenken und das Unvermeidliche aufzuschieben.

Aufschieben. Denn je stärker der Zwang wird, desto klarer zeichnet sich ab, dass er nicht verschwindet. An guten Tagen aß ich abends etwas Salat. Zählbar. Kontrolliert. Gesund.
Aber immer öfter riss mich das Toben mit sich und ich tobte mich an Obsttheken, Eistheken, Schokoriegelregalen und anderem aus.

Und wie man sieht, fühlte es sich einfach nur gut an.
Einmal trackte ich mit. Bis 17 Uhr aß ich meine geplanten Kalorien (~1730). Bis 22 Uhr hatte ich knappe 4000kcal konsumiert. Nicht etwa durch Schokolade oder pures Fett…nein, durch einen ganzen Obstkorb und Eis. Durch das Volumen platzte ich fast aus allen Nähten. Am nächsten Vormittag waren wir beim Training, man sah mir nichts davon an. Der Bauch war flach.

Das klingt vielleicht gut, ist es aber nicht. Wenn solche Ausraster nicht bestraft werden, was hält mich dann noch in Zaum?
Es wurde jeden Tag schwerer.

Das alles erzählte ich meinem Coach.
„Okay, wie kann ich dir helfen, was willst du jetzt machen?“
„Ich brauch einen Monat Pause. Essen nach Plan, wie bisher. Aber abends ess ich noch dazu. Ich hoffe dadurch, dass das innere Toben nachlässt und ich wieder mit Verstand und Ruhe essen kann.“
Etwas zähneknirschend stimmt er zu.
Unter einer Bedingung: einmal mehr Training pro Woche.
Dafür geht es nach dem Monat dann wieder in den „Hardcore-Sprint“: Lowcarb bei 1600kcal. Und wir startet mit dem schon ewig angedrohten gemeinsamen Beintraining. Ich glaube, das Fotoshooting im August werde ich gar nicht mehr erleben. ;P

Aber im Moment habe ich das Gefühl der Befreiung, der Druck ist weg, das Gefühl täglich zu versagen auch. Ich essen abends, aber nur etwas…einen Riegel, ein Fischfilet, bis ich satt bin. Das fühlt isch gut an. Alles unter Kontrolle. Hoffentlich bleibt es so.

ps: Letztens sitz ich im Nähzimmer als Slaine den Kopf zur Tür reinsteckt: „Alles okay in Bangladesh?“ XD

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Sommerspirit

Der Termin für das Fotoshooting mit meinem Liebsten steht. Der Fotograf war von der Idee hellauf begeistert. Nun muss bis zum August die Figur weiter herausgeschält werden, die Haut braucht Bräune, ich muss mir überlegen, welche Posen gut zu mir passen und welche Klamotten ich tragen will. Als Idee hat sich in unseren Köpfen so eine Art Fitness-Magazin-Cover aus den 80gern festgesetzt.

So in etwa.

Soweit der Plan. Nun könnte man annehmen, dass ich damit wieder zurück zur eisernen Disziplin finde. Aber ganz so klappt es nicht. Zwar halte ich mich zunächst eisern an meinen Ernährungsplan, aber abends überfällt mich regelmäßig so heftiges Magenknurren, dass ich um meinen Schlaf fürchte und daher mehr esse. Freitage sind für mich besonders schwer. Wenn die Arbeitswoche endlich bewältigt ist, schreit der Kopf laut „Freiheit, ich will Abenteuer und Spaß für mich!“, während das Nervensystem sagt „Gute Nacht, ich habe bisher alles mitgemacht, nun will ich abschalten und schlafen.“ Das führt in letzter Zeit regelmäßig zu Cheatmahlzeiten, die sich über den ganzen Abend erstrecken. Das kann man natürlich nicht gutheißen, aber ich merke, dass ich nicht dagegen ankomme und akzeptiere es daher für den Moment. Immerhin habe ich damit auch regelmäßig richtig Power für extraharte Beineinheiten, in denen ich meine Grenzen neu auslote.

Insgesamt bin ich gerade sehr nachsichtig mit mir. Das liegt an anhaltenden Verbesserungen meines Körpers. Obwohl ich kein Gramm Gewicht verliere, verbessert sich die Optik zusehends. Die Einschnitte werden tiefer, der Bauch straffer, die Muskulatur runder. Es ist einfach der Hammer, wie ich mich verändere. Ich kann dabei zusehen. Das hat in meinem Kopf endlich einrasten lassen was sonst nur theoretisch galt: die Waage ist nicht das wichtigste Kriterium.

Natürlich müssen dennoch Kilos purzeln, aber das hat Zeit, bis ich die dafür nötige Ruhe und Power habe.

Momentan genieße ich die Früchte meiner Bemühungen. Ich fühle mich einfach sauwohl in mir. Diese Woche trug ich kurze Röcke ohne eine Strumpfhose. Früher hätte ich durch die Reibung der Oberschenkel nach kurzer Zeit nicht mehr gehen können, nun spaziere ich munter den ganzen Tag ohne Probleme herum. Ich bin auch mit meiner kurzen Hose einkaufen gewesen. Auch das wäre vor einem Jahr undenkbar gewesen, weil es das Mittelstück bei jedem Schritt hochgeschoben hatte, sodass sich der Stoff im Schritt zusammenknäult und regelmäßig manuell runtergezupft werden musste. Die coolen Leggins, die mein Liebster mir zu Weihnachten schenkte, fühlten sich bis vor kurzem noch nach Presswurstpelle an. Inzwischen muss ich keine Angst mehr haben, dass sie mir mit einem lauten Knall vom Körper springen. Zahlreiche Sachen mussten in den letzten Wochen unter die Nähmaschine geschoben werden, um sie enger zu nähen.

Und beim Training….göttlich! Mithilfe neuer Übungen (ich entdecke gerade die Macht funktionaler Übungen für mich) bekomme ich ein immer besseres Muskelgefühl, auch in den bisher defizitären Muskelgruppen, in denen sich so gar kein Erfolg einstellen wollte. Die Muskulatur wird prall, voll, heiß und sieht einfach nur krass aus. Der Freund wird regelmäßig von anderen angesprochen, wie krass sich seine Freundin verändert habe. Es ist EIN-FACH-TOLL. ❤

Und so blicke ich gelassen auf die nächsten Monate, freue mich wie ein Kind auf einen Sommer voller Kleidchen, Röckchen, Sonnenbräune und ohne die ewige Scham.

Hier noch zwei Schnappschüsse von heute Morgen. Kalorienstand gestern Abend waren 3971 kcal. X_x Doch der Spiegel sagt: Nix unverzeihliches passiert, geh heute einfach ins Studio und zerlege deine Beinmuskulatur!

2018? Läuft weg!

Es ist schon Februar?! Wo ist denn der Januar hin?

Seit einem Monat bin ich auf dem „Hardcore-Sprint“ mit 1600-1700kcal/d. Das mag anderen viel erscheinen, für mich fühlt es sich an, wie verhungern. Als ich das ein erstes Mal machte, purzelten nach zwei Wochen buchstäblich die Pfunde. Darauf hatte ich mich gefreut, wollte ich doch so schnell wie möglich wieder neue Maßstäbe setzen. Ich war erhohlt, motiviert und zu allem bereit. Nun, 4 Wochen später knirsche ich mal wieder ganz schön mit den Zähnen. Ich wiege noch immer über 70kg. Manchmal meine ich, schon ein Kichern zu hören, wenn ich morgens enttäuscht das Bad verlasse. Dieses Mistvieh von Waage!

Davon abgesehen läuft es gut. Der Stoffwechsel pumpt, was ich daran merke, dass ich mich fit fühle, gute Leistungen im Sport bringe, mir meistens warm ist und ich auch nicht übermäßig müde bin. Beim Training fokussiere ich nun den Rücken. Runter mit den Gewichten, das innere Auge ganz aufs Muskelgefühl gerichtet, versuche ich die Anweisungen der Physiotherapeutin umzusetzen. Nicht nur im Rückentraining, täglich. Wenn ich in der Bahn steh, Einkäufe trage, bei den Ausfallschritten am Beintag, beim Trizepsdrücken, bei Übungen für die Hintere Schulter…kurz: wann immer eine Bewegung oder Stabilität im Schulterblatt nötig sind. Das ist anstrengend und im Moment auch eine Überlastung. Der Latissimus verknotet sich ständig. Und je verknoteter der ist, desto weniger kann ich die arbeitende Muskulatur erspüren. Dehnen und blackrollen sind an der Tagesordnung. Aber ich spüre auch erste Veränderungen. Auf der Blackroll passierte lange gar nichts, außer ein paar schmerzhafte Knoten zu zerdrücken. Inzwischen knacken die Wirbel wieder ordentlich. Ich rede mir ein, dass das ein gutes Zeichen ist, weil die Physiotherapeutin immer stöhnte „Mein Gott, hier ist alles fest!“ Das heißt doch dann, dass sie nun lockerer sind? ;D

Im Treffen mit dem Coach musste ich gestehen, dass meine Armkraft spürbar abgenommen hat und das Training nunmehr limitiert. Dass ich die Arme seit langer Zeit höchsten mit zwei lieblosen Sätzen pro Woche flexe kann damit natürlich nichts zu tun haben. ^^ Also hat Coach Marcel mir schöne Übungen gezeigt. Da ich in den Stunden mit ihm immer die Brille auflasse, bekam ich spektakuläre Anblicke beim Curlen geboten. In der richtigen Position und dem anabolen Studiolicht sah mein Bizeps riesig und schön von den Schultern abgesetzt aus. Göttlich! Ohne Brille hat es leider nicht so den Effekt. Aber die Motivation ist zum Glück geblieben.

Auch wenn es die Waage nicht zugeben will, ich habe das Gefühl, es geht voran. Die Muskulatur schält sich überall stärker heraus und der Schwabbel wird weniger. Und die Klamotten! Meine Güte…in Modegeschäften fühlt es sich an, wie im Märchen…das Aschenbrödel, das sonst nur sehnsüchtig von den hässlichen Fetzen in Größe 46 zu den hübschen Stücken in Größe 36 schielte, darf nun endlich selbst Größe 36 tragen! Für mich ist das wirklich eine andere Welt…es ist schlicht der Unterschied zwischen grauen Fetzen und farbigen sexy Outfits.

Und doch nehme ich am Ende nur wenige Stücke mit! Immer öfter denke ich: Das kann ich selber besser! Und ich schaue nach cleveren Ideen und pfiffigen Rückenvarianten. Letztens habe ich mir zwei neue Bustiers selber genäht. Und die sitzen..tja, eben maßgeschneidert. Auch wenn sie nicht perfekt sind…es fühlt sich eben anders an, wenn man selbst etwas erschafft. Es fühlt sich einfach cooler an. ^^

Viele müssen ja ihren ganzen Kleiderschrank austauschen, wenn sie abnehmen. Ich nicht. Bevor ich etwas wegwerfe, setze ich mich tollkühn und unerschrocken an die Nähmaschine, mache planlos ein paar Abnäher und entweder es passt danach, oder es landet im Müll. Meistens passt es. So wie zum Beispiel meine Lieblings-Beintrainingshose. Beim ersten Mal habe ich einfach einen Abnäher vom Sattel aus gemacht. Das war ganz gut und die Hose passte wieder. Letztens reichte der aber nicht mehr, sie fing wieder an zu rutschen und flatterte schon fast um die Beine. Also den alten Abnäher aufgetrennt und flugs links und rechts einen neuen genäht. Jetzt sitzt sie wie angegossen und von außen sieht man die Abhäher nicht.

Genauso machte ich es mit einem Trainingsshirt, welches ich laaange nicht getragen hatte. Zum einen, weil es zu weit war, zum anderen, weil es viel zu tief ausgeschnitten war. Bei mangelnder Oberweite ist das semisexy. Also ZACK! Träger 2cm kürzer und an den Seiten ordentlich abgenäht. Jetzt sitzt es hauteng und sowas von knackig! Suuper!

Das hier habe ich schon vor einiger Zeit genäht. Bisher mein Meisterstück. Das erste, was ich getragen habe, ohne dass gleich jeder fragt: „Selbstgenäht?“
Also Rock und Jäckchen. Die Bluse lag 10 Jahre ungetragen im Schrank und hat noch nie so gut gepasst. XD

Diese Woche stand auf Arbeit etwas ganz gruseliges an: Akquise! Im April soll der neue Kurs starten und keiner weiß davon. Also habe ich auch keine Teilnehmer und ohne Teilnehmer bin ich ab April arbeitslos. Wuäh!
Also das Internet durchwühlt, die Ohren heiß telefoniert und Infoveranstaltungen abgehalten. Das liegt mir persönlich wirklich nicht. Aber ich bin trotzdem gut darin.

Einer im Jobcenter war immer dabei, der meint: Sowas haben wir hier nicht! Und dann beginne ich zu erklären: Analphabeten kennen Buchstaben und wissen wie rum man den Stift hält. Sie sind jahrelang zur Schule gegangen und haben dort schon immer mehr gemacht, als alle anderen. Die Hälfte meiner Lerner kann besser lesen als die meisten Hauptschüler, die ich vorher unterrichtet habe. Manche haben auch große Probleme mit dem Lesen, aber alle gemeinsam scheitern sie am Schreiben. Das liegt daran, dass oft die Laut-Buchstaben-Zuordnung, vor allem aber die Rechtschreibregeln nicht automatisiert sind.

Ich erkläre das dann immer am Beispiel meiner Links-Rechts-Schwäche. In der Fahrschule sagte der Fahrlehrer oft: „Vorn links abbiegen.“ Ich setzte den Blinker und bog ab, worauf der Fahrlehrer meinte: „Gut. Und an der nächsten Kreuzung probieren wir dann mal das andere Links.“
Ich kenne den Unterschied zwischen links und rechts. Bedeutung und Begriffe sind mir klar! Doch im konkreten Anwendungsfall muss ich kurz darüber nachdenken, denn automatisch funktioniert es nicht. Es ist nicht automatisiert…nicht fest abgespeichert.
Genau so ergeht es meinen Lernern mit Buchstaben. Nur gibt es da wesentlich mehr zu entscheiden.
Es gibt zum Beispiel das lange [e:]

  • als „eh“ wie in Lehrer
  • als ee wie in Schnee
  • als e wie in „Weg“
  • als äh wie in Zähne
  • als ä wie in Väter

Es gibt das v, was manchmal wie „f“ und manchmal wie „w“ genutzt wird.

So wird beispielsweise in dem Satz „Dort ist der Weg.“ allein das Wort Weg zum Chaos:

  • v oder w?
  • e, eh, äh, ä, oder ee?
  • g, gg, k, ck, kk?

Was uns leicht erscheint, weil es schlicht automatisch richtig gespeichert ist, wird für meine Teilnehmer zu eine unübersichtlichen Zahl an Kombinationsmöglichkeiten. Und weil es nicht als richtig geschriebenes Wort abgespeichert ist, kommen noch weitere Möglichkeiten durch schlechte, undeutliche oder dialektale Aussprache hinzu. Der Sachse sagt ja eher: „Dorde is där Wehsch!“

Drückt mir die Daumen, dass noch ein paar von Ihnen zu meinem Kurs finden, damit ich ihnen einen Weg aus dem Chaos leuchten kann. 😉

Ein Jahr Coaching (Vorher-Nachher) Blickpunkt: Ernährung

Für mich lag der Fokus dieses Projektes ganz klar bei der Ernährung. Schon beim ersten Treffen sagte ich zu Marcel:

Ich weiß, wie man abnimmt, ich schaffe das auch gut, aber ich halte es nicht durch. Was ich will, ist ein Jahr Unterstützung, um neue Gewohnheiten zu entwickeln. Das braucht Zeit, aber nur so kann ich dauerhaft schlank werden.

Ein Jahr ist rum, am Ziel bin ich noch nicht, aber eins habe ich geschafft: neue Gewohnheiten etabliert. Was anfangs unschaffbar schwer schien, fällt mir inzwischen leicht. Dazu gehört das Planen, Einkaufen und Zubereiten der Nahrung. Und ganz klar auch das Durchhalten. Hunger, Stress, schlechte Laune, Müdigkeit, Langeweile, Belohnungsbedürfnis, Unternehmung (Essen im Restaurant), Appetit, Konzentrationsschwäche…all das waren Auslöser, die meine bisherigen Abnehmversuche zum Scheitern brachten.

Alle wirken auch heute noch auf mich. Ich bin nicht geheilt von meinem gestörten Essverhalten. Essen und was dazu gehört bestimmt noch immer den Großteil meines Tages und manchmal nervt mich das. Was sich geändert hat, ist das Gefühl, das grundlegend damit verbunden ist. Früher war das: Schuld und Versagen.

  • Egal, wie gut die Diät lief, ich nahm nie durchgehend ab und sah in jeder Stagnation mein persönliches Versagen.
  • Ich wusste immer, dass ich mich nicht wirklich gesund ernähre.
  • Ein Kontrollverlust zog meist das Ende der Diät und damit den unaufhaltsamen Jojo-Effekt nach sich.
  • Ich empfand Essen gundsätzlich als etwas, was einerseits getan werden muss, mich andererseits aber zwanghaft steuert. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich diesem Zwang unterlag.

Was ich im Moment beim Essenplanen und -zubereiten empfinde: Freude

  • früher wurde ich von extremen Gelüsten getrieben, ich schob den Kollaps auf, bis es nicht mehr ging und brauchte dann sofort etwas. Langes Planen, Zubereiten und Genießen war damit unmöglich. Alle Verzöherungen eine Qual. Heute überlege ich, worauf ich mal Lust hätte oder was man eine Abwechslung sein könnte. Dann suche ich dazu Rezepte heraus. Diese Rezepte pflege ich später in Tagespläne ein, sodass oft nicht nur eine leckere Mahlzeit pro Tag geplant ist, sondern 2-3.
  • Da die Pläne in ein Makronährstoff-Schema passen müssen, muss ich kein schlechtes Gewissen haben. Alles ist erlaubt, if it fits my makros.
  • Durch die strenge Kontinuität bemerke ich nun viel stärker Veränderungen. Völlegefühl, Magendruck, Verdauungsprobleme, Erschöpfung oder bleierne Verdauungsmüdigkeit waren früher alltäglich…mein Normalzustand. Heute merke ich Veränderungen, spüre, wie einzelne Komponenten eine direkte Wirkung aufm ich haben. Der Aspekt der gesunden Ernährung ist damit wesentlich spürbarer und umsetzbarer als früher. Ich spüre, dass Sauerkraut mir gut tut? Dann baue ich es öfter ein. Ich merke, dass Zucker, auch Fruchtzucker, in mir unkontrolloierbare Gelüste erzeugt? Gut, dann gibt es das nur in Maßen. Früher war „gesunder Ernährung“ für mich ein unüberschaubares Konglomerat aus mütterlichen Ansichten, ernährungswissenschaftlichen Theorien und widerlichen Rezepten. Hier hat sich ein riesen Wandel vollzogen.
  • Der Kontrollverlust durch übermächtige Gelüste ist stark zurückgegangen. Ich bin nicht „geheilt“, nicht „immun“, aber ich habe mich daran gewöhnt, dass ich mir durch die Ernährung ein gutes Grundgefühl erschaffen kann. Und das wiegt schwerer als der kurzfristige Rausch der Kontrollosigkeit mit anschließendem „Schuld-Druck-Kater“. Wenn ich spüre, dass ich mal wieder eine Auszeit brauche, dann kann ich mir die inzwischen gönnen. Gerne auch in Gesellschaft. Habe ich mich früher mit meinen Es(s)kapaden immer verborgen und versteckt, zeige ich nun gern, dass die immer disziplinierte, schlanke Kollegin auch gern mal zwei Teller voll wegmampft und anschließend noch zweimal Nachschlag verdrücken kann.  Der Mythos von Menschen, die immer essen können und trotzdem schlank bleiben? Endlich steh ich mal auf der anderen Seite. ^^ Früher war es nur Schuld und Versagen, heute sehe ich es eher als Auftanken, um dann mit Vollgas wieder durchzustarten. Es ist nicht schön, nicht normal, aber es ist okay.
  • Portionen: Durch die Vorgabe von 4 Mahlzeiten ist klar, dass ich nicht 75% meiner Kalorien zum Abendbrot essen kann. Ganz automatisch führt diese Vorgabe dazu, dass ich kleinere Portionen esse. Es dauerte seine Zeit, aber inzwischen hat sich mein Körper daran gewöhnt, dass es immer nochmal etwas gibt. Und das dankt er mir. Selbst als ich letztens auf 1600kcal runter ging, schlief der Stoffwechsel nicht ein. Früher hat mein Körper dann instiktiv die Notbremse gezogen: bleierne Müdigkeit, immenses Schlafbedürfnis, kalte, blau-rote Hände und Beine, Schüttelfrost nach Mahlzeiten, inneres Frieren (nichts kann einen erwärmen) waren die Folge. Ich friere inzwischen schneller, was wohl eher an der fehlenden „Isolierschicht“ liegt, aber keines der anderen Symptome trat auf. Der Stoffwechsel läuft, der Körper spielt mit.
  • Spaß am Experimentieren und Zusammenstellen neuer Mahlzeiten und Pläne. Das habe ich nicht erwartet. Ich war immer zu ungeduldig fürs Kochen, es langweilte mich einfach und die Ergebnisse fand ich immer unbefriedigend. Jetzt empfinde ich geradezu Euphorie, wenn ich ein neues Rezept entdecke und kann es kaum erwarten, einen Plan daraus zu schmieden und es zum ersten Mal auszuprobieren. Wenn sich dann noch herausstellt, dass es schmeckt….Leute, ich sag ich, früher kannte ich Genuss nur als Schlingen. Inzwischen kenne ich auch das „innehalten und hoffen, dass es noch kurz anhält“-Gefühl. Für mich das größte Wunder. 🙂

Inzwischen versuche ich mich schon an eigenen Rezepten! Heute meine ersten „Kekse“:

  • 15g Xucker
  • 10g Tigernussmehl (Erdmantelmehl)
  • 125 Magerquark
  • 20g Haferkleie
  • geriebene Zitronenschale
  • frisch geriebene Tonkabohne
  • Buttercake-Flavor
  • Zimt
  • bei 180°C (Ober- & Unterhitze) 20′ backen

Sie sehen nicht so super aus, aber sie waren echt lecker. 🙂

Wenn man Freund versucht sich gesund zu ernähren, kommt in Etwa sowas dabei heraus (Tipp: unbedingt zuende schauen;)!

Weiter gehts…Woran man nicht denkt, bevor man abnimmt.

Diese Woche habe ich Folgendes überlebt:

  • PMS + nervige Schüler+ Low-Carb-Hardcore-Diät
  • einen Besuch meiner Eltern
  • Weltuntergangseinkaufsschlangen NACH einem Feiertag
  • langweilige Opa-Möbel in einem endlosen Höffner-Markt

Am Mittwoch bekam ich das erlösende Okay vom Coach…ab heute darf ich wieder mehr essen. Damit mir auch ja das Gewissen drückt, hüpfte das Gewicht auf der Waage seither jeden Tag tiefer.

Gestern kam es so zum Durchbruch: 69,8kg. Heute morgen gar 69,5kg. :-O

Das musste in Bildern festgehalten werden, denn durch mehr Kohlenhydrate wird das Gewicht erstmal wieder nach oben gehen.

Mit der Zeit wird einem immer klarer, dass es einiges Unvorhergesehene beim Abnehmen gibt.
Hier meine Top-5 der schlimmsten Sachen, an die man vor dem Abnehmen nicht denkt:

  • die Launen der Waage auszuhalten
  • als Unnormal zu gelten, weil man dauernd kostenloses Essen ausschlägt
  • die Sorgen der Eltern („Du siehst ja im Gesicht gar nicht soooo eingefallen aus. In einer Zeitschrift habe ich letzte Woche gelesen, dass man am Handrücken erkennt, wenn sich jemand zu sehr verausgabt, da schmilzt dort das Fett weg!“ *nachguckundfeststell,dassnochFettdaist* Man fühlt sich ja schon etwas an Hänsel und Gretel erinnert.)
  • flache, hängende Brüste
  • dass der Bauch beim Haareföhnen aussieht wie gerinnende Lava oder wie Jabba da Hutt  -> definitiv das Gruseligste

 

45. Woche der Diät: Nee, das Wetter….

Vor drei Wochen hatte ich ein echtes Tief erreicht. Mein Power war aufgebraucht, alles zerrte an den Nerven, ich war schlapp und knatschig und hätte mir über die einfachsten Dinge die Haare ausraufen wollen.

Ich entschied mich für eine Pause. Pause von Arbeit war eh geplant (Urlaub), Pause vom Training (Erkältung…yay) und dann auch Pause von der Diät.

Letzteres bedeutet eigentlich immer: Auf zum Binge-Eating! Mal schauen, was der Magen wirklich für ein Fassungsvolumen hat! Solang es unten bleibt, ist noch nicht Schluss!

Ich wollte nur eines: Das essen, worauf ich wirklich just in diesem Moment Lust habe.

Rückblickend hat sich da etwas verändert. Landete sonst Pizza, Dürüm, Kuchen und Eis im Warenkorb, war es diesmal saftiges Obst vom Markt (kurz vor Marktschluss wird man nicht unter 6kg vom Platz gelassen) und Joghurt. Joghurt! So viele Sorten.

Der Fokus lag klar bei Zucker und die Mengen waren viel zu groß (immer über 3000 kcal/d). Trotzdem war ich….zufrieden damit, eine grundlegende Änderung zu spüren. Ich fühlte mich nicht so in der Falle wie sonst.

Dann war klar, dass der nächste Termin mit dem Coach anstand. Sonst habe ich immer drei Listen dabei: Abnahmeverlauf als Kurve, Maß- und Gewichtsangaben als Tabelle seit Beginn der Diät und eine Übersicht über die konsumierten Makronährstoffe und Tageskalorien. Diesmal hatte ich nichts.

Das machte auch nichts, denn ich spürte wieder, wie meine Kräfte zurückkehrten und wieder einmal verließ ich top motiviert und bereit für den neuen Monat das Studio. Die Rückkehr zum Diätplan war gar kein Problem. Wie sollte es auch. Dank Maria startete ich mit leckeren Kuchen und anderen Naschereien. Jeden Tag gab es etwas anderes.

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Das Brusttraining machte wegen Schulterschmerzen seit einiger Zeit gar keinen Spaß mehr. Der Orthopäde meint, es ist ein kleiner Muskel des Rotatorenapparats. Am Donnerstag geh ich deswegen zum MRT. Aber bis dahin muss ich ja auch trainieren. Also besprachen wir das und wie immer wusste Marcel fachkundigen Rat. Wir gingen den Bewegungsablauf beim Schrägbank und Flachbankdrücken durch. Änderten hier eine Kleinigkeit und dort ein bisschen was. Er zeigte mir eine andere Möglichkeit, die Hanteln umzusetzen, ohne dabei die Schultern wie bisher zu belasten und schließlich schleppte er mich wieder in die Ecke zum hippsterischen functional Training. Ab zu den Sling-Bändern.

Mein quengeliges „Marcel, das geht langsam ans Ego immer hier in der ecke zu trainieren!“ schob er grindesn beiseite. Nun sollte ich quasi hängende Liegestütze machen. Aber was trieben meine Hände dabei? Sie zitterten als gelte es, mit einer ausschlagenden Wünschelrute eine Wasserader zu finden.

Schon nach wenigen Wiederholungen brannte die Schultermuskulatur, die Brust war prallvoll und arbeitete wie schon lange nicht mehr. Und die Schulterschmerzen? Weg.

Gestern war ich wieder beim Brusttraining. Anfangs, nach einer harten Arbeitswoche (meine Teilnehmer waren diese Woche auf Krawall gebürstet), schleppte ich mich hundemüde zur Schrägbank, wo mich gleich der altbekannte Schmerz umfing. Erst als ich die Zahlen notieren wollte, fiel mir ein, dass ja die Sling-Liegestütze zuerst kommen sollen. Also nichts wie ran.

Und es klappte wieder. Die Hände zitterten nicht mehr ganz so, als würde ich Mehl durch ein Sieb schütten wollen, aber die Brust wurde sofort vollgepumpt, war bereit volle Leistung zu bringen, die Schulter wurde warm und der schmerz verschwand.

Zurück an der Schrägbank hatte ich richtig gut Power und so setzte ich mir seit Ewigkeiten nicht mehr berührte 20kg Kurzhanteln vor. Und zack! Kamen sieben Wiederholungen. Ganz souverän. Ein super Gefühl!

 

So eine Diät-Pause ist bei mir sehr oft das Ende der Diät gewesen. Spürte man doch immer, wie viel man in kurzer Zeit wieder zerstört. Schnell stellt sich der Gedanke ein, dass ja alles nichts bringt, man halte es ja doch nicht lange aus. Ein Coach ändert das bei mir grundlegend. Bin ich ein Einzelphänomen?

Ich denke nicht, denn nach vielen Monaten der Überlegung hat sich Slaine nun entschlossen, ebenfalls die Dienste von Marcel in Anspruch zu nehmen. Anfangs noch mit der Überzeugung, das bringe nichts und sei rausgeschmissenes Geld, teilte er mir nun nach seinem 2. Termin mit, er kaufe jetzt Beeren und Nüsse und anderes, weil er ja zu viel verarbeitetes Zeug esse.

Ich dachte, ich fall vom Glauben ab. Jetzt sind wir wieder ein Team. :))

 

42. Woche der Diät – neuer Lichtblick?

Vorletzte Woche traf ich mich mit meinem Coach und hatte nach einem Tief wieder neue Motivation darin gefunden.

Klingt super, was? Lang hielt sie nicht.

Mein Freund ist seit gefühlten 10 Wochen erkältet und nach einem gemeinsamen besuch im Studio kam der Husten mit voller Kraft zurück. Dann kamen Zahnschmerzen dazu, mit dem neuen Job ist er auch nicht so recht glücklich. Und da hilft dann bei all dem Frust nur Pizza, Chips, Bier und Wein. Die Stimmung war bedrückt.

Was kann man tun?

Ganz klar, man muss ein Spiel finden, in das man sich flüchten kann. Und TADAAA, Guild Wars 2 hat am Freitag ein neues Add-On veröffentlicht. Ich bettel Slaine seit 5 Jahren an, es nochmal zu versuchen. Doch erst als sein Arbeitskollege meinte, er solle es sich holen, war er bereit, dem ganzen noch eine Chance zu geben.

Damit war der Untergang eigentlich besiegelt. Die Voraussetzungen zur totalen Realitätsflucht. Das Ende jeden Plans.

Viermal wollte ich diese Woche zum Training. Am Samstag war ich bis dahin nur einmal gewesen. Gegen 13 Uhr knickte ich innerlich die Trainingseinheit, um mehr Zeit zum Zocken zu haben.

Gegen 17 Uhr dachte ich intensiv darüber nach, welches Essen ich denn dann noch vernichte.

Innerlich war ich unruhig, einerseits die euphorische Stimmung vom Abenteuer und gleichzeitig wusste ich: Ich stehe am Scheideweg und eigentlich habe ich mich gerade meinem Schicksal ergeben…zurück zum Zocken, fressen….versagen.

Und dann kam das retardierende Moment…von einem Moment zum anderen ärgerte ich mich, sprang auf, flitzte zum Training und schrieb auf dem Weg meinen Coach an, um ihm zu sagen, was da gerade bei mir passiert. er solle mich doch bitte am Sonntag kontaktieren, um mir in den Hintern zu treten.

Gesagt, getan. Das Unglück ist zunächst abgewendet.

Und als Bonus hat Slaine nun einen Termin mit meinem Coach…vielleicht die große Wende?