Ode an die Sülzwurst

Mensch, mich hats total erwischt. Nein, nicht Erkältung, Hungersnot oder Syphilis, sondern Amors Pfeil. Meine Freundinnen können das Gesäusel gar nicht mehr ertragen und Bekannte schütteln entsetzt des Kopfes angesichts des Tempos mit dem das alles vonstatten geht. Deswegen, verehrtes Publikum, muss ich mir hier Luft verschaffen.

Was ist passiert?

So ganz glücklich bin ich mit dem Single-Status ja nie gewesen, doch schien es keine Alternative zu geben. Ich fand viele tolle, liebenswerte Männer, die alle wunderbare Eigenschaften hatten. Mit dem einen konnte man reden, der nächste konnte toll küssen, einer war sehr muskulös, einer konnte wunderbar Nähe geben. Was es nicht gab, war einer, der alles Wichtige in sich vereint. Und insgesamt gaben mir alle zu wenig. Sie liebten mit Leidenschaft, aber darüber hinaus zu geben, fiel keinem auch nur im Entferntesten ein.

„Ich bräuchte mal einen, der auch Supporter ist und selber gern gibt.“, höre ich mich noch Marcel gegenüber klagen.

Anfang Februar war ich soweit. Ich spürte, dass ich nicht einfach irgend einen Mann suche, weil ich einsam und verzwifelt war, sondern ich suchte einen Partner, der mich fasziniert, anzieht, mit dem ich planen und eine Zukunft haben kann. Ich wollte Teil eines Teams sein. Erlebnisse teilen.

Also schrieb ich über Nacht mein Profil um. Packte alles rein. Wer ich bin, was ich zu geben habe und was ich suche. Ganz auf meine mir eigene Art. Doch schon bei den ersten Anfragen spürte ich, dass ich noch nicht soweit war. Hier und da schrieb ich zwar mit jemandem, doch der Funke sprang nicht über. Stattdessen stand ich plötzlich vor der Konsequenz, meinen Liebhaber zu verlieren und das ging nicht spurlos an mir vorbei. Also das Aussichtslose wagen und versuchen auf ein anderes Level zu kommen?

Es stellte sich quasi sofort heraus, dass das nicht zu machen war. Er schrieb es zwar, doch seinen Worten folgten keine Taten. Ich sehnte mich mehr denn je nach einem Partner und hatte nun, durch die Zusage meinerseits, es zu versuchen, noch mehr das Gefühl, viel zu viel zu vermissen.

Ich durchsuchte die Chats der vergangenen Wochen nach möglichen Kandidaten. Doch der erste zeigte kein Interesse, stellte mir nicht eine Frage und erzählte schließlich von seiner Ex.

Ich hatte die Nase gestrichen voll von diesem abgebrühten, kalten Gehabe und erinnerte mich an einen, der mir gefallen hatte. Er schrieb voller Überschwang und Begisterung, wollte mich unbedingt kennenlernen und hat, nach einer Abfuhr meinerseits seinen Zugang zur App gelöscht, jedoch nicht ohne mir seine Handynummer zu hinterlassen.

Durch den gelöschten Account konnte ich sein Profil nicht mehr sehen. Weder Bilder noch Vorlieben. Ich hatte nur unseren Chat, erinnerte mich, dass er etwas älter war (40 Jahre war meine Obergrenze), nicht aus Leipzig kam (auch ein No-Go), mir aber sein Körper sehr gefallen hatte. Und eben seine überschwänglich-begehrende, dennoch absolut höfliche Art zu schreiben. Er schrieb pathetisch und ohne Rückhalt…so wie ich es sonst nur tue.

Am Montagabend des 11. März lag ich abends im Bett und wusste, ich hatte nichts zu verlieren, war aber inzwischen bereit wieder alles zu geben. Ich gab mir einen Ruck und schickte eine kurze Nachricht.

20 Minuten später kam eine Antwort…eine Antwort die alles änderte. Er hatte mich nicht vergessen, schrieb, wie traurig er gewesen sei, weil er gleich gespürt habe, dass zwischen uns etwas Besonderes sei und wie sehr er sich freue, dass ich mich nun doch gemeldet habe. Ich solle ihm eine Chance geben und es auf ein Treffen ankommen lassen.

Gleich diese Woche.

Gleich morgen.

 

 

Wow…das war verrückt. Aber verdammt nochmal, genau so ein Feuer hatte ich vermisst. Solche Tatkraft und Entschlossenheit. Vorbehaltlos sagte ich zu.

Und schon hatte ich ein Date im Steakhouse (Pluspunkt) für den nächsten Tag. Er schwärmte immer mehr und mehr, wie toll er mich und meine Art zu schreiben fände (Yes!), dass er mit mir pumpen gehen möchte (äh..nicht so schnell!) und wieder und wieder, was er zwischen uns gespürt hatte. Seine fieberhafte Art griff auf mich über. Ich war soweit, ich war bereit, in Flammen aufzugehen.

Am nächsten Tag gesellte sich eine Anstandsdame in besonderer Form bei mir ein: ein fettes Herpesbläschen zierte meine Lippe. Na prima, dachte ich. Das darf doch nicht wahr sein! Ich hatte seit Jahren kein Lippenherpes mehr gehabt. Verdammte Aufregung!

Mit weichen Knien wartete ich zum vereinbarten Treffpunkt am Steakhouse und grübelte…wie alt war er denn noch gewesen…43? Wie groß? Stand er auf harte Sachen? Wie weit lebte er weg? Wie sah er noch aus? Ich erinnerte mich nur an einen muskulösen Körper…aber sein Gesicht blieb im Dunkeln.

Und schon kam er…unverkennbar. Breit wie ein Heizkörper. Zielstrebig kam er zu mir. Gab mir eine Rose, hielt mir mit der freien Hand die Tür auf und in der anderen ein Geschenk.

Wow… WOW! Für mein Gefühl hatte ich es da schon geschafft…ich war im Maredo mit einem gutaussehenden Mann (sein Nacken ist so breit wie ein verdammter Baumstamm!), der mir eine Rose schenkte und die Tür aufhielt. DAS hatte ich mir vorgestellt, als ich auf die Suche nach einem Partner ging. Nicht die Rose an sich, aber einen, der gibt, ohne nach der Rechnung zu fragen, der mich mit Respekt behandelt und nicht wie eine schnelle Nummer.

Er nahm mir die Jacke ab, ließ mich setzen, bestellte Wasser, Wein und eine Vase und dann redeten wir. Gespräche die intensiv begannen und wahsinnig schnell in die Tiefe führten. Schon stellte ich erschrocken fest, dass ich gerade intimste psychische Dinge von mir preisgegeben hatte, die ihm zu kauen gaben.

Hoppla…was war hier los? War das der Wein? Die Aufregung? Oder war ich so verzweifelt?

Schnell stellte ich fest, dass er recht gehabt hatte… es gab ein Band zwischen uns. Er war mir in seiner Art so ähnlich. Dieses verschwenderische, dieses bedingungslose Geben, ohne nach dem Gegenwert zu fragen. Die Liebe zum Fleisch, zum Bodybuilding (er hatte selbst oft auf der Bühne gestanden). Das Verrückte. Null oder Eins. Die Tatkraft und Kühnheit.

Da war ein Band zwischen uns…und ich hatte von Anfang an Vertrauen, spürte, dass hier etwas Großes auf mich zurollt und mich längst erwischt hatte.

Wir redeten und redeten, der Kellner kam und ging…an Essen war nicht zu denken! Wer hätte angesichts solcher Ereignisse essen können? Und wie gut sich das Reden anfühlte! Doch auch das Zuhören. Er faszinierte mich. Kann sich ausdrücken, hat etwas erlebt und reflektierte so wunderbar.

Irgendwann bestellten wir dann doch Steaks und als sie schließlich kamen, lehnte er sich beim ersten Bissen zurück, kaute und stöhnte genießerisch. Da wurde mir klar, dass ihn ihn unheimlich gern küssen würde. Doch ich hatte ja meine Herpes-Anstandsdame dabei! Kein Gemäkel…nur Lust am Genuss. Es war wunderbar.

Langsam leerte sich das Lokal, er räusperte sich und setzte zu einer Rede an…Er wisse, dass es moderne Zeiten seien, aber er sei vom alten Schlage. Er fäde es toll, dass Frauen ihr eigenes Geld verdienen, eigene Konten hätten und es würde so oft missverstanden. Aber es würde ich verletzen, wenn ich nicht zuließe, dass er die Rechnung zahle. Zufällig hat meine Kollegin genau darüber mit mir gesprochen, es ähnlich formuliert und mich beschworen, meinen Knacks zu vergessen und es einfach zuzulassen.

Und ich sah ihm in die Augen, sah, wie feierlich ernst es ihm damit war, dass ich damit einen Schuldschein unerschriebe, sondern wirklich einen Mann glücklich mache. Also sagte ich ja und fühlte mich…gut! Kein Druck auf den Schultern, kein Grimmen in der Magengegend. Ich fühlte mich frei und geliebt und umsorgt.

Er zahlte und der Kellner fiel fast um, schüttelte den Kopf und meinte, das sei viel zu viel. Er fragte nach unseren Namen, sagte, was für wunderbare Menschen wir wären und welch schönes Paar. Schüttelte uns die Hände und ich sah dem Mann an meiner Seite an, dass es das war, was er wollte: Liebe und Güte verschenken. Andere glücklich machen.

Er half mir in die Jacke und bat mich, ihn zum Auto zu geleiten, er würde es sonst nicht wiederfinden (ha ha…na sicher!). Als wir gingen nahm er umständlich das Geschenk, nahm das Geschenkband ab und gab es mir. Mit zitternden Händen öffnete ich die Box und fand…

 

 

Was sicher vielen anderen Frauen Angst gemacht hätte, besiegelte den Bund. DAS ist mein Mann. Heute, morgen und für lange Zeit.

Er fuhr mich heim, sprang ums Auto, um mir die Tür zu öffnen und sagte, er würde mich nicht bitten, mit rauf kommen zu dürfen. Er wolle uns Zeit lassen.

 

Da ich keine Zeit hatte, verabredeten wir uns für Sonntag und er ließ keinen Zweifel daran, wie gern er mich eher wiedersehen würde. Er lud mich zu sich ein.

Ich hatte am Samstag meine eigene Einweihungsparty ausgerichtet, die Woche kaum geschlafen und allen Grund gehabt, mich einmal richtig auszuschlafen. Stattdessen stellte ich mir den Wecker auf 1,5h, bis es Zeit für den ersten Zug war…und fuhr mitten in der Nacht im Abendkleid, mit hochgestecktem Haar und hohen Schuhen zu ihm. Um 6 rief ich ihn an, ob er mich einlasse. Da eilte er mir schon, total verschlafen, doch mit einer Rose in der Hand entgegen.

Wir haben Picknick im Park gemacht, zu dem er einfach alles mitgebracht hatte. Haben Sonntagabend nach meiner Schicht (er hatte mich von Arbeit abgeholt) auf dem Balkon gegrillt und Störtebeker-Bier verkostet und ich hab für ihn an der Stange getanzt.

Plötzlich ist die Langeweile weg. Jeder Tag fühlt sich voll, wertvoll und aufregend an. Ich habe einen Partner, der mir gut tut, der mich anzieht, mich umwirbt, meine Gedanken teilt und so so so viel Nähe braucht…genau wie ich. ❤

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11 verrückte Jahre

Der Januar ist nicht nur deshalb ein besinnlicher Rückblickspunkt und gleichzeitig der Planungspunkt fürs neue Jahr, weil die Jahreszählung eine Ziffer weiter springt, nein, der Januar ist für mich auch wegen des heutigen Datums ein Zeitraffer-Moment. Elf Jahre ist es her, dass ich zu Slaine in die Kiste gesprungen bin und keiner hätte geahnt, dass es so lang halten würde.
Schon gar niemand hätte daran geglaubt, dass wir zwei so glücklich würden.

Mittlerweile kenne ich viele Kollegen und Bekannte, die mit Ehering und Klotz äh Kind am Bein weniger gemeinsame Jahre auf dem Buckel haben als wir zwei. Da merkt man erst, wie lang die Zeit wirklich ist.

Blicke ich zurück, kann ich mich an bittere Zeiten erinnern. Die Anfangszeit ist in meiner Erinnerung eine einzige Kette von Streitgesprächen, Auseinandersetzungen und nervigen Missverständnissen. In der Zeit nach dem Umzug hierher war ich zum ersten Mal arbeitslos, das Amt hat unsere Wohnungen inspiziert…da fühlte ich mich ausgeliefert und wie der letzte Versager. Das Geld war immer knapp und wir sind aufgegangen wie zwei Hefeklöße. Schließlich kam noch das Ref…eine der schlimmsten Zeiten, die ich erlebt habe. Doch all diese schweren Zeiten haben uns nur weiter zusammengeschweißt. Egal was kommt, wir wissen, wir können das packen und alles ändern, denn wir sind ein Team.

Doch das Beste ist, dass ich mich zwar an schlimme Zeiten erinnern kann, aber die ersten Eindrücke, die mir in den Sinn kommen, sind all die bekloppten Sachen, die wir schon unternommen haben. All die verrückten Episoden und Einfälle.
Da ist die Gamingzeit, als wir in Runes of Magic die totalen Fun-Owner waren und es so einer Kiddiegilde richtig gezeigt haben. Wir waren die Besten und es fiel uns einfach in den Schoß. In diese Zeit gehören auch lustige Gildenabende wie die virtuelle Schnitzeljagd, betrunkene Teamspeakausraster und all die RL-Gildentreffen in unserer Minuaturwohnung, die kaum größer war als ein durchschnittliches Badezimmer.
Oder die Zeit, als wir selbst Tanzautomaten bauten und munter durch die Wohnung stompten.
Viele Tierpark- und Zoobesuche. Missbrauchte Lebensmittel und Streiche auf Parties.
Und das ganze Bodybuildingding…mit bescheuerten Klamotten, albernem Posing, angeberischem Hantelschubsen und dem ganzen Diät- und Supplementwahnsinn.
Auf Slaines Arbeit wurde letztens ein Quiz veranstaltet. Eine Frage war: Welche Diät hat Slaine noch nicht gemacht?
a) keine-Kohlenhydrate-Diät
b) Brigitte-Diät oder
c) Schilddrüsen-Tuning mit Algen
Das ist es, was ich vor meinem inneren Auge sehe, wenn ich an uns denke: jede Menge verrückter Sachen und Spaß am Leben. Dafür liebe ich Slaine und davon bekomm ich nicht genug.

Heute ist der Tag, an dem man sich wieder besonders stark erinnert und wo wir uns feiern. Doch wie feiert man sich, wenn man auf Diät ist, am Vortag schon zu viel gefuttert hat, der Tag auf einen Trainingstag fällt und man am nächsten Tag wieder in einen Alltag voller Arbeit stürzt? Unmöglich?
Nicht für uns…wir haben unsere Trainingseinheit zur Feier des Tages in eine andere Muckiebude verlegt, die den Ruf einer Hardcorebude hat. Und so waren wir auf alles gefasst: belegte Geräte, Schweißgeruch, abschätzige Kommentare und eine dicke Magnesiumschicht auf allen Elementen. Doch in Wirklichkeit war es gar nicht so wild.
Es war fast leer, aber relativ aufgeräumt und sauber. Kein Magnesium weit und breit. Alle Gewichte waren zwar aus nacktem Eisen, aber davon mal abgesehen war es einfach etwas enger und weniger als gewohnt. Man tauchte gleich in eine Gemeinschaftsatmosphäre ein. Jeder sprach mal kurz die anderen Mitglieder an, hielt einen kurzen Smalltalk. Es fühlte sich mehr nach Gemeinschaft an, als das in unserem riesen McFit der Fall war. Es war auf jeden Fall ein lustiger Abstecher. Aber ich liebe mein McFit jetzt noch mehr. ❤

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Wenn der Geisteswissenschaftler mit dem Naturwissenschaftler…

…spricht. Gestern ergab sich des Abends eine so typische Situation im Hause Spagg, dass ich gleich dachte: Das ist so typisch, das muss ich festhalten.

Sie liegt mit einem frisch aufgeschlagenen Buch im Bett, als ein Strahlen über ihre Gesichtszüge hereinrauscht.

Sie: Oh, hör mal, was für ein wunderschönes sprachliches Bild! „Er starb früh am Morgen, noch bevor man einen schwarzen von einem weißen Faden hätte unterscheiden können.“*

Er: Was? Ne, das ist überhaupt kein schönes Bild, das ist totaler Blödsinn! Wenn er gesagt hätte, einen roten von einem blauen Faden, dann hätte das Sinn ergeben. Aber einen schwarzen Faden! So ein Nonsense! Überleg doch mal. Entweder, es ist so dunkel, dass man gar nichts sieht, oder man kann einen Faden erkennen und dann erkennst du auch immer, wenn du einen schwarzen neben einen weißen Faden hälst, welcher der helle ist. Denk doch nur an Wasabi (unseren schwarz-weißen Kater), nachts erkennst du immer, wo der liegt, weil du immer das schwarz-weiß erkennst. (Dabei steigert er sich sowohl gestisch als auch durch Modulation der Stimme.)

Sie nur so:
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*Das ist der erste Satz aus Ilija Trojanows Roman „Der Weltensammler“