40 Wochen Diät…und kein Ende in Sicht.

Am Montag saß ich mit meinem Coach auf der Bank. Die Tage davor plagte mich der Hunger heftig und im Training fühlte ich mich wie ausgesaugt…keine Kraft, keine Ausdauer. Bei jeder Wiederholung dachte ich: Ich will nicht mehr! Sie letzten Sätze schenkte ich mir ganz.

Und so kam es, dass ich ihm zum ersten Mal Bilder vom aktuellen Stand zeigte und die Frage nachschob: Wie lange noch? Wie viele Wochen muss ich noch hungern?

Vor dem Gespräch hatten sich 4-6 Wochen in meinem Kopf festgesetzt. In der Zeit könnte ich es knapp unter 70 kg schaffen. Ich stellte schon erste Überlegungen an, wie es danach weiter gehen könnte. Morgens täglich mindestens 20 g Kleie, samstags ein Cheatmeal, täglich mindestens 2000 kcal….Ich konnte es mir richtig gut vorstellen. Ich wollte nicht mehr..keinen Hunger mehr, nicht mehr das Gefühl, mein Körper verzehre sich selbst, bessere Leistung im Training, Brustmuskelaufbau statt jede Woche weniger. Vier Wochen sind überschaubar, so lange könnte ich es vielleicht noch aushalten. Also stellte ich die Frage und schaute ihm ins Gesicht.

Er weicht meinem Laserblick aus, zieht kurz die Schultern hoch und sagt: „Natürlich ist dein Wunsch hier maßgeblich. Ich würde dich gern unter 70 kg sehen, das sollten wir schon schaffen. Aber ich glaube, mit 65 kg sähest du perfekt aus.“

Ohhhh…dieser geschickte Teufel!!!

 

„Was denkst du…schaffst du es noch bis….sagen wir Weihnachten?“

Ich möchte sagen: „Nein!“
Ich möchte sagen: „Ich will was anderes hören!“
Aber innerlich spürte ich, wie eine Zahl sich durch meinen Verstand frisst, durch allen Widerstand hindurch und irgendwo in den Tiefen meines Restfettgewebes einrastet: 65kg.

„65 kg, das habe ich nicht mehr gewogen, seit ich 11 war.“, sage ich und vergesse dabei vollkommen meine Magersucht mit 16. Trotzdem ist 65 kg eine Zahl, die für mich so unvorstellbar ist wie eine live beobachtete Supernova. 65 und das Prädikat „perfekt“…die Zahnräder setzten sich in Bewegung.
„Weihnachten, da ist ja fast Silvester. Zu Silvester bin ich eh immer top motiviert, da geht immer etwas Neues los.“ Und damit war es besiegelt….Erstmal bis Weihnachten durchalten…und dann den Rest zur 65. Der Plan steht. Marcel weiß es vielleicht nicht, aber seine Antwort war ein Geniestreich der Rhetorik. Der Sack hat mich locker über meine Grenze geschubst. Eine Grenze die für mich schon fast eine unüberwindliche Mauer war.

Studio ist derzeit frustrierend. Überall fehlt die Kraft, die Ausdauer, es ist kalt, oft voll und ich bin ständig enttäuscht von mir. Aber das ist alles egal. Ich habe wieder ein klares Ziel vor Augen und da zählt vor allem, dass ich hingeh und ein paar Extrakalorien verbrenne.
Leistung, Müdigkeit, Wartezeit, das alles wird zur Nebensache. Durchziehen…

Und nicht immer von der Nähmaschine ablenken lassen. Die Gute wird für mich langsam zur Besessenheit. Diese Woche war Slaine beruflich unterwegs und ich war wie im Wahn. Konnte nachts nicht schlafen, konnte es tagsüber nicht erwarten, endlich wieder das nunmehr vertraute Surren zu hören. Alles andere wurde zur nervigen Unterbrechung. Ich vergaß zu essen, ging viel zu spät ins Bett und bin inzwischen so überdreht, dass ich ständig alles verpeile. Dauernd finde ich Sachen, wo sie nicht hingehören oder renne dreimal los, um etwas zu holen. Beim Kreuzheben habe ich heute links eine 15 kg-Scheibe vergessen. O_o
Nachdem ich heute den Stoff für eine Hose zuschnitt um am Ende festzustellen, dass der Fadenlauf genau anders herum gehört, habe ich mir selber eine Pause verordnet.

Das wird schwer…eine Hose und ein Shirt müssen nur noch genäht werden und ich habe noch Stoff für weitere Sachen übrig! *zitter*
Aber es nützt ja alles nichts. Lieber erfreue ich mich erstmal an den Sachen, die ich schon geschafft habe und gehe dann mit frischer Konzentration an den Rest. Der Plan für nächste Woche: viermal ins Studio!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements

34. Woche…der Fluch der 75 und neue Erkenntnisse

Sie will einfach nicht weichen…immer wieder taucht die 75 auf der Waage auf. Es ist wie verhext. Kann es an meinem Darm liegen? Sind die Bakterien darin vielleicht in der Lage Ballaststoffe aufzuschließen und damit mehr Energie aus der Nahrung zu ziehen? Aufschluss gäbe eine Stuhlanalyse. Doch die ist teuer…zu teuer im Moment. Besserung verspricht ein Wunderpulver…aus Bestandteilen der Darmausscheidung schlanker Menschen….äh…yay. Und auch das kann ich mir im Moment nicht leisten.

Die Theorien, die dahinter stecken, verteufeln auch wieder jede Menge Lebensmittel und versprechen Sodom und Gomorrha, wenn wir unsere Ernährung nicht umstellen. Dinkel ist nun ganz böse, weil es mehr Gluten enthält als Weizen und Hülsenfrüchte sind auch ganz schlimm. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll. Welche Studienlage gibt es? Wer sind diese Experten…geniale Wissenschaftler oder schwerreiche Manipulatoren?

Was ich mittlerweile weiß ist, dass mein derzeitiges „Projekt Personal Coach“ weit mehr zum Vorschein bringt, als nur einen schlanken Körper.

Durch das stark geregelte Leben werde ich langsam zur Prinzessin auf der Erbse. Ich nehme vieles intensiv wahr, was ich früher nicht bemerkt hatte. Dazu zählen:

  • Sättigung durch bestimmte Lebensmittel
  • Wassereinlagerung
  • Phasen voller Engergie und Erschöpfungszustände
  • meine Unfähigkeit mich zu entspannen und zu erholen
  • Fressanfälle werden häufig durch Erschöpfung und Sehnsucht nach Erholung ausgelöst
  • psychischer Stress gipfelt in Fressanfällen (na gut, das weiß man auch vorher, aber jetzt ärgert es mich mehr)
  • Menschen behandeln dich ganz anders, wenn du attraktiv bist

Im Moment fühle ich mich verletzlich und gleichzeitig stark. Schwer zu beschreiben. Aber ich fühle, dass sich mehr in mir ändert, als nur mein Körper.

Am Wochenende wäre die nächste Familienfeier gewesen. Schon im Vorfeld ging das Gezicke los. Alles, was ich mir gewünscht habe war, dass die ewige Rennerei nach den richtigen Tellern, Gläsern und dem Silberbesteck aufhört und statdessen das in den Fokus rückt, weshalb man sich trifft: Gespräche und persönliche Nähe.

Klingt selbstverständlich?
Ist es leider nicht.
„Wenn jeder mit anpackt, wird es ein schönes Fest.“, lautet die immer wiederholte Aussage. Wer braucht schon ein cooles Familienmotto, wie „Ein Lannister zahl stets seine Schulden“, wenn man sich stattdessen zum vererbten Worcoholismus bekennnen kann. Anpacken…ständig und dauernd…das macht einem zum wertvollen Familienmitglied. Wer nur rumsitzt, ist zu nichts nütze. Schmarotzer…
Wegen ein paar Papptellern und Plastikbechern zerbricht nun die Familie.

Na gut, ein bisschen mehr steckt schon dahinter. Aber für mich steht fest, dass ich es nicht mehr ertrage. Ich muss mich selbst schützen und von diesem Unfug befreien. Wieder ein Schritt, der mir gut tut, dabei aber Menschen von mir stößt.
Vielleicht lern ich sogar eines Tages noch, wie man sich einfach zurücklehnt.

Der Meister hat gemeckert…

…oder schließt er sich am Ende nur meiner Meinung an?

Es ist mittlerweile die 32. Woche der Diät. Schon über ein halbes Jahr läuft hier alles so ziemlich nach Plan. Über 12 kg sind weg. Der Diätaufwand ist Routine geworden.

Meine „Küchentapete“. Jedes Blatt enthält 1-2 Tagespläne á 4 Mahlzeiten.

Heißes Wetter? Dann koch ich mir etwas schönes Warmes.

Kaltes Wetter? Lieber ohne Kochen einplanen.

Herzhafte Gelüste? Dann gibt es noch eine Gurke mit Salz und Pfeffer.

Süße Gelüste?Im Frost ist Wassereis ohne Kalorien, nur aromatisiert.

Für alles habe ich eine Idee. Eine Möglichkeit. Eine Lösung.

Listen über Listen. Heißhunger auf etwas bestimmtes? Dann wird sofort eine neue Liste erstellt.

Doch trotzdem lief es in den letzten Wochen immer schleppender. Ich habe das Cardio vor dem Training (nach dem Training geht einfach nichts mehr) hochgeschraubt. Dadurch fühle ich mich oft schon nach der erste Übung total geplättet. In der zweiten Übung ist kaum Kraft mehr da und bei der dritten Übung gähne ich und will nur noch ins Bett.

Schlimmer sind aber die trainingsfreien Tage. Endlich mal bei Netflix entspannen? Nichts da. Statt abzuschalten fordert mein Hirn ständig etwas für den Gaumengenuss. Ich kann dann an nichts anderes denken. Es nervt. Es macht mich gereizt. Deswegen habe ich jetzt mal ein paar Tage ketogen eingeschoben, nur um den Süßhunger los zu werden. Gegen das Verlangen nach Zucker hat es geholfen. Aber meine Kauleiste will dennoch dauerhaft beschäftigt sein. -.-

Dazu kommt, dass ich im Laufe des Monats immer Wasser einlagere. Das weiß ich schon lange, schließlich verschwindet jeden Monat pünktlich 1kg über Nacht. Drei Wochen lang Stillstand auf der Waage und wenn du dir schon langsam die Haare raufst…plop, 1kg weniger. Mit den ganzen Veränderungen zieht nun jedoch ein neuer Blick auf meinen Körper ein. Wo sonst flächendeckendes Gewabbel war, treten nun langsam Muskeln und Knochen hervor. Man sollte meinen, dass sich damit alles fest und straff anfühlt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich spüre die Muskulatur, aber die Fettschicht darüber ist viel wabbeliger als noch vor einigen Monaten. Was man nun besser erkennt sind all die Definzite in der Muskulatur. Dysbalancen, verkümmerte Muskelpartien die ich noch nie richtig genutzt habe. Die Haut schlägt Wellen. Ich fühle mich wie eines der ersten Wasserbetten. Im Laufe des Monats wird das immer schlimmer. Wo sich nach dem Kiloverlust noch Muskulatur abzeichnet, ist drei Wochen später nichts mehr zu erahnen. Alles verläuft speckig-glatt. Es ist zum Verzweifeln. Dazu noch ein guter Schuss PMS-Hormoncocktail und alles scheint sinnlos. Unschaffbar. Vergeblich. Furchtbar!

Und in so einem Moment schreibt mein Coach mich an. Was glaubt ihr, wie meine Antwort aussah?

Vielleicht ist mit über 12kg weniger mein Grundumsatz auch tatsächlich nochmal weniger, das tägliche Defizit nicht so hoch, wie vor ein paar Monaten. Das soll der Bodymedia nun ans Licht bringen.

Gestern saßen wir also zusammen. Mein Coach und ich. Und er sagt genau das, was ich befürchtet habe: Defizit vergrößern, mehr Cardio, mehr Übungen und höhere Satzzahlen im Training.

Tja…ich habe es ja so gewollt. Die nächsten Monate werden hart. Aber ich hoffe, dafür nochmal richtig voran zu kommen. Ich hoffe, es durchhalten zu können und das große Ziel endlich wieder vor Augen sehen zu können. Das Ende des Defizits und der Anfang eines Aufbauplanes.

Vierte Woche: 1kg verschwindet, alles fühlt sich etwas fester an und ich kaufe mir ein neues Shirt. In der vierten Woche ist immer alles prima, der Blick auf die Zukunft klar.

Und dann gehen wir meinen Plan durch. O-Ton: Was soll das denn sein? Das ist doch keine Einheit?! Da bist du doch in maximal 30 Minuten durch, gib mal her, ich rechne das mal durch…3 Minuten hier, vier dort…25 Minuten!

„Aber ich brauche dafür eine stunde und bin danach echt fertig“

„Ja, weil du ewig Pausen machst. 60-90 sekunden Pause zwischen den Sätzen, dann kriegst du in derselben Zeit mehr hin. Und jetzt machen wir mal einen richtigen Plan daraus. 3 Sätze Minimum bei jeder Übung. Die Übung hierhin. Die dorthin. Optionaler Trainingstag? Quatsch, entweder fängst du wieder mit dem Plan von vorn an oder du machst Cardio.“

Wenn ich nun so drüber nachdenke, ist Training für mich wirklich eher wie eine Yoga-Stunde. Ich mache alles sehr konzentriert und bewusst. Dadurch dauern die Sätze lang und saugen die Batterien leer. Vielleicht bringt etwas Tempo und kürzere Pausen tatsächlich wieder etwas Schwung rein. Andererseits könnte es auch zu nerviger Clockwork-Attitüde führen.

Wir werden sehen…

Und dann zeigt er mir noch ein paar neue Übungen und Übungsausführungen um an den Dysbalancen und Defiziten zu arbeiten. Auf dem Foto sieht man deutlich, dass ich zwar einen guten Latissimus habe, darunter aber fast keine Muskulatur zu sehen ist. Das spüre ich auch deutlich, weil ich noch immer zum Buckel neige und Probleme habe, beim Rudern die Muskulatur zu treffen. Aber natürlich hat Marcel dafür eine gute Lösung.

Es liegt viel Arbeit vor mir. Leichter wird es nicht. Aber, es lohnt sich. Und der Coach ist definitiv die beste Investition! Jeden Cent wert.

27. Woche: back to business

Nachdem ich in den letzten vier Wochen immer mehr ins Schludern geriet, traf ich mich letzten Mittwoch mit meinem Coach.
Fragt mich mal, was los war…ich weiß es nicht. Irgendwie lief es einfach nicht mehr rund und an den Abenden quälte mich ein unstillbarer Appetit.
Im Gespräch mit meinem Coach vereinbarten wir einen Planwechsel. Er versprach mir einen neuen Ernärungsplan zu basteln und fürs Training einen doppelten Zweiersplit zu erstellen.
Ich war erleichtert. Ich musste mich nicht selbst kümmern. Musste nur ein paar Tage warten, bis die neuen Pläne fertig sind und konnte dann mit einem kleinen Neustart beginnen. Alles prima.

In den Tagen darauf war ich stets in Versuchung, meinem Coach nochmal zu schreiben, dass er bitte an dies uns jenes denken solle. Aber ich ließ es bleiben. Da mein Coach die Stunden, die er an solchen Plänen verbringt, nicht abrechnet, aber bis tief in die Nacht daran arbeitet (die letzten Pläne kamen gegen 2:00 Uhr nachts…), drückte mich das schlechte Gewissen und ich wollte das ganze nicht unnötig verkomplizieren.
Von Tag zu Tag wurde mir unbehaglicher zu Mute. Was, wenn er seinen geliebten (und von mir verabscheuten) Milchreis einbaut, oder Essen, was sich auf Arbeit unmöglich mitnehmen lässt oder was mich überhaupt nicht befriedigt…

Als er samstags schrieb, dass ihm zur Ernährung noch keine optimale Lösung eingefallen sei, war ich richtig erleichtert. Seit dem Treffen war der quälende Appetit wie weggeblasen. Auch der Blick war endlich wieder auf die Zukunft gerichtet, während ich die Wochen davon nur noch gesehen habe, wie lange ich nun schon auf Diät bin und auf was ich alles verzichte. Ich war so froh, mich nicht auf unbequeme Ideen einstellen zu müssen sondern weiter ganz selbst zu bestimmen, wie ich meine Tage gestalte, dass ich neue Kraft daraus schöpfte.
Ist das nicht wieder ein Beweis, wie bescheuert man manchmal ist?

Nur eines habe ich geändert…bisher plante ich immer Trainingstage mit ein. Da dieses Training immer öfter weggefallen ist, musste ich ständig kurzfristig umplanen, was selten mit den Makronährstoffen klappte und immer das Gefühl hinterließ, dass es nicht nach Plan geht. Stattdessen plane ich nun durchweg Nichttrainingstage und habe einfach für Trainingstage eine kleine Extramahlzeit erstellt. So bin ich flexibler, habe immer genug Eiweiß zusammen und das gute Gefühl, dass alles nach Plan läuft. kleine Änderung, großer Effekt…so mag ich es.

Dann kam der Trainingsplan.
Wie besprochen, ein Zweier-Split.
Sobald ich die Datei geöffnet hatte, hatte ich Bauchschmerzen.
Es begann mit den Vorüberlegungen: nüchternes Morgencardio (also nachts?), ging über die Aufteilung (Oberkörper-Unterkörper-Split, was bedeutet, dass die Beine eine Einheit sind und der restliche Körper am zweiten Tag trainiert wird) hin zur Übungswahl und -reihenfolge. Kurz: er gefiel mir überhaupt nicht, die Umstellung von meinem Plan war so gigantisch, dass ich mich einfach nicht damit anfreunden konnte. Alles in mir sperrte sich dagegen.
Mit rabenschwarzem Gewissen schrieb ich meinem Coach und er reagierte gewohnt cool: „Kein Problem, pass ihn an, wie du möchtest. Nächstes Mal sprechen wir deinen Plan durch und ich zeige dir die Übungen, die du noch nicht kennst.“
Ich war erleichtet und bastelte mir einen 3er-Split mit einer optionalen 4. Einheit.
Alles nach meiner selbstbestimmten Nase.
Herrlich!

Seither läuft es so gut, ich war sogar joggen!
Ich kann stolz und zufrieden sein.

Bin es aber natürlich nicht. Stattdessen drängelt Fräulein Ungeduld.
Letztens bin ich durch die Stadt gelaufen und mir kam ein Fit Chick entgegen, dass in etwa so aussah:

Und ich dachte nur: WTF am I doing wrong?!$%&$
Sofort sehe ich wieder nur, wie viel Schwabbel noch immer da ist, frage mich ,wie lang ich noch diäten muss, um endlich zum Aufbau übergehen zu können, ob ich je einen richtig festen Körper bekommen werde oder immer „weich“ bleibe, ob ich mal anständige Schultern kriege und wann, WANN WANN es endlich mal anständig aussieht.

Tja…es ist echt einfach, sich selbst zu frustrieren. Aber weil das nicht hilft, setze ich mir nun kleine Ziele.
Ziel diese Woche war es:

  • einmal zu joggen (check),
  • endlich endgültig unter 75kg zu kommen (check),
  • nach Plan zu essen (check) und
  • dreimal trainieren zu gehen (fast check…morgen steht die dritte Einheit an).

Für nächste Woche sieht es ähnlich aus. Vielleicht fällt mir noch ein zusätzliches Ziel ein, mal schauen.

Over and out.

22. Woche: stolpern, aufstehen, weiter machen

Woah…der Sommer ist da. Ganz plötzlich hält man es in Jeans nicht mehr aus und ZACK! packe ich die langen Hosen in den Schrank und zerre die Röckchen aus der Schublade.

Und endlich passen sie wieder. Manche sogar gerade noch so…die werden schon locker! 😀
Dann noch die Blusen dazu…man! Sind das wirklich meine schlanken Beine, die ich da im Spiegel sehe? Und schau dir diese Taille an! Die Arme passen endlich in die Ärmel!
Und wie die Menschen ringsum auf den Look reagieren…eine Teilnehmerin brummt frustriert und lässt den Kopf auf den Tisch knallen…ich habe keinen Schimmer, was sie damit sagen will.
In Läden geben mir Männer bereitwillig Auskunft.
„Ich schau mal, ob wir sowas da haben. Gehen sie ruhig weiter einkaufen, ich finde sie!“
Das hätte er mit meiner 95kg schweren Version sicher nicht gemacht.
Es ist Sommer und ich kann ihn endlich mal genießen. Es liegt Jahre zurück, dass ich mich nicht mehr schämen musste.

Da sollte man meinen, es geht nun alles leichter.
Seltsamerweise ist das Gegenteil der Fall. Es fällt mir zur Zeit unheimlich schwer. Slaine ist total erkältet. Und obwohl ein großer Teil in mir gerne zum Training will, um all die Muskeln ordentlich durchzupumpen, schaffe ich es nicht. Ich schaffe es einfach nicht, mich nach Feierabend noch aufzuraffen. Auf Arbeit bin ich voller Energie und zum Feierabend…nur leere Akkus.

Der Hunger ist abends häufig zu Besuch. Stöhnend rumort mein Magen und alles steht auf Konsumbereitschaft. Dass Slaine sich beinahe täglich Fast Food beim Lieferservice bestellt oder wir zusammen durch die Supermärkte schlendern, während ich gar nichts kaufen muss und nun all die leckeren Sachen wahrnehme, die alle nicht auf meinem Plan stehen, macht es auch nicht gerade einfach. Dann kommt noch der Stress dazu. Keine Ahnung, ob es die Diät ist, der Zyklus, das Erbe meiner Workoholicmutter oder schlicht die Tatsache, dass mich mein Job so er-/ausfüllt, dass ich irgendwie nichts anderes mehr finde, was mich noch erfüllt…jedenfalls arbeite ich gefühlt dauerhaft und merke, wie meine Nerven dünner werden. Da kann es schonmal vorkommen, dass ich nach Feierabend in der Küche stehe und auf den sorgenvollen Ruf meines Freundes mit einem sehr bestimmten „Ich will diese Sache jetzt noch durchziehen und dabei nicht angesprochen werden!“ reagiere. Immerhin merke ich noch selber, dass das kein guter Zustand und nicht ganz angemessen ist. Leider ist das einzige, was mich dann rettet eine halbe Tüte Haribo. Wirkt Wunder bei akuten Stimmungstiefs und entspannt ungemein.

Tja, und so kommt es dann zur nächsten Phase: die Waage steigt leicht an und obwohl ich weiter Zentimeter verliere und toll aussehe, zähle ich all die Abweichungen vom Plan Stück für Stück zusammen und bekomme als Summe:

totales Versagen

Von jetzt auf gleich kippe ich in tiefe Verzweiflung, weiß nicht mehr weiter und habe keine Power für irgendwas.

Auch diese Situation habe ich hundertfach erlebt. Unzählige Male!
Sie waren der Endpunkt jeder Diät.
Immer.
Ich kam nie darüber hinweg. Konnte nicht mehr voran gehen, musste stehenbleiben und meine Batterien mit Scheißkram füllen. Und danach fand ich natürlich nie in die Diät zurück.
So lief es immer.
Jedes einzelne Mal.
Jahr um Jahr.
Erfolg-Stagnation-Abweichungen vom Plan-Verzweiflung-due Uhr läuft rückwärts und schlittert über Start

Diesmal nicht.
Ich weiß, da draußen ist mein Coach, mit dem ich mich wieder treffen werde. Und ich will, dass er stolz auf mich ist. Ich will, dass er sieht, wie hart ich an mir arbeite. Ich möchte sein Lob. Und ich glaube an seinen Plan. Es ist nicht mein Plan. Es ist ein Expertenplan. Mir ist klar, wie naiv und kindisch das ist. Ich gebe meinen Verstand ab und glaube ganz einfach. Ich glaube an meinen Coach, als ob er ein religiöser Heiland wäre und ich brauche genau diese naive Art des Urvertrauens, denn die ist das Einzige, was gegen die Verzweiflung hilft.
Denn trotz dieser bescheuerten Gefühle in mir und trotz der häufiger werdenen Ausrutscher und obwohl ich es nicht zum Training schaffe, läuft doch jeder Tag erstmal nach Plan und hat damit die Chance, mich wieder einen Schritt weiter zu bringen.

Stolpern, aufstehen, weiter machen und bloß nicht lang zurückschauen! Das ist meine neue Devise.

…und kein Schweinenacken. :(

Das Unfassbare ist passiert: Ich habe mit meinem Coach eine Stunde lang mögliche Bauchübungen durchexerziert. Und ich lebe noch! Ich hatte obendrein kaum Bauchmuskelkater. Total verrückt.

Aber ich muss auch was tun. Ich merke es an der Wirbelsäule. Beim Sitzen brennt mir der Unterrücken, ich sitze total schief. Bei den Kniebeugen oder beim Langhantel-Frontdrücken fehlt mir die Staibität im Rücken. Und wenn ich entspannt im Bad steh, ruft der Freund regelmäßig: „Oh, ein Schildkrötenbauch!“. Also heißt es jetzt auch noch den Bauch zu quälen.

Tja, und wie ich so meinem Coach erzähle, dass die Waage gerade total zickt und dass ich dennoch Anfang Juni wieder einen Ausnahmetag nehme, um den Geburtstag vom Slaine zu feiern, bei dem wir so richtig grillen wollen, sagt der Coach:

„Grillen? Kein Problem! Du musst dich nur entscheiden, ob du Eiweiß mit Fett oder mit Kohlenhydraten kombinierst.“

Keine Frage, denk ich…Wer braucht schon Kohlenhydrate, wenn er ein Kilo Schweinenac…

„Du kannst alles machen…Pute, Huhn, schön mariniert! Sogar Fisch! (ich reiße entsetzt die Augen auf) Forelle vom Grill, mit leckeren Kräutern, ich sag dir, ein Gedicht! (mein Gesicht ist vollständig entgleist)
Rind kannst du natürlich auch machen (sagt er versöhnlich, was aber nichts rettet und so fragt er schließlich) Was wolltest du denn machen?“

SCHWEINENACKEN! Ich will nur Schweinenacken.
Nun schaut er mich entsetzt an und schüttelt anschließend den Kopf. X(
Kein Schweinenacken?!%$& NEEEEEIIIINNNN. Mir blutet das Herz. Wirklich und wahrhaftig.

Wir haben uns dann auf Rind geeinigt. Bisher fallen mir die meisten Umstellungen durch den Coach wirklich leicht. Diese nicht. Grillen ohne Schweinenacken….das ist bitter.

Heute sind wir mal wieder im Clara-Zetkin-Park hier in Leipzig gewesen. Mitten durch die Innenstadt ist Leipzig von wunderschönen Parks durchzogen, aber nur im Clarapark kann man Eichhörnchen, Meisen, Spatzen, Sperber und Raben aus der Hand füttern. Dazu die frische Luft, Sonnenstrahlen, blühende Büsche uns quakende Frösche.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Was könnte da die Stimmung trüben?
Doch niemals der Zwischenstopp auf einen Kaffee im Glashaus, welches sich mitten im Park, unter den Bäumen befindet.
Sicher nicht.
Aber was zieht mir da in die Nase und lässt mich wie einen sabbernden Hund fast auf alle Viere fallen?
Der Grill im anschließenden Biergarten…mit dem Odeur von frisch gegrilltem SCHWEINENACKENSTEAK. AAARRRWWWWWWWW…noooooooooo! X(
Kein Schweinenacken in den nächsten Monaten für mich.
DAS ist schwer.
Wie soll ich das nur schaffen?

Da hilft nur der Stolz auf die eigenen Erfolge. Da darf man sich ruhig mal selbst auf ein Podest stellen. ;D

Die vierte Woche ist rum…

der erste Monat überstanden.

Am Freitag saß ich mit meinem Trainer zusammen. In den letzten zwei Wochen sind die Gewichtszahlen gestiegen. Am Donnerstag zeigte die Waage satte 84,2kg, das war mehr als beim letzten Treffen mit dem Coach. Ich nahm es gelassen, wahrscheinlich ist das das wirkende Creatin. Am Freitag morgen dann die letzte Wiegung vorm Treffen: 83,5kg. 300g mehr als beim letzten Treffen. Schwarz auf weiß in einer Exceltabelle wirkt das immer nochmal ernüchternder. Zumindest auf den Coach. Der zupfte darauf ordentlich an den Makronährstoffen und der Gesamtkalorienbilanz für die kommenden Wochen.

Damit war für mich klar, dass ich einen ganz neuen Plan erstellen muss. Zwar nutze ich die alten Mahlzeiten, muss aber jedes Gericht anpassen und in Fddb in eine neue Liste eintragen.

Btw.: kennt jemand ein gutes, kostenloses Kalorienzähltool bei dem man Listen komplett in neue Listen integrieren kann? Das hätte mir gestern viel Arbeit erspart.

So saß ich den ganzen Tag über Listen, habe Lebensmittel aus alten Listen in neue kopiert und mit den Mengenangaben gespielt, bis es passte. Das war wirklich kein Vergnügen. Als ich endlich fertig war, was es 23 Uhr, ein Wochenendtag war rum. Aber ich war auch ein bisschen stolz darauf.

Heute morgen, ich überlegte gerade, wie ich die nächste Woche planen will, setze ich meinen Kaffee an die Lippen und erstarrte

…ich hatte die Milch vergessen!

An alles hatte ich gedacht: Kreatin und Zimt im Shake, 2x täglich Grapefruit, die Kohenhydrate in die richtigen Mahlzeiten, die Makros bedacht, alles grammgenau eingepasst. Aber ich hatte die Milch für den Kaffee vergessen!
Und ohne Kaffee funktioniere ich nicht. Kurz überlegte ich, die nächsten Wochen schwarz zu trinken. Oder die Milch zu ignorieren. Aber beides würde nicht funktionieren. Das wusste ich.
Also nahm ich mir nochmals alle 13 Listen vor, kopierte 100ml Milch hinein und drehte an den Mengenangaben der anderen Zutaten, bis es wieder stimmte, passte die ausgedruckten Listen in der Küche an…und rannte zum Training.

Ein Wochenende wie ein Black Friday im Mediamarkt.

Heftig.
Aber geschafft!
Dazu habe ich heute zum ersten Mal seit Oktober!!! einen 4er-Split im Studio vollendet. Die Waage sprang gestern auf 83,0kg und heute morgen auf 82,9kg. O_o Was sagt man dazu?
Ich habe tolle neue Ideen und Tipps fürs Schultertraining bekommen, um endlich auch mal die hintere Schulter zu treffen. Alles läuft. 🙂