Der Meister hat gemeckert…

…oder schließt er sich am Ende nur meiner Meinung an?

Es ist mittlerweile die 32. Woche der Diät. Schon über ein halbes Jahr läuft hier alles so ziemlich nach Plan. Über 12 kg sind weg. Der Diätaufwand ist Routine geworden.

Meine „Küchentapete“. Jedes Blatt enthält 1-2 Tagespläne á 4 Mahlzeiten.

Heißes Wetter? Dann koch ich mir etwas schönes Warmes.

Kaltes Wetter? Lieber ohne Kochen einplanen.

Herzhafte Gelüste? Dann gibt es noch eine Gurke mit Salz und Pfeffer.

Süße Gelüste?Im Frost ist Wassereis ohne Kalorien, nur aromatisiert.

Für alles habe ich eine Idee. Eine Möglichkeit. Eine Lösung.

Listen über Listen. Heißhunger auf etwas bestimmtes? Dann wird sofort eine neue Liste erstellt.

Doch trotzdem lief es in den letzten Wochen immer schleppender. Ich habe das Cardio vor dem Training (nach dem Training geht einfach nichts mehr) hochgeschraubt. Dadurch fühle ich mich oft schon nach der erste Übung total geplättet. In der zweiten Übung ist kaum Kraft mehr da und bei der dritten Übung gähne ich und will nur noch ins Bett.

Schlimmer sind aber die trainingsfreien Tage. Endlich mal bei Netflix entspannen? Nichts da. Statt abzuschalten fordert mein Hirn ständig etwas für den Gaumengenuss. Ich kann dann an nichts anderes denken. Es nervt. Es macht mich gereizt. Deswegen habe ich jetzt mal ein paar Tage ketogen eingeschoben, nur um den Süßhunger los zu werden. Gegen das Verlangen nach Zucker hat es geholfen. Aber meine Kauleiste will dennoch dauerhaft beschäftigt sein. -.-

Dazu kommt, dass ich im Laufe des Monats immer Wasser einlagere. Das weiß ich schon lange, schließlich verschwindet jeden Monat pünktlich 1kg über Nacht. Drei Wochen lang Stillstand auf der Waage und wenn du dir schon langsam die Haare raufst…plop, 1kg weniger. Mit den ganzen Veränderungen zieht nun jedoch ein neuer Blick auf meinen Körper ein. Wo sonst flächendeckendes Gewabbel war, treten nun langsam Muskeln und Knochen hervor. Man sollte meinen, dass sich damit alles fest und straff anfühlt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich spüre die Muskulatur, aber die Fettschicht darüber ist viel wabbeliger als noch vor einigen Monaten. Was man nun besser erkennt sind all die Definzite in der Muskulatur. Dysbalancen, verkümmerte Muskelpartien die ich noch nie richtig genutzt habe. Die Haut schlägt Wellen. Ich fühle mich wie eines der ersten Wasserbetten. Im Laufe des Monats wird das immer schlimmer. Wo sich nach dem Kiloverlust noch Muskulatur abzeichnet, ist drei Wochen später nichts mehr zu erahnen. Alles verläuft speckig-glatt. Es ist zum Verzweifeln. Dazu noch ein guter Schuss PMS-Hormoncocktail und alles scheint sinnlos. Unschaffbar. Vergeblich. Furchtbar!

Und in so einem Moment schreibt mein Coach mich an. Was glaubt ihr, wie meine Antwort aussah?

Vielleicht ist mit über 12kg weniger mein Grundumsatz auch tatsächlich nochmal weniger, das tägliche Defizit nicht so hoch, wie vor ein paar Monaten. Das soll der Bodymedia nun ans Licht bringen.

Gestern saßen wir also zusammen. Mein Coach und ich. Und er sagt genau das, was ich befürchtet habe: Defizit vergrößern, mehr Cardio, mehr Übungen und höhere Satzzahlen im Training.

Tja…ich habe es ja so gewollt. Die nächsten Monate werden hart. Aber ich hoffe, dafür nochmal richtig voran zu kommen. Ich hoffe, es durchhalten zu können und das große Ziel endlich wieder vor Augen sehen zu können. Das Ende des Defizits und der Anfang eines Aufbauplanes.

Vierte Woche: 1kg verschwindet, alles fühlt sich etwas fester an und ich kaufe mir ein neues Shirt. In der vierten Woche ist immer alles prima, der Blick auf die Zukunft klar.

Und dann gehen wir meinen Plan durch. O-Ton: Was soll das denn sein? Das ist doch keine Einheit?! Da bist du doch in maximal 30 Minuten durch, gib mal her, ich rechne das mal durch…3 Minuten hier, vier dort…25 Minuten!

„Aber ich brauche dafür eine stunde und bin danach echt fertig“

„Ja, weil du ewig Pausen machst. 60-90 sekunden Pause zwischen den Sätzen, dann kriegst du in derselben Zeit mehr hin. Und jetzt machen wir mal einen richtigen Plan daraus. 3 Sätze Minimum bei jeder Übung. Die Übung hierhin. Die dorthin. Optionaler Trainingstag? Quatsch, entweder fängst du wieder mit dem Plan von vorn an oder du machst Cardio.“

Wenn ich nun so drüber nachdenke, ist Training für mich wirklich eher wie eine Yoga-Stunde. Ich mache alles sehr konzentriert und bewusst. Dadurch dauern die Sätze lang und saugen die Batterien leer. Vielleicht bringt etwas Tempo und kürzere Pausen tatsächlich wieder etwas Schwung rein. Andererseits könnte es auch zu nerviger Clockwork-Attitüde führen.

Wir werden sehen…

Und dann zeigt er mir noch ein paar neue Übungen und Übungsausführungen um an den Dysbalancen und Defiziten zu arbeiten. Auf dem Foto sieht man deutlich, dass ich zwar einen guten Latissimus habe, darunter aber fast keine Muskulatur zu sehen ist. Das spüre ich auch deutlich, weil ich noch immer zum Buckel neige und Probleme habe, beim Rudern die Muskulatur zu treffen. Aber natürlich hat Marcel dafür eine gute Lösung.

Es liegt viel Arbeit vor mir. Leichter wird es nicht. Aber, es lohnt sich. Und der Coach ist definitiv die beste Investition! Jeden Cent wert.

27. Woche: back to business

Nachdem ich in den letzten vier Wochen immer mehr ins Schludern geriet, traf ich mich letzten Mittwoch mit meinem Coach.
Fragt mich mal, was los war…ich weiß es nicht. Irgendwie lief es einfach nicht mehr rund und an den Abenden quälte mich ein unstillbarer Appetit.
Im Gespräch mit meinem Coach vereinbarten wir einen Planwechsel. Er versprach mir einen neuen Ernärungsplan zu basteln und fürs Training einen doppelten Zweiersplit zu erstellen.
Ich war erleichtert. Ich musste mich nicht selbst kümmern. Musste nur ein paar Tage warten, bis die neuen Pläne fertig sind und konnte dann mit einem kleinen Neustart beginnen. Alles prima.

In den Tagen darauf war ich stets in Versuchung, meinem Coach nochmal zu schreiben, dass er bitte an dies uns jenes denken solle. Aber ich ließ es bleiben. Da mein Coach die Stunden, die er an solchen Plänen verbringt, nicht abrechnet, aber bis tief in die Nacht daran arbeitet (die letzten Pläne kamen gegen 2:00 Uhr nachts…), drückte mich das schlechte Gewissen und ich wollte das ganze nicht unnötig verkomplizieren.
Von Tag zu Tag wurde mir unbehaglicher zu Mute. Was, wenn er seinen geliebten (und von mir verabscheuten) Milchreis einbaut, oder Essen, was sich auf Arbeit unmöglich mitnehmen lässt oder was mich überhaupt nicht befriedigt…

Als er samstags schrieb, dass ihm zur Ernährung noch keine optimale Lösung eingefallen sei, war ich richtig erleichtert. Seit dem Treffen war der quälende Appetit wie weggeblasen. Auch der Blick war endlich wieder auf die Zukunft gerichtet, während ich die Wochen davon nur noch gesehen habe, wie lange ich nun schon auf Diät bin und auf was ich alles verzichte. Ich war so froh, mich nicht auf unbequeme Ideen einstellen zu müssen sondern weiter ganz selbst zu bestimmen, wie ich meine Tage gestalte, dass ich neue Kraft daraus schöpfte.
Ist das nicht wieder ein Beweis, wie bescheuert man manchmal ist?

Nur eines habe ich geändert…bisher plante ich immer Trainingstage mit ein. Da dieses Training immer öfter weggefallen ist, musste ich ständig kurzfristig umplanen, was selten mit den Makronährstoffen klappte und immer das Gefühl hinterließ, dass es nicht nach Plan geht. Stattdessen plane ich nun durchweg Nichttrainingstage und habe einfach für Trainingstage eine kleine Extramahlzeit erstellt. So bin ich flexibler, habe immer genug Eiweiß zusammen und das gute Gefühl, dass alles nach Plan läuft. kleine Änderung, großer Effekt…so mag ich es.

Dann kam der Trainingsplan.
Wie besprochen, ein Zweier-Split.
Sobald ich die Datei geöffnet hatte, hatte ich Bauchschmerzen.
Es begann mit den Vorüberlegungen: nüchternes Morgencardio (also nachts?), ging über die Aufteilung (Oberkörper-Unterkörper-Split, was bedeutet, dass die Beine eine Einheit sind und der restliche Körper am zweiten Tag trainiert wird) hin zur Übungswahl und -reihenfolge. Kurz: er gefiel mir überhaupt nicht, die Umstellung von meinem Plan war so gigantisch, dass ich mich einfach nicht damit anfreunden konnte. Alles in mir sperrte sich dagegen.
Mit rabenschwarzem Gewissen schrieb ich meinem Coach und er reagierte gewohnt cool: „Kein Problem, pass ihn an, wie du möchtest. Nächstes Mal sprechen wir deinen Plan durch und ich zeige dir die Übungen, die du noch nicht kennst.“
Ich war erleichtet und bastelte mir einen 3er-Split mit einer optionalen 4. Einheit.
Alles nach meiner selbstbestimmten Nase.
Herrlich!

Seither läuft es so gut, ich war sogar joggen!
Ich kann stolz und zufrieden sein.

Bin es aber natürlich nicht. Stattdessen drängelt Fräulein Ungeduld.
Letztens bin ich durch die Stadt gelaufen und mir kam ein Fit Chick entgegen, dass in etwa so aussah:

Und ich dachte nur: WTF am I doing wrong?!$%&$
Sofort sehe ich wieder nur, wie viel Schwabbel noch immer da ist, frage mich ,wie lang ich noch diäten muss, um endlich zum Aufbau übergehen zu können, ob ich je einen richtig festen Körper bekommen werde oder immer „weich“ bleibe, ob ich mal anständige Schultern kriege und wann, WANN WANN es endlich mal anständig aussieht.

Tja…es ist echt einfach, sich selbst zu frustrieren. Aber weil das nicht hilft, setze ich mir nun kleine Ziele.
Ziel diese Woche war es:

  • einmal zu joggen (check),
  • endlich endgültig unter 75kg zu kommen (check),
  • nach Plan zu essen (check) und
  • dreimal trainieren zu gehen (fast check…morgen steht die dritte Einheit an).

Für nächste Woche sieht es ähnlich aus. Vielleicht fällt mir noch ein zusätzliches Ziel ein, mal schauen.

Over and out.

absolut unsportlich

Wieder habe ich die 80ger-Grenze durchbrochen. Und wieder tritt das Phänomen auf, welches ich nur zu gut kenne. Kaum sehe ich die Erfolge meines Tuns und erreiche die Grenze, nach der jedes verlorene Kilo deutlich sichtbar wird, schon werden die Nerven dünn, der Körper signalisiert, dass er lieber wieder zurück zu den Polstern will und ich habe nur noch ein Bedürfnis: faul rumsitzend zu fressen. Dabei geht es nicht einmal um Pizza und Torten… ich schaffe es auch mit „cleanem“ Futter ständig zu viel zu essen.

In den letzten zwei Wochen habe ich gerade man einen Tag mein Defizit erreicht. Da ich weiter beim Sport war, schaffte ich es dennoch auf 79,2kg runter, ich verlor langsam Gewicht.

Doch dieses Wochenende spürte ich, dass der entscheidende Wendepunkt gekommen ist. Gestern konnte Slaine nicht zum Beintraining und ich nahm mir vor, stattdessen eine Runde zu joggen. Der Himmel grinste aufmunternd herab, die Vögel riefen, aber ich begab mich lieber ins weihnachtliche New York („The Division“ hat seine entspannenden Krallen in mich geschlagen) und anschließend nach Krasia („Der Thron der Finsternis“ von Peter V. Brett zieht mich ebenfalls schwer in den Bann). Dessen nicht genug, war ich auch zu faul etwas zu kochen und holte stattdessen eine große Portion im China-Imbiss.

Gründe dafür gibt es natürlich wieder: auf Arbeit ist es enorm stressig. Durch die Diät bin ich leicht reizbar und merke immer öfter, dass ich meine angespannten Nerven an meinen Schülern auslasse. Ich schaffe es kaum noch motivierend und bestärkend zu sein, stattdessen motze ich nur noch. Ich fühle mich permanent ausgelaugt und müde, in der letzten Woche wollte ich keinen Tag auf Arbeit sein. Das ist neu. Und mein Körper schreit nach Essen. Ich kenne Appetit zur Genüge, aber das jetzt ist Hunger. Ich würde so ziemlich alles essen, wenn es nur den ständig nagenden Hunger stillt.

Aber verdammt nochmal, genau das kennzeichnet den Übergang auf eine neue Stufe!

Und auch das weiß ich eigentlich.
Mein Körper will nichts hergeben…
aber jenseits dieser Grenze wartet neue Energie und mein großes Ziel: endlich meine Muskulatur freilegen! Die Ergebnisse jahrelanger Arbeit sichtbar machen. Meinen Stolz nicht mehr heimlich zu hüten, sondern ihn sichtbar zu entfalten.
Gerade die Tatsache, dass es jetzt schwer ist, markiert den Übergang. Einen Übergang den ich schon so oft gemeistern und dann wieder verschludert habe.

Aber genau aus dieser Vergangenheit weiß ich auch, was ich jetzt zu tun habe. Es muss ein neuer Plan her, neue Etappenziele, damit meine Träume wieder näher kommen, meine Motivation mich wieder antreibt und ich das Tief überwinde.

Ein guter Frustmoment, der meinen Ehrgeiz anstachelt, ergab sich durch Zufall. Ich verließ am Mittwoch mit einem Kollegen die Arbeit, als ich meine Tram nur wenige Meter hinter mir auftauchen sah. Sofort sagte ich: Los, die kriegen wir! und sprintete los. Doch schon nach wenigen Metern merkte ich, dass meine Energie rapide abnahm und mein Kollege trotz gedrosselter Geschwindigkeit weit vorauszog.
Ich war rechtzeitig an der Haltestelle, doch ich fühlte mich, als wäre ich einen Marathon gelaufen und am nächsten Mogen hatte ich Muskelkater in den Beinen. 300m! Dreihundert Meter Sprint und ich japste und bekam Muskelkater…ich fühlte mich wie der

unsportlichste Mensch der Welt

Nach zwei Wochen ohne durchgezogene Diät war mir klar, dass ich nicht darauf hoffen konnte, einfach so weiter zu machen und plötzlich mit demselben Plan wieder Erfolg zu haben.

Doch was kann ich ändern?
Ich habe drei neue Abendmenüs zusammengestellt. Doch gleichzeitig sagt mir mein Herz, dass dies allein nichts ändert. Es sind nicht die Mahlzeiten, die mich stören, es ist die Menge.
Was ich brauche ist ein Ziel, das mir leuchtend vor Augen steht und für das ich erreichbare Landmarken habe. Meine schmelzenden Umfänge sind solche Landmarken und die kleinen Kühlschrankbildchen können mir helfen, diese wach zu halten.
Aber auch hier trat in den letzten Wochen…nennen wir es eine Abnutzungserscheinung ein. Je tiefer ich die neuen Bildchen hinhängte, desto weniger wirksam erschien mir jedes einzelne.
Warum also nicht einen Resett? Warum nicht heute mit Tag 1 nach dem Wendepunkt neu beginnen?
vorhernachher

Heute war ein guter Tag Eins.
Nüchtern joggte ich zum Studio, trampelte 30 Minuten auf dem Crosser und absolvierte danach ein Beintraining.
Doch heute waren meine Speicher auch voll.
Slaine hat den April zu „everyday ist a sportsday“-Monat ausgerufen. Ziel ist es, jeden Tag etwas Sport zu treiben. Joggen soll einmal die Woche wieder auf den Plan und auch das vernachlässigte Hometraining (Planks, trockene Squats und L-Flys) soll wieder aufgenommen werden, sodass man täglich wenigstens etwas Sport einbaut.
Sport ist der Eckpfeiler, der über Fortschritte oder Stillstand entscheidet. Denn mit sportlichen Erfolgen kommt der Ehrgeiz, mit der Ernährung nachzuziehen. Ohne Sport siegt immer die Bequemlichkeit.
Die Frage ist nur: Schaffe ich das? Oder hör ich weiter auf all die guten Gründe, die sagen: Mit mehr Essen wird alles besser, du brauchst jetzt mehr Essen.

Diese Frage entscheidet in den nächsten Wochen alles.
1