Ein Jahr Coaching (Vorher-Nachher-Vergleich) Blickpunkt: Training

Auch im Training hat sich in den letzten 12 Monaten viel verändert. Dabei war das zu Beginn gar nicht beabsichtigt. Marcel sollte mir hauptsächlich bei der Ernährung helfen. Bei Trainingsanleitungen und Tipps werde ich schnell knatschig.

Das liegt zum Einen daran, dass Männer generell das Bedürfnis haben, Frauen im Studio anzuleiten und zu helfen. Mir gibt das häufig das Gefühl, als unwissender Neuling wahrgenommen zu werden, den man mal fix eines Besseren belehrt. Gerade am Anfang stand dauernd irgendwo jemand glotzend rum, kam mitten im Satz angeschlendert, um mich von der Seite anzuquaken. Konzentration adé.

Und zum Anderen gehen viele davon aus, was bei ihnen gut wirkt, wirke auch bei mir so. Und so stand man dann da, versuchte etwas nachzuahmen, was sich einfach falsch anfühlte und wobei man noch im Sekundentakt Anweisungen erhielt (Schulter so, hier so, dort mehr zurück, da mehr Spannung und jetzt HOCH damit…..zum Ausrasten).

Deshalb wollte ich mir da nicht viel reinreden lassen. Mittlerweile weiß ich Marcels Tipps sehr zu schätzen und habe einiges umgestellt.

Die Änderungen im Überblick:

  • ich trainiere den Bauch (Sogar die schrägen Bauchmuskeln! Unglaublich aber wahr.)
  • ich habe viele funktionale Übungen eingebaut
  • mehr duale Übungen, bei denen ich links und rechts einzeln trainiere
  • Stretchingübungen und Übungen die meiner Skoliose entgegenwirken

Marcel hat schnell erkannt, dass mein Bauch eine große Schwachstelle ist. Große Bodybuilder machen sich meist über Situps etc. lustig, doch ich musste schweren Herzens einsehen, dass mir die Muskulatur und Stützkraft im Bauch fehlt. Inzwischen sind Bauchübungen 2x/Woche im Plan, vor und nach Trainingseinheiten. Und es hilft. Im Bauch konnte ich in kurzer Zeit eine deutliche Formverbesserung sehen und beispielweise bei Kniebeugen deutliche Kraftsteigerung und Bewegungskontrolle.

Wo immer sich Defizite in der Symetrie, Kraft oder Haltung zeigten, schleifte Marcel mich zur Functional-Trainings-Ecke. Da zehrte am Ego, doch ich muss zugeben, dass die funktionalen Übungen mit Bändern und Eigengewicht enorme Stabilität und dadurch Kraft bringen. Nachdem ich monatelang Schmerzen in der Schulter hatte, zeigte Marcel mir beispielsweise Liegestütz an den Bändern, die ich zu Beginn der Einheit als Erwärmung einband. Die Schmerzen verschwanden sofort und plötzlich hatte ich Power und Pump, wie schon ewig nicht mehr. Auch für den Rücken und Bauch bin ich nun öfter in der „peinlichen“ Ecke.

Meine Kraftwerte und Umfänge zeigen deutliche Dysbalancen. Dazu kommt nun noch eine Skoliose mit Rippenbuckel, die für ständige Verspannung und eine krumme Haltung sorgt. Um dem entgegen zu wirken, sind nun viele Übungen als duale Version in meinem Plan, sodass ich links und rechts unabhängig von einander trainiere. Dazu nutze ich Kurzhanteln, rudere zum Beispiel einarmig am Kabelzug oder nutze den Kabelzug mit zwei parallelen Bändern. Hier wird auch in Zukunft der Blickpunkt drauf liegen, weil es hier auch noch viel zu tun gibt.

Stretching habe ich früher gar nicht gemacht. Nun merke ich, dass ich älter werde. Die ersten Zipperlein und ständige Muskelverkürzungen lassen grüßen. Früher kannte ich Stretching nur aus dem Fernsehen. Inzwischen ist es fester Bestandteil meiner Trainingseinheiten und ich werde dazu übergehen, zum Feierabend immer eine kurze Runde einzubauen, sobald ich nach Hause komme. Da mir generell ein Ausstiegsritual fehlte, um auch im Kopf Feierabend zu machen, kommt die Idee gerade recht. Runterkommen und etwas für meine Haltung, Entspannung und Beweglichkeit tun. Das ist der Plan.

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Ein Jahr Coaching (Vorher-Nachher) Blickpunkt: Erfolge

Vor etwas über einem Jahr stand ich vor der Wahl entweder zu akzeptieren, dass ich den Kampf um ein Leben nach meinen Vorstellungen aufgeben muss, um nun nur noch gegen immer größer werdende Gewichtsprobleme und damit einhergehende Unzufriedenheit anzukämpfen oder noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren und in einen neuen Plan zu investieren.

Ich beschrieb meiner Krankenkasse meinen Fall (jahrelanges Jojo-Diäten und Binge-Eating) und bat um Unterstützung, um mir einen Personal Trainer leisten zu können. Die freundliche aber bestimmte Antwort war: ein Trainer wird nicht gefördert, mir wurde eine Psychotherapie empfohlen. Psychotherapie bedeutet aber für mich regelmäßige Termine, die mir helfen sollen, mich zu akzeptieren, wie ich bin.

Ich hab mich mit vielen meiner Defizite, Macken, Eigenheiten abgefunden und arrangiert. Aber das Übergewicht kann und will ich nicht akzeptieren. Das stand für mich sofort fest. Ich diskutierte ewig mit meinem Freund, stritt mit ihm. Für ihn war ein Coach Geldverschwendung. Jemand, der mir alles erzählt, was ich sowieso schon weiß und im entscheidenden Moment (des Kontrollverlustes) doch nicht da ist und dazu noch viel Geld kostet. Als er spürte, dass die Entscheidung für mich gefällt war und nur noch die Frage nach dem Trainer und Zeitpunkt offen war, ging er in die Offensive. Er schaute sich um und stellte den ersten Kontakt her. „Aber dann musst du jetzt auch zeigen, dass es keine Geldverschwendung ist.“ sagte er damals noch.

Einige Monate später war klar, dass kein Cent davon verschwendet war. Mein Freund bekam Muffensausen, als ich mich mehr und mehr veränderte. Was sich alles verändert hat, darum soll es nun gehen.

Regelmäßige Mahlzeiten in vernünftigen Portionen
Wie schon im letzten Beitrag beschrieben war das eine große Änderung. Statt zu hungern, bis man es nicht mehr aushielt und dann große Mengen in einer Mahlzeit zu essen, esse ich nun regelmäßig 4 Malzeiten pro Tag. Da Makronährstoffverteilung und Tageskalorienbilanz vom Coach vorgegeben sind, esse ich nun regelmäßig vernünftige Portionen. Dabei habe ich festgestellt, dass mit lang hinausgezögerten Mahlzeiten auch der Suchtdruck steigt. Wenn ich erst richtig Hunger spüre, ist es egal, wie viel ich anschließend esse, mein Kopf schaltet nicht mehr auf „genug, ich bin satt“ um. Fressanfälle sind die Folge. Allein dadurch ist das Leben für mich viel einfacher geworden.

Neue Ernährungsgewohnheiten
Gesunde Ernährung ist ja nicht ein klares Konzept. Unter gesunder Ernährung versteht jeder etwas anderes und jeder hat eine Meinung dazu samt eigenem Generalfeindbild. Nachdem ich als Teenager erlebt hatte, dass mein Körper nach drei Monaten mit einem Netz Zitrone pro Tag mehr schlecht als recht funktionierte, versuchte ich einigen Schaden zu „reparieren“, indem ich mich gesund ernähren wollte. Ich probierte es mit vegetarischer Ernährung, lutschte täglich 2 Vitaminbonbons mit Vitamin B12, laß Kalorientabellen und Mikronährstoffgehaltsangaben von Lebensmitteln wie Bördenmakler den Börsenbericht und musste schnell feststellen, dass sich mein Körper und Stoffwechsel gar nicht darum scherten und ich mit der puren Masse an Informationen und zu deckenden Bedarfe absolut überfordert war. Es schien mir unmöglich, all die Mikro- und Makronährstoffe zusammen zu kriegen und dabei anständige Mahlzeiten zu erhalten, ohne meine Kalorienspanne (damals waren 1000kcal für mich die reinste Völlerei) zu sprengen. Nachdem ich feststellte, dass ich mich nur noch sorgte, ohne etwas zu bewirken, gab den Gedanken, mich gesund zu ernähren, schlichtweg auf. Gesunde Ernährung wurde für mich etwas, was nur fanatisch-gestörte Leute ernsthaft versuchen, um sich anderen gegenüber besser zu fühlen. Schließlich war ich genau so jemand gewesen.

Zurück zur Gegenwart. Ich war bereit, meine Ernährung anzupassen. Mir war klar, dass es im Bodybuidling um Makros und deren Verteilung geht. Angenehm empfand ich, dass Marcel auch einige Grundregeln zur gesunden Ernährung aufstellte. Nur ein paar einfache Regeln, an die ich mich halten musste. Das war einfach. Machbar.

  • weitgehender Verzicht auf verarbeitete Lebensmittel
  • frische Grapefruit zu großen Mahlzeiten
  • täglich Zimt
  • einige Powerfoods als Empfehlung
  • Salz reduzieren
  • viel trinken, beim Training hydrogencarbonatreiches Wasser
  • täglich Obst (2 Portionen) und Gemüse (3 Portionen)
  • Milchkonsum einschränken
  • Essen schonend zubereiten

Nichts Weltbewegendes, nichts, was ich nicht umsetzen kann. Dazu gab es Vorschläge für konkrete Mahlzeiten.

Kleine Regeln, große Wirkung. Aus etwas Unschaffbaren wurde Schritt für Schritt eine bessere Ernährung, deren Wirkung ich spüre. Ich spüre inzwischen, was mir gut tut, mich sättigt und fit macht. Habe ich das Gefühl, mir fehle etwas oder irgendwas läuft nicht gut, dann suche ich nach Möglichkeiten, das über die Ernährung zu regeln. Durch mein Omni-Biotic-Experiment ist mir klar geworden, dass ich nicht monatelang teure Pülverchen schlucken will, von denen ich nach kurzer Zeit nichts mehr spüre. Sauerkraut wird in der Literatur dazu in den Himmel gelobt, also habe ich es in viele Pläne eingebaut. Und tatsächlich stellte sich eine ähnliche Wirkung ein, wie zu Beginn der Omni-Biotic-Einnahme. Gesunde Ernährung ist für mich inzwischen etwas Individuelles, was sich Schritt für Schritt entwickelt und den Bedürfnissen anpasst. Hatte ich letztes Jahr um die Zeit noch das Gefühl, gar nicht mehr gesund zu werden, hat es mich dieses Jahr bisher nur zweimal leicht erwischt.

Abnahme
Darum ging es hauptsächlich und das ist natürlich das erfreulichste Ergebnis.


Inzwischen weiß ich, dass mich zwei Tage Sünde ca. 1,5-2 Wochen Diät kosten. Eine Woche sündigen sind 1-1,5 Monate. Ich nehme nicht schnell ab. Ich nehme nur ab, wenn ich konsequent dran bleibe. Früher haben mich deshalb solche „Rückfälle“ total entmutigt und am Ende dazu geführt, dass ich das Handtuch warf. Jetzt, wo ich weiß, dass immer ein neuer Termin mit Coach kommt, ist das Handtuch zu werfen keine Option mehr. Schon eine Woche vor dem Termin steigt meine Motivation an. Auch wenn er es nicht verlangt, lege ich jedes Mal offen, was ich in den vorausgegangenen Wochen gegessen habe (Übersicht über Tageskalorien und Makronährstoffverteilung) um mir pünktlich jeden Monat mein Lob abzuholen. Kindisch? Vielleicht. Aber es funktioniert. Lob funktioniert viel besser als ewiges „sich selbst verdammen“. Für Marcels Lob reiß ich mich am Riemen und finde auch aus jedem Tief. Von den Terminen komme ich immer mit neuer Energie zurück. Bereit für den nächsten Schritt, den nächsten Meilenstein. Schon nach wenigen Monaten war für mich klar: den Weg geh ich bis zum Ende. Auch wenn es Rückschläge gibt, so geht es doch weiter, bis ich dort ankomme, wo ich hinwill.

Lebensfreude
Psychische Stabilität, Zuversicht, mein Leben selbst bestimmen (indem ich zulasse, dass andere mitbestimmen..hm, klingt ein bisschen paradox), weniger spürbare Esstörung, Spaß am Zubereiten und Essen von „gesunden“ Speisen, Spaß und Fortschritte im Training, ein stark veränderter Körperbau samt neuen Konfektionsgrößen, all das führte zu einer enormen Steigerung der gesamten Lebensfreude. Festgestellt habe ich das, als mir auffiel, dass ich Hobbies entwickel. Ich hatte immer große Erwartungen an mein Leben und der Füllung meiner Lebenszeit, musste jedoch genauso oft feststellen, dass es meine Kräfte übersteigt, dass mich mein Lebenshunger zuerst aussaugt und dann entkräftet fernab meiner Träume stranden lässt. Steile Aufwege und lange Talfahrten ohne das Ziel zu erreichen zeichneten mein Leben aus. Immer von einem Extrem ins Nächste. Vieles habe ich mit Feuereifer angefangen doch nie etwas zustande gebracht. Dilettantia nennt mich mein Freund, wenn er mich ärgern will. Umso überraschter war ich selbst, als ich bei den ersten Fehlschlägen an der Nähmaschine nicht aufgab, sondern auftrennte, korrigierte und neu nähte, bis ich etwas Tragbares erhielt. Wieder und wieder erlebte ich euphorische Vorfreude und niederschmetternde Rückschläge, doch ich gab nicht auf. Und so entstanden eine Reihe neuer Klamotten. Langsam beginne ich sogar mit leichten eigenen Variationen. Und es macht mir Freude, Fortschritte zu machen und aus vorausgegangenen Fehlern zu lernen. Genauso ergeht es mir mit dem Kochen. Das ganze Einrühren und Warten und Wenden nervt mich noch immer. Aber die Vorfreude auf die Früchte meiner Arbeit überwiegen. Und wenn ich beim nächsten Mal etwas verbessere oder etwas anders versuche und es gelingt, fühlt sich das einfach herrlich an. Ich bin viel zufriedener und damit auch selbstbewusster.

Schluss mit Jojo

2005 ~70kg

ein halbes Jahr später ~83kg

2009 ~75kg

2010 ~95kg

2011 ~77kg

2013 ~83kg

2015 77kg mit Onlinecoaching

2016 ~86kg

Natürlich könnte es auch diesmal wieder im Salto rückwärts gehen. Aber ich bin zuversichtlich, dass es nicht soweit kommt. Zu viel Gutes hat sich fest etabliert. Anfang 2018 will ich die letzten überschüssigen Pfunde schmelzen und dann geht es mit ganz leichten Plus und einzelnen Jokermahlzeiten in den Aufbau.
Intuitives Essen ohne Plan ist für mich kein Ziel mehr. Dafür bin ich einfach zu sehr essgestört. Aber ein Leben mit ausbügelbaren Buhtagen und kontinuierlicher Bodybuilding-Lebensweise das ist es, was ich will.

Marcel hat mich durch das ganze Jahr begleitet. Er hat mich ermutigt, wenn ich es brauchte, hat mich in den Hintern getreten, wenn ich faul wurde und obwohl ich anfangs nur bei der Ernährung die Begleitung wünschte, ist inzwischen viel mehr daraus geworden. Marcel hört sich geduldig mein Gejammer an (Therapeut), motiviert mich, verhilft mir zu einer gesunden Ernährung (Ernährungsberater), hilft meinen Haltungsschäden entgegen zu wirken und bei Wehwehchen Abhilfe zu schaffen (Physiotherapeut) und steht mir in Krisen bei (Krisenmanager) und natürlich hat er mittlerweile auch großen Einfluss auf mein Training gewonnen.

Dazu mehr im nächsten Beitrag. 😉

Ein Jahr Coaching (Vorher-Nachher) Blickpunkt: Ernährung

Für mich lag der Fokus dieses Projektes ganz klar bei der Ernährung. Schon beim ersten Treffen sagte ich zu Marcel:

Ich weiß, wie man abnimmt, ich schaffe das auch gut, aber ich halte es nicht durch. Was ich will, ist ein Jahr Unterstützung, um neue Gewohnheiten zu entwickeln. Das braucht Zeit, aber nur so kann ich dauerhaft schlank werden.

Ein Jahr ist rum, am Ziel bin ich noch nicht, aber eins habe ich geschafft: neue Gewohnheiten etabliert. Was anfangs unschaffbar schwer schien, fällt mir inzwischen leicht. Dazu gehört das Planen, Einkaufen und Zubereiten der Nahrung. Und ganz klar auch das Durchhalten. Hunger, Stress, schlechte Laune, Müdigkeit, Langeweile, Belohnungsbedürfnis, Unternehmung (Essen im Restaurant), Appetit, Konzentrationsschwäche…all das waren Auslöser, die meine bisherigen Abnehmversuche zum Scheitern brachten.

Alle wirken auch heute noch auf mich. Ich bin nicht geheilt von meinem gestörten Essverhalten. Essen und was dazu gehört bestimmt noch immer den Großteil meines Tages und manchmal nervt mich das. Was sich geändert hat, ist das Gefühl, das grundlegend damit verbunden ist. Früher war das: Schuld und Versagen.

  • Egal, wie gut die Diät lief, ich nahm nie durchgehend ab und sah in jeder Stagnation mein persönliches Versagen.
  • Ich wusste immer, dass ich mich nicht wirklich gesund ernähre.
  • Ein Kontrollverlust zog meist das Ende der Diät und damit den unaufhaltsamen Jojo-Effekt nach sich.
  • Ich empfand Essen gundsätzlich als etwas, was einerseits getan werden muss, mich andererseits aber zwanghaft steuert. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich diesem Zwang unterlag.

Was ich im Moment beim Essenplanen und -zubereiten empfinde: Freude

  • früher wurde ich von extremen Gelüsten getrieben, ich schob den Kollaps auf, bis es nicht mehr ging und brauchte dann sofort etwas. Langes Planen, Zubereiten und Genießen war damit unmöglich. Alle Verzöherungen eine Qual. Heute überlege ich, worauf ich mal Lust hätte oder was man eine Abwechslung sein könnte. Dann suche ich dazu Rezepte heraus. Diese Rezepte pflege ich später in Tagespläne ein, sodass oft nicht nur eine leckere Mahlzeit pro Tag geplant ist, sondern 2-3.
  • Da die Pläne in ein Makronährstoff-Schema passen müssen, muss ich kein schlechtes Gewissen haben. Alles ist erlaubt, if it fits my makros.
  • Durch die strenge Kontinuität bemerke ich nun viel stärker Veränderungen. Völlegefühl, Magendruck, Verdauungsprobleme, Erschöpfung oder bleierne Verdauungsmüdigkeit waren früher alltäglich…mein Normalzustand. Heute merke ich Veränderungen, spüre, wie einzelne Komponenten eine direkte Wirkung aufm ich haben. Der Aspekt der gesunden Ernährung ist damit wesentlich spürbarer und umsetzbarer als früher. Ich spüre, dass Sauerkraut mir gut tut? Dann baue ich es öfter ein. Ich merke, dass Zucker, auch Fruchtzucker, in mir unkontrolloierbare Gelüste erzeugt? Gut, dann gibt es das nur in Maßen. Früher war „gesunder Ernährung“ für mich ein unüberschaubares Konglomerat aus mütterlichen Ansichten, ernährungswissenschaftlichen Theorien und widerlichen Rezepten. Hier hat sich ein riesen Wandel vollzogen.
  • Der Kontrollverlust durch übermächtige Gelüste ist stark zurückgegangen. Ich bin nicht „geheilt“, nicht „immun“, aber ich habe mich daran gewöhnt, dass ich mir durch die Ernährung ein gutes Grundgefühl erschaffen kann. Und das wiegt schwerer als der kurzfristige Rausch der Kontrollosigkeit mit anschließendem „Schuld-Druck-Kater“. Wenn ich spüre, dass ich mal wieder eine Auszeit brauche, dann kann ich mir die inzwischen gönnen. Gerne auch in Gesellschaft. Habe ich mich früher mit meinen Es(s)kapaden immer verborgen und versteckt, zeige ich nun gern, dass die immer disziplinierte, schlanke Kollegin auch gern mal zwei Teller voll wegmampft und anschließend noch zweimal Nachschlag verdrücken kann.  Der Mythos von Menschen, die immer essen können und trotzdem schlank bleiben? Endlich steh ich mal auf der anderen Seite. ^^ Früher war es nur Schuld und Versagen, heute sehe ich es eher als Auftanken, um dann mit Vollgas wieder durchzustarten. Es ist nicht schön, nicht normal, aber es ist okay.
  • Portionen: Durch die Vorgabe von 4 Mahlzeiten ist klar, dass ich nicht 75% meiner Kalorien zum Abendbrot essen kann. Ganz automatisch führt diese Vorgabe dazu, dass ich kleinere Portionen esse. Es dauerte seine Zeit, aber inzwischen hat sich mein Körper daran gewöhnt, dass es immer nochmal etwas gibt. Und das dankt er mir. Selbst als ich letztens auf 1600kcal runter ging, schlief der Stoffwechsel nicht ein. Früher hat mein Körper dann instiktiv die Notbremse gezogen: bleierne Müdigkeit, immenses Schlafbedürfnis, kalte, blau-rote Hände und Beine, Schüttelfrost nach Mahlzeiten, inneres Frieren (nichts kann einen erwärmen) waren die Folge. Ich friere inzwischen schneller, was wohl eher an der fehlenden „Isolierschicht“ liegt, aber keines der anderen Symptome trat auf. Der Stoffwechsel läuft, der Körper spielt mit.
  • Spaß am Experimentieren und Zusammenstellen neuer Mahlzeiten und Pläne. Das habe ich nicht erwartet. Ich war immer zu ungeduldig fürs Kochen, es langweilte mich einfach und die Ergebnisse fand ich immer unbefriedigend. Jetzt empfinde ich geradezu Euphorie, wenn ich ein neues Rezept entdecke und kann es kaum erwarten, einen Plan daraus zu schmieden und es zum ersten Mal auszuprobieren. Wenn sich dann noch herausstellt, dass es schmeckt….Leute, ich sag ich, früher kannte ich Genuss nur als Schlingen. Inzwischen kenne ich auch das „innehalten und hoffen, dass es noch kurz anhält“-Gefühl. Für mich das größte Wunder. 🙂

Inzwischen versuche ich mich schon an eigenen Rezepten! Heute meine ersten „Kekse“:

  • 15g Xucker
  • 10g Tigernussmehl (Erdmantelmehl)
  • 125 Magerquark
  • 20g Haferkleie
  • geriebene Zitronenschale
  • frisch geriebene Tonkabohne
  • Buttercake-Flavor
  • Zimt
  • bei 180°C (Ober- & Unterhitze) 20′ backen

Sie sehen nicht so super aus, aber sie waren echt lecker. 🙂

Wenn man Freund versucht sich gesund zu ernähren, kommt in Etwa sowas dabei heraus (Tipp: unbedingt zuende schauen;)!

40 Wochen Diät…und kein Ende in Sicht.

Am Montag saß ich mit meinem Coach auf der Bank. Die Tage davor plagte mich der Hunger heftig und im Training fühlte ich mich wie ausgesaugt…keine Kraft, keine Ausdauer. Bei jeder Wiederholung dachte ich: Ich will nicht mehr! Sie letzten Sätze schenkte ich mir ganz.

Und so kam es, dass ich ihm zum ersten Mal Bilder vom aktuellen Stand zeigte und die Frage nachschob: Wie lange noch? Wie viele Wochen muss ich noch hungern?

Vor dem Gespräch hatten sich 4-6 Wochen in meinem Kopf festgesetzt. In der Zeit könnte ich es knapp unter 70 kg schaffen. Ich stellte schon erste Überlegungen an, wie es danach weiter gehen könnte. Morgens täglich mindestens 20 g Kleie, samstags ein Cheatmeal, täglich mindestens 2000 kcal….Ich konnte es mir richtig gut vorstellen. Ich wollte nicht mehr..keinen Hunger mehr, nicht mehr das Gefühl, mein Körper verzehre sich selbst, bessere Leistung im Training, Brustmuskelaufbau statt jede Woche weniger. Vier Wochen sind überschaubar, so lange könnte ich es vielleicht noch aushalten. Also stellte ich die Frage und schaute ihm ins Gesicht.

Er weicht meinem Laserblick aus, zieht kurz die Schultern hoch und sagt: „Natürlich ist dein Wunsch hier maßgeblich. Ich würde dich gern unter 70 kg sehen, das sollten wir schon schaffen. Aber ich glaube, mit 65 kg sähest du perfekt aus.“

Ohhhh…dieser geschickte Teufel!!!

 

„Was denkst du…schaffst du es noch bis….sagen wir Weihnachten?“

Ich möchte sagen: „Nein!“
Ich möchte sagen: „Ich will was anderes hören!“
Aber innerlich spürte ich, wie eine Zahl sich durch meinen Verstand frisst, durch allen Widerstand hindurch und irgendwo in den Tiefen meines Restfettgewebes einrastet: 65kg.

„65 kg, das habe ich nicht mehr gewogen, seit ich 11 war.“, sage ich und vergesse dabei vollkommen meine Magersucht mit 16. Trotzdem ist 65 kg eine Zahl, die für mich so unvorstellbar ist wie eine live beobachtete Supernova. 65 und das Prädikat „perfekt“…die Zahnräder setzten sich in Bewegung.
„Weihnachten, da ist ja fast Silvester. Zu Silvester bin ich eh immer top motiviert, da geht immer etwas Neues los.“ Und damit war es besiegelt….Erstmal bis Weihnachten durchalten…und dann den Rest zur 65. Der Plan steht. Marcel weiß es vielleicht nicht, aber seine Antwort war ein Geniestreich der Rhetorik. Der Sack hat mich locker über meine Grenze geschubst. Eine Grenze die für mich schon fast eine unüberwindliche Mauer war.

Studio ist derzeit frustrierend. Überall fehlt die Kraft, die Ausdauer, es ist kalt, oft voll und ich bin ständig enttäuscht von mir. Aber das ist alles egal. Ich habe wieder ein klares Ziel vor Augen und da zählt vor allem, dass ich hingeh und ein paar Extrakalorien verbrenne.
Leistung, Müdigkeit, Wartezeit, das alles wird zur Nebensache. Durchziehen…

Und nicht immer von der Nähmaschine ablenken lassen. Die Gute wird für mich langsam zur Besessenheit. Diese Woche war Slaine beruflich unterwegs und ich war wie im Wahn. Konnte nachts nicht schlafen, konnte es tagsüber nicht erwarten, endlich wieder das nunmehr vertraute Surren zu hören. Alles andere wurde zur nervigen Unterbrechung. Ich vergaß zu essen, ging viel zu spät ins Bett und bin inzwischen so überdreht, dass ich ständig alles verpeile. Dauernd finde ich Sachen, wo sie nicht hingehören oder renne dreimal los, um etwas zu holen. Beim Kreuzheben habe ich heute links eine 15 kg-Scheibe vergessen. O_o
Nachdem ich heute den Stoff für eine Hose zuschnitt um am Ende festzustellen, dass der Fadenlauf genau anders herum gehört, habe ich mir selber eine Pause verordnet.

Das wird schwer…eine Hose und ein Shirt müssen nur noch genäht werden und ich habe noch Stoff für weitere Sachen übrig! *zitter*
Aber es nützt ja alles nichts. Lieber erfreue ich mich erstmal an den Sachen, die ich schon geschafft habe und gehe dann mit frischer Konzentration an den Rest. Der Plan für nächste Woche: viermal ins Studio!

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38. Woche der Diät

September…die ersten kühlen Tage. Der Sommer ist fast vorbei. Mitte Dezember habe ich meine Diät bzw. den neuen „Lifestyle“ gestartet. Im Januar habe ich mir zur Ermutigung einen Zettel geschrieben, auf dem ich die Monate notierte. Daneben notierte ich Zahlen…jeden Monat 2 weniger…2kg weniger. Ich wollte mir vor Augen halten, wo ich dieses Jahr hinkommen kann, wenn ich durchhalte.

Auf diesem Zettel steht bei September: 68kg. Bei Oktober steht: halten & Aufbau planen.

Gewicht heute morgen: 72,8kg. Das Schwerste ist geschafft, doch bis zum Umkehrpunkt ist es noch ein Stück. „5 kg müssen noch runter, aber dann musst du aufhören“, sagte letztens ein Trainer im Studio.

Mein Blick zum Kommentar des Trainers.


Die Zahl hat mich total geknickt. 5kg sind bei 1kg/m mal eben 5 weitere Monate. Der Gedanke an eine so lange Zeit kann mich instant zur Verzweiflung treiben. Ich sollte ihn wieder in den Hinterkopf verbannen. Der Coach sagt: „Du kommst jetzt sowieso in einen Bereich, wo die Waage weniger zu melden hat.“

Der Gute. Ich habe die Entscheidung, diesen Coach zu engagieren nie bereut. Im Gegenteil. Seit Mitte Dezember bin ich mir sicher, mein Ziel erreichen zu können und vor allem: Dabei nicht allein zu sein mit meinen bescheuerten, irrationalen Gedanken und Ängsten. Marcel hilft mir nicht nur, einen Ernährungsplan durchzuziehen. Er hat mich dazu gebracht, mich gesünder zu ernähren, meine Ausführungen verbessert, den Trainingsplan mit neuen Übungen bereichert und als ich beim letzten Mal mit ganz verkrampftem Rücken ankam, hat er erst ordentlich auf die schlimmsten Triggerpunkte gedrückt, mir dann Stretching-Übungen gezeigt und mir anschließend noch einen kleinen harten Ball empfohlen, um mir selbst die verklebte Muskulatur zu „zerdrücken“. Er hört sich jeden Monat geduldig mein Gejammer und den ganzen Stuss an, der mir durch den Kopf geht. Psychotherapeut, Ernährungsberater, Trainingsanimateur, Physiotherapeut und Bodybuilding-Experte in einem. Unbezahlbar!
Mit 80kg in den Händen bin ich von einer trainierten Frau kaum noch zu unterscheiden!

Wann immer ich meine Stretching-Routine beginnen möchte…

…muss ich erst mit diesem Boss fertig werden.

Inzwischen ist es auch etwas über zwei Wochen her, dass ich die Darm-Bakterien täglich einnehme. Um schon große Rückschlüsse zu ziehen, ist es noch zu früh. Festzustellen ist, dass ich seither entspannter bin und voller guter Laune. Ich weiß nicht, ob es nur an den Bakterien oder ob mein „neues“ Aussehen da mit hinein spielt oder der Umstand, dass ich mich gegenüber meiner Familie mehr abgrenze und der Einfluss so geringer auf mich wirkt. Jedenfalls ist es für mich als alte neurotisch veranlagte Stressbirne eine große Veränderung. In den letzten Jahren ist mir einfach fast alles, was unter Freizeit zählt, zu anstrengend gewesen. Ich fühlte mich einfach dauerhaft ausgelaugt und konnte mich zu kaum mehr durchringen, als im Bett ein Buch zu lesen. Hobbys? Fehlanzeige.

Ich konnte mich schon immer für Dinge begeistern…theoretisch. Aber praktisch umsetzen? Dazu fehlte einfach die Energie. Und nun nähe ich plötzlich. Sitze stundenlang im Nebenzimmer, klebe Schnittmuster zusammen, schneide, nähe (und trenne die Naht gleich wieder auf und nähe neu und trenne wieder). Ich vergesse zu essen, zu trinken, vergesse die Zeit und wenn etwas fertig ist, scheint mir die Supernova aus dem Arsch.

Meine neueste Anschaffung: Ein Rollschneider-Set.

Letzte Woche dachte ich noch: Abwarten, wenn ich erst wieder vor meinen Teilnehmern stehe, wird die Energie wieder weg sein. Ist aber nicht so. Im Gegenteil, ich konnte locker mit allem umgehen und meine gute Laune übertrug sich auf die Teilnehmer. Selbst Schwierigkeiten konnte ich mit voller Nervenstärke meistern, Streit schlichten, klare Ansagen machen und somit souverän für Ordnung sorgen. Und dabei fühlte ich mich ganz bei mir selbst. Etwas aufgedreht vielleicht, aber stabil!

Fühlt sich an wie….

Ich habe auch mehr Hunger als sonst…ich fühle mich den ganzen Tag hungrig. Aber ich habe weniger Heißhunger, diese alle übertönenden Gelüste, die mich irgendwann in die Knie zwingen, die hatte ich in den letzten 2 Wochen gar nicht. Appetit ja, quälender Heißhunger: nein. Liegt es an den Darmbakterien oder daran, dass ich einfach erfüller und glücklicher bin? Wer weiß.

Jedenfalls ist das Nähen meine neue Leidenschaft. Ich kann noch immer kaum glauben, dass ich trotz meiner totalen Unfähigkeit, links und rechts auseinander zu halten oder abstrakte Schnittmuster im räumlichen Zusammenhang zu einen Kleidungsstück zu denken echte Kleidungsstücke zustande bringe, die ich auch tragen kann. Für mich ein echtes Wunder!

Seit gestern meine neue Hose:

Slaines Trainingsshirt ist auch fertig. Alles schrecklich dilettantisch, aber ich habe viel dazu gelernt.

In zwei Wochen kann ich abschätzen, ob die Veränderungen nur Zufall sind, oder ob ich vielleicht doch auf dauerhafte Veränderungen hoffen kann. Dann gibt es Teil 2 von „Kacke zum Trinken“. 😉

Eine verspaggte Woche

Slaine hat Urlaub und so gabs diese Woche etwas mehr Action, aber auch einige Sünden zu umgehen. Heute war nun das Strandfiguraktion-Update fällig und ich bin richtig stolz: 2kg sind weg und einige cm!

Wir haben uns diese Woche mal so ein umgebautes McFit in der Innenstadt angeschaut. Die haben tolle Kurzhanteln! Nicht so klapprig lockere aus Metallscheiben. Schön gummierte Klötze waren da, mit regelmäßigen 2kg-Stufen. Herrlich, man muss nur aufpassen, dass man sie nicht in der Endposition zusammenschlägt, da federn die nämlich prima auseinander.

Und so stand ich da vor der Qual der Wahl. Erste Übung Schrägbankdrücken, mitten im unbekannten Studio, da fühlt man sich auch gleich gestalkt. 20kg? 22kg? Aber ich durfte eh nicht entscheiden…Slaine wollte gern mit mir angeben und schon rollten mir zweimal 24kg vor die Füße. O_o Ich dachte nur: never!
Auf den Knien hingen die wie zwei Eimer Zement. Mit etwas Panik stupste ich sie hoch…und da hingen sie dann. Nix passierte, bis Slaine von unten mitschob. Doch kaum war die Ausgangsposition geschafft, kamen noch drei schöne Wiederholungen und ich dachte nur: Woooow, POWER! 😀
Anschließend spielten wir noch wild mit allen möglichen unbekannten Geräten. Eine Brustmaschine hat es mir besonders angetan. Man greift oben zwei Stangen und beschreibt dann einen Halbkreis, als ob man einen Eisenring neu biegen würde. Das gab einen Mörderpump! Über die Slackline musste ich mich natürlich im Kamikazestyle stürzen. Und dieses Ding hier wollte einfach bespackt werden:
1

2

Im Leipziger Zoo hat eine neue große Außenanlage eröffnet, in der zukünftig Nashörner, Geparden und Husarenaffen als WG zusammenleben sollen. Bisher haben allerdings nur ein paar Thomson-Gazellen einen Abstecher zum Nashorn gewagt, sind beim Anblick des Hornes aber schnell wieder geflüchtet. Geparden und Husarenaffen leben sich erstmal in den Innengehegen ein, bevor sie draußen das Territorium erobern. Die Anlage selbst ist wirklich wunderschön angelegt. Als Besucher bekommt man rundherum Einblicke, allerdings ist das den Nashörnern im Moment noch ungeheuer, sie müssen sich an die Nähe der Besucher und deren erhobene Position noch gewöhnen. Mit eigenen Augen konnte ich sie noch nicht erblicken, aber im Fernsehen sieht man zweimal das Nashorn Nandi im Aggromodus, wie es die Begrenzungen auseinandernimmt, als wären es nur Stöckchen und Kiesel. Dabei sind es Baumstämme und Felsen.
Dafür waren die Orang-Utans umso kontaktfreudiger. Die nutzten einen grasbewachsenen Abhang als Rutsche und schlugen Purzelbäume. Man hätte stundenlang zusehen können.

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Zu einer Familienfeier ging es auch noch. Dabei hatte ich endlich mal wieder Gelegenheit mit meinen Neffen und Nichten ausgiebig zu schwatzen. Weil das Buffet sooo lecker war, habe ich mir ordentlich den Bauch vollgeschlagen. Pulles Pork und Bio-Rindfleisch aus dem Smoker…ein Traum! Es zerging auf der Zunge. Klöße, Curled Pommes, Lachs auf Spinat. Und natürlich ein Riesenbuffet mit Torten, Kuchen, Tiramisu…ich hab zwischendrin kaum Luft bekommen und musste weite Spaziergänge einlegen. Da musste ich natürlich begleitet werden und so enstanden wunderbare Gespräche, über die ich noch lange nachdachte.
Geschlafen habe ich bei einer Schwester…zumindest die paar Stunden, die von der Nacht übrig waren. Denn auch einer meiner Neffen wollte gern mal wieder richtig mit mir Schwatzen und lud mich auf ein Lagerfeuer ein. Das war schwer in Gang zu bringen, weil die Luft feucht und schwer war, das Holz recht nass. Als er, nur vom Mondlicht beschienen, die Axt schwang, wurde mir ganz anders. Aber alles ging gut, die Finger sind noch dran und mit viel Fächerei wurde es schließlich ein schönes, warmes Feuerchen mit wirklich tiefgreifenden Gesprächen. Unglaublich, wie gut sowas tut.

Nur ein Wermutstropfen dämpfte meine Stimmung. Vor ca. 14 Jahren verließ ich meine Heimat, um in der Fremde mein Glück zu machen. Zurück ließ ich bei meinen Eltern auf dem Dachboden ein paar Kartons. Nun hatte sich meine Mutter in den Kopf gesetzt, den Dachboden zu entrümpeln und mir meine „Schätze“ zu überreichen. 14 Jahre lag das Zeug also rum, ohne, dass ichs vermisst hätte. Und nun sollte ich es..tja…wie eigentlich wegkriegen und was damit tun? Die Wohnung hier ist so schon vollgestopft, da passt nichts rein. Der Keller ist so feucht und muffig, da kann ichs auch gleich wegwerfen. Und wie soll ich das überhaupt hierher kriegen? Auf den Buckel schnallen? Ich will ehrlich sein, ich war genervt und wütend. Jedem anderen Menschen hätte ich gesagt: Wirfs in den Müll. Aber das geht bei meiner Mutter nicht. Je näher die Feier rückte und je öfter Muttern anrief, um mich an die Kisten zu erinnern, desto wütender wurde ich. Die letzte Nacht lag ich wach und schimpfte vor mich hin. Hätte ich geahnt, wie gut sich alles wendet, hätte ich ganz entspannt sein können.
Zur Feier nahm mich eine Schwester mit. Hach, ich sags euch. Ich fand eine Großfamilie immer furchtbar. Aber jetzt, wo ich älter werde, wird es richtig schön. 🙂 Und so erzählte ich ihr von den Kartons und schärfte ihr ein: Du hast keinen Platz im Auto, lass dir von Mutter ja nichts aufschwatzen.
Ach weißt du, sagte meine Schwester, im Alter wollen Menschen ihre Sachen regeln und keine Lasten für die Nachgeneration hinterlassen. Wahrscheinlich ist sie deswegen so versessen drauf. Was ist da drin? Eine Küchenmaschine, eine Bettdecke und ein Kissen? Ach, das kann ich gerade gut gebrauchen. Meine Küchenmaschine ist eben kaputt gegangen, ich hätte mir einen neue gekauft. Lass uns die Sachen mal durchsehen.“
Und als wir sie durchsuchten fand ich tatsächlich alte Schätze, bei denen ich mich freute, nicht alles einfach weggeworfen zu haben.

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Mein uraltes Handy, die Knöpfe wurden teilweise von meinem ausgebüchsten Chinchilla weggeknabbert. Und meine alte Star Trek-Ambanduhr….vom Taschengeld mühsam abgespart. War ich damals stolz! Dazu noch alter Schmuck.
Meine Schwester fand auch einiges und dann sagte sie: Ach weißt du, einen Karton Müll krieg ich weg, den bring ich bei mir zum Sperrmüll und dann ist das Thema erledigt. Und so packten wir die Reste in eine Kiste und das, was sich in mir zu einer unbewältigbaren Aufgabe aufgetürmt hatte, verpuffte im Nichts.

Und wo wir schon bei der Familie sind…auf dem Heimweg stattete ich einer weiteren Schwester einen Besuch ab. Diese führt eine Apotheke und hatte mir zum Geburtstag eine Hautanalyse inklusive individueller Hautcreme geschenkt. Da ich nach dem Duschen schuppig-trockene Wangen habe, von Cremes aber instant Pickel kriege, war ich gespannt wie ein Flitzebogen.
Apotheken such ich bisher nur für Medikamente auf…also höchst selten. Ich hatte keine Ahnung, dass man dort auch medizinisch verträgliche und hochwertige Kosmektia bekommen kann.
Also saß ich nun im Untersuchungszimmer, die Haut roch durchdringend nach Lagerfeuer. Meine Schwester drückte mir verschiedenste Sonden an Stirn, Wangen und Kinn. „Die hier saugt Luft an und untersucht die Elastitzität…die misst die Feuchtigkeit..die den Fettgehalt. Jetzt kommt etwas Interessantes, wir schauen und mal deine Poren an. Und PENG kommt nach all den Balkendiagrammen ohne Vorwarnung ein Foto vein meiner Haut…vergrößert! Eine Mondlandschaft! Da, das Meer der Triefigkeit…wir haben Talkvorkommen entdeckt, es gibt massenweise Talkablagerung auf dem Mond!
Es war ein echter Schocker…Bilder, die man nie vergisst. Und dann schauen wir mal nach den Falten…wuäh! Und nach Hautrötungen..uiuiui. Ich sag mein Gesicht mit ganz neuen Augen.
Und es zeigte sich ganz klar, warum meine Wangen schuppen, mein Kinn aber verpickelt.
„Typische T-Zone“, sagt meine Schwester und ich schau wie die Kuh wenns blitzt. Dann erklärt sie: Du durchschnittlich stark Fett auf Stirn, Nase und am Kinn. Aber auf den Wangen hast du beinah null Prozent.
Du hast Poren, aber die sind frei. So muss das bleiben. Bei Cremes musst du darauf achten, dass sie nicht porfhfjfrwrh [Fachwort, sofort vergessen] wirken, das heißt nicht verstopfend.
Jetzt machen wir erstmal eine Gesichtsreinigung. Hier hast du gute Reinigungsmilch, die nehm ich auch immer. Ich geb dir eine Packung davon mit. Nutzt du Intimseife? Ich geb dir davon auch mal eine zum Probieren mit. Hast du die Milch einmassiert? Dann kannst du sie jetzt abwaschen, das Handtuch ist für dich, das gehört dazu. Dann mix ich dir jetzt mal deine individuelle Creme an. Aber hier, die Quittencreme ist auch sehr gut, die kannst du mal probieren. Vielleicht ist die auch gut für dich.
Bei deiner Haut würde auch dies hier und diese gut passen, ich pack dir ein paar Proben ein.
Und schau mal hier, das ist nah am Verfallsdatum. Wenn du da was brauchst, packs dir ein. Und so verließ ich meine Schwester schließlich mit zwei randvollen Tüten.
Und was soll ich sagen: Es ward kein Pickel mehr gesehn!
Beim Duschen nutz ich nun die Reinigungsmilch. Nach dem Duschen kommt auf die Wangen die Quittencreme von Dr. Hauschka. Damit werden meine Wangen gang glänzend geschmeidig. Für den Rest verwende ich die individuelle Creme. Endlich habe ich nicht mehr das Gefühl, zu vertrocknen, sondern kann wieder ganz entspannt Grimassen schneiden. Hier sind nur einige der Artikel, mit denen ich vergnügt von dannen zog.
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Das Leben ist schön, das Leben ist schön! ^^

rasselnde Ketten

Ohne große Ankündigung hingen gestern plötzlich an einer Flachbank zwei Ketten an der Stange. Nanu, dachten wir im ersten Moment.
Als der Trainer meinte, eine dieser Ketten wiege ca. 20kg, dachte ich schon: Pustekuchen, daran brauchst du erstmal nicht zu denken. Schließlich wiegt die Stange allein 20kg, dazu ca. 40 kg Ketten, das wird nix.

Auf dem Heimweg redeten wir dann darüber. Sonst kündigt McFit immer alles großartig auf Facebook an, so kam auch eine Meldung über die neuen Waagen, die zeitgleich eingetroffen sind. Aber kein Wort über die Ketten.
Ketten sind hardcore, meint mein Freund, die haben so ein brachiales Image.
Hm, meine ich, aber man sieht in letzter Zeit öfters Fotos von Frauen, die Dips mit Kette um den Hals ausführen, oder zumindest sexy in der Ausgangsposition hängen. Und für Hardcoretraining ist es schwer, das Gewicht der Kette einzuschätzen, schließlich liegt beim Bankdrücken die halbe Kette am Boden. Also könnte an das Image zu beiden Seiten auslegen: Ketten für die ganz harten Kerle, oder Ketten für sexy Fitnessmenschen.

Ketten werden manchmal gern genutzt, weil man die als zusätzliche Gewichte um den Hals hängen kann. Beim Bankdrücken allerdings ist das nicht zu empfehlen. ;D Da werden die Ketten an der Stange befestigt und hängen bis auf den Boden runter. Sinn des ganzen ist, eine steigende Last zu haben. Beim Bankdrücken arbeitet der Muskel vor allem in der unteren Bewegung, die ersten Zentimeter sind viel schwerer, als die letzten. Grund dafür ist dass die letzten Zentimeter vor allem durch den Trizeps bewältigt werden, der, einem Klappmesser ähnlich, den Arm streckt. Komplett durchgestreckt kann man sich sogar ein kleines Päuschen gönnen, weil das Gewicht auf den Knochen und Gelenken ruht und nur leicht stabilisiert werden muss. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache, denn wir wollen nicht ruhen und unsere Gelenke verschleißen, wir wollen Muskelspannung in der Brust.
Hier kommen die Ketten ins Spiel. Je weiter unten die Stange sich befindet, desto mehr Kette liegt auf dem Boden, die Last wird weniger.
Bewegt sich die Stange nach oben, wird auch die Kette Glied für Glied angehoben, die Last wird schwerer. Statt mit den ersten Zentimetern zu kämpfen und sich danach auszuruhen, hat man über den vollen Bewegungsablauf eine steigende, bzw. fallende Last.

Als mein Freund meinte, es fühle sich nicht so schwer an, er schätze das reine Gewicht von Stange und den beiden Ketten auf ca. 35kg, war klar, dass ich das probieren musste.
Zack, schon lag ich drunter und bereitete mich innerlich auf einen Schock vor. Das sorgte dafür, dass ich top konzentriert und wie ein Flitzebogen gespannt war. Fokus, Atmung, Muskelspannung, alles war auf Maximum.
Die Wiederholungen kamen sahnig, aber durch die größere Last im oberen Bewegungsradius blieb ich permanent angespannt und konzentriert. Auch erfordert das „Abwickeln der Kette“ etwas mehr Balancierleistung. Schnell bekommt man zu spüren, wenn man einseitig drückt, also eine Seite der Stange tiefer hängt, als die andere, weil das Gewicht dann ungleichmäßig verteilt ist.
Nach meinem Gefühl habe ich heute mit den Ketten konzentrierter und konstanter gedrückt als sonst.

Die Leistung in der zweiten Übung bestätigte das. Obwohl ich vom reinen Arbeitsgewicht beim Flachbankdrücken nicht mehr gedrückt habe, als sonst, brach meine Leistung in der zweiten Übung, dem Schrägbankdrücken mit Kurzhanteln, schnell ein. Ich bekam mein normales Arbeitsgewicht kaum allein umgesetzt und herausgedrückt, musste auf kleinere Hanteln wechseln und selbst dieses Gewicht konnte ich kaum beherrschen. Brust und Trizeps waren wesentlich stärker vorermüdet und getroffen als sonst.

Fazit: Wer sich stark am reinen Arbeitsgewicht orientiert, für den sind Ketten nichts. Wer aber den Fokus vor allem auf ungewohnte Belastungen und Muskelgefühl legt, der wird mit den Ketten viel Freude haben. Eine schöne Abwechslung sind sie allerdings für jedermann.