Auf Messers Schneide

Die kleine Curry wurde gestern sterilisiert. Eigentlich wollte ich ihr so einen Eingriff erspraren, schließlich sind unsere Jungs beide kastriert, aber der Tierarzt riet dazu, da sonst die Gefahr der Zystenbildung und Gebärmutterveränderungen hoch wäre und die dauernde Rolligkeit wohl auch ziemlich nervtötend ist.

Also ging es gestern früh zum Tierarzt und gegen 16 Uhr holte ich die noch völlig weggetretene Curry wieder ab. Man solle sie in einen dämmrigen, ruhigen Raum legen, da die noch sehr empfindlich auf Licht und Geräusche reagiere. Ich legte sie also im Transportkorb hin und deckte diesen von drei Seiten ab, sodass nur wenig Licht hinein fiel. Mein Freund hörte irgendwann ein Würgen, wir machten sie sauber und legten sie wieder hin. Sie wuselte ab und zu in eine andere Position, aber sonst schien alles okay.

Plötzlich überkam mich ein unruiges Gefühl, ohne Grund stand ich auf, öffnete die Tür und fühlte in die Box. Curry fühlte sich kühl an und irgendwie zu fest. Ich habe in meinem Leben genug tote Haustiere berührt, um sofort zu wissen, dass hier etwas nicht stimmt. Ich nahm den Deckel ab, Currys Kopf lag eingerollt vor ihrer Brust, mit Maul und Nase im Handtuch. Keine Atembewegung, keine Reaktion. Mein Freund rüttelte sie ein bisschen, ich nahm ihren Kopf und blies etwas Luft und Maul und Nase. Mein Kopf sagte die ganze Zeit nur: Jetzt ist sie tot. Sie ist tot.

Und dann sah ich eine Bewegung im Fell, mein Freund legte sie ab und lauschte…Curry atmete wieder. Wie lang war sie ohne Sauerstoff gewesen? Sie war noch so betäubt, dass sie die Augen nicht richtig öffnen konnte, das Nickhäutchen blieb immer halb vorm Auge. Auf Geräusche sprach sie gar nicht an. Ich stellte das offene Körbchen vor mich und beobachtete sie den ganzen Abend.

Irgendwann wurde es besser, sie unternahm den ersten Spaziergang zum Katzenklo und begann die Ohren nach Geräuschen zu drehen, sie kratzte an der Küchentüre. Also konnte sie offensichtlich hören, sehen und sich erinnern.

Heute hüpft sie schon wieder herum, als wäre nichts geschehen, obwohl sie eigentlich gar nicht hüpfen dürfte. Und die ruft nach mir, ohne etwas bestimmtes zu verlangen. Einfach nur ihre typischen „Mama, ich rede mit dir!“-Unterhaltungen.

Und ich bin einfach nur so froh, dass alles ist, wie es war. Manchmal müssen Dinge einfach nur so bleiben, wie sie sind, um gut zu sein.

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