Wenn man scheitert, so musste ich feststellen, hat man nicht nur selbst ein Problem. Alle anderen scheinen auch eins damit zu haben. Sobald ich „Abbruch“ bzw „abbrechen“ erwähne, werden Sehklappen aufgerissen, Kinnladen sacken herab und dann spult sich das immer gleiche Gespräch ab:

Hast du dir das überlegt?
Aber ohne Abschluss! Mach doch wenigstens fertig, dann kannst du dich ja neu entscheiden.
Und das Geld?
Du bist doch so weit gekommen.
Du hast doch so viel dafür ausgegeben.
Du warst doch so glücklich damit.
Und deine Zukunft? (Zukunft?! ZUKUNFT!)
Die paar Monate…

Dann scheint der Fußboden seitlich etwas ungeheuer Faszinierendes an sich zu haben. Nach solchen Gesprächen fühlt man sich, als hätte man beim Klötzchenstapeln zu den Kugeln gegriffen.

Und wenn man es mit Lehrern zu tun hat, folgt dann:

Ja, im Lehrerberuf muss man belastbar sein.

Übersetzt heißt das soviel wie: Ist es dir zu viel, bist du zu schwach.
Belastungsgrenzen? Gibts für Lehrer nicht. Lehrer sind nicht überbelastet, Lehrer trinken Schnaps.
Und überhaupt haben es andere Lehrer immer schwerer und schaffen es doch auch! Manche halten sich sogar eigene Kinder!

Und dann frage ich mich, wie belastbar man genau sein muss.
Zugegeben, beim Bankdrücken hatte ich letzens schon Mühe mit den 50kg….Brust- und Armmuskulatur liegen damit deutlich unter ihren früheren Belastungsgrenzen.
Dafür bin ich während des Refs jeden Freitag mit gefühlten 50kg Büchern im Rucksack 15 Minuten zum Bahnhof gejoggt…meine Beinmuskulatur und die Ausdauerbelastbarkeit müsste also über früheren Werten liegen.
Die ganzen Auseinandersetzungen im Ref. haben mich unheimlich Kraft gekostet. Einerseits war es entlastend, nicht alles einfach still hinzunehmen, sondern sich zur Wehr zu setzen, andererseits belastet es, dass man immer nur eine Schlacht gewinnt, aber nie den Krieg.
Heißt „belastbar sein“ also der „ich erdulde alles und zucke innerlich nur noch mit den Schultern“-Einstellung zu folgen? Heißt es, sich von persönlichen Empfindungen zu leeren und nur noch stoische Maske zu sein?

„Wenn Sie sich für Belastungen entscheiden, darf ihr Umfeld davon aber nichts mitbekommen.“

, forderten meine Mentoren. Aha, also Klappe halten und durch. Keine Miene verziehen und wie Brian am Kreuz noch fröhlich ein „Always look on the bright side of life…“ trällern.

Wer mit sozialem Ballast wie Familie, Freunde, Katzen oder (Gott behüte!) einem Privatleben ins Ref startet, muss sich schon Prioritäten setzen. Belastbar sein heißt auch, keine Resourcen an so fakultative Kinkerlitzchen zu verschwenden.

Und dann die ganzen albernen Studenten, die an ihrem Wohnort bleiben wollen! Ha, denen wird man schnell beibringen, was FLEXIBILITÄT bedeutet. Für so einen Traumjob muss man schon bereit sein, auch mal sein langweiliges, altes Leben hinter sich zu lassen.

Belastbar sein heißt auch, sich mit 0,45349753 Stunden Freizeit pro Tag zu begnügen. Das hat ein Bekannter schon richtig festgestellt. Der schaute genau auf die Uhr, wann seine Freundin die Hefter zur Seite schob, um privat zu surfen oder gar zu spielen! Auf ihre Klage, sie hätte gar keine Freizeit mehr, konterte er völlig korrekt: Aber du hast doch heute Freizeit gehabt, schau doch nur, wie lang du hier vorm Rechner gesessen und Seiten angeklickt hast!
Jahaa, Zeitmanagement ist alles! Hätte sie sich die Freizeit mal im Terminplaner notiert, wäre ihr ihr Denkfehler selbst aufgefallen.

Und wie belastbar seid ihr so? Habt ihr auch an eurer Flexibilität gearbeitet?
Flexibility(Quelle: wtfp.org)

Advertisements

Aus und vorbei…

Ich weiß noch gar nicht, wie ich anfangen soll.

Optimistisch: Hey, ich habe jetzt wieder Zeit zum Bloggen!

Vielleicht mit Humor: Hey, ich war in der Hölle und hab vergessen Ansichtskarten zu schreiben!

Pathetisch: Und Anfang glänzt in allen Bruchstücken unseres Seins.

Sachlich: Ich habe das Referendariat abgebochen.

 

In den letzten Monaten ist so viel passiert…

  • im Seminar sank die Stimmung, ein Grüppchen hat sich gut verstanden und fand heraus, dass man sich noch viel besser versteht, wenn man einen zum schwarzen Schaf bestimmt. Irgendwann war ein Außenseiter nicht mehr lustig genug, also checkte man, wer sonst noch passen könnte und kam auf mich.
  • Ich schrieb eine Mail an die gesamte Gruppe und schilderte die Situation. Nachdem die Situation schön aufgekocht war, kühlte sie ab. Ich war zwar nicht gerade beliebt, hatte aber meine Ruhe vor fiesen Stalkern.
  • Dann redete eine meiner Mentorinen nicht mehr mit mir und nach einem Unterrichtsbesuch brach ein Sturm an Anschuldigungen aus ihr hervor. Eine Woche später bat ich sie zum Gespräch und klärte die Lage…dachte ich.
  • Die Bahn baute wie verrückt und ich saß 6, 7, 8 Stunden oder bei Personenunfällen noch länger in Zügen, SEV-Bussen oder auf Bahnhöfen.
  • Für das Seminar musste ich in wenigen Wochen zwei Unterrichtsbesuche samt dicker Ausarbeitung, eine Lernbereichsplanung für den Prüfungszeitraum mit kreativen Stundentiteln und angedachten Methoden und eine umfangreiche, sehr komplexe Praxisaufgabe erstellen. Nebenher musste ich noch den normalen Unterricht und die Jahresplanung für die Schulleitung abfertigen.
  • Die Praxisaufgabe schaffte ich nicht, denn ich sollte nicht nur etwas erarbeiten, sondern auch im Unterricht durchführen und reflektieren. Ich präsentierte zwar etwas, fühlte mich aber so unwohl, dass meine Arbiet mit „erfüllt nicht die Anforderungen“ und „enttäuschend“ beschrieben wurde. An dem Abend dachte ich bereits, meine Ausbildung ist vorüber, aber im Unterrichtsbesuch (am nächsten Morgen) zeigte ich, was für eine Lehrerpersönlichkeit in mir steckt. Auch wenn es methodisch nicht überzeugte, mein Kopf blieb vorerst dran.
  • Dann streikte die Bahn und ich kam nicht früh genug von Leipzig nach Dresden, meine Mentorin schritt wütend zum Schulleiter und beschwerte sich bitterlich. Der Schulleiter ist ein sehr sachlicher Mann und bemühte sich um Schlichtung.
  • Auch meine andere Mentorin kritisierte mehr und mehr, wurde immer distanzierter und fieser. Alles, was ich gut fand, fand sie schlecht und was ich weniger gut fand, fand sie untragbar.
  • Mit der Gruppe, in der ich die Praxisaufgabe so bescheiden präsentiert hatte, sprach ich auch nochmal und die Situation schien sich zu entspannen.
  • Dann kam der Hauptausbildungsleiter auf mich zu und bat um einen Termin, es gäbe große Kritik seitens meiner Mentoren.
  • Ich sprach meinen Schulleiter und meine Mentoren darauf an, die Mentoren hatten wieder nur Negatives zu sagen, schlichtweg alles was ich tat und auch was ich nicht tat, war schlecht und wurde immer schlechter.
  • Hauptargument: Sie werden später im Lehrerberuf Probleme kriegen.

Kurzfassung: Arbeit, Bahn, Schreibtisch, Konflikte, kaum Schlaf, konnte nichts Essen, Vorwürfe über Vorwürfe, Heulkrämpfe häuften sich, Zusammenbruch.

So sieht die Ausbildung zum Lehrer aus. Sollten Mentoren ihre Schüler nicht führen? Ist es wirklich deren Aufgabe zu orakeln, wie man von diesen wahnwitzigen Umständen auf eine Situation in der Zukunft schließen kann?

Als ich zur Fachausbilderin meinte, dass der Workload viel zu hoch sei, verwies sie mich auf die Situation von Juristen und Ärtzen, alsob das einzige Gütekriterium der Ausbildung wäre, zu checken, wie viel Stress man verträgt.

 

Falls meine Sätze unvollständig und wirr sind, das liegt daran, dass ich derzeit nicht ich selbst bin. Ich bin so erschöpft und fertig, dass ich kaum einen klaren Gedanken fassen kann. Dauernd gibts neue Tränenfontänen, ohne das die durch konkrete Umstände ausgelöst würden. Ich suche dringend einen Therapeuten, aber so schnell klappt das auch nicht.

Wochenende…oh Schreck!

Wenn man denkt, man könnte sich mal so richtig gesund schlafen…
will erst der Freund die verpasste Konversation nachholen (natürlich nachts um eins, wenn ich hundemüde bin), dann schütteln einen die Hustenkrämpfe, dass man meint, die halbe Lunge kommt in Bröckchen geflogen (war aber nur Eiter) und dann fällt dem dicken Kater ein, dass er mal fressen könnte…wobei er so viel Krach macht, dass ich fest überzeugt bin, einen Einbrecher in der Wohnung zu haben…mittlerweile war es fünf Uhr und mein Husten ließ mich sowieso nicht mehr schlafen. Also ging ich ins Quarantäne-Arbeitzimmer, um wenigstens den kommunikativen Freund schlafen zu lassen.

Leg mich ins Bett, zum Glück hängen dort die dichten Vorhänge, sodass es auch tagsüber nachtfinster bleibt.
Meistens.
Denn gestern:
4
Hallo Sonnenschein!

Mein Blick war in etwa so:
5
Aber das beeindruckt hier ja schon lange niemanden mehr.

Also hab ich mich einfach an die Arbeit gesetzt. Mittlerweile graut mir freitags schon vorm Wochenende, denn Wochenende heißt: durcharbeiten vom Morgengrauen bis Geht-nicht-mehr.
Aber es gibt auch richtig schöne Stunden dabei, wie zum Beispiel gestern, als ich die Märchen korrigierte.
Wer glaubt, dass Märchen in einer 5. Klasse gut ankommen, der hat sich geschnitten. Das ist nämlich was für Kinder…und nicht für eine 5. Klasse!

Der Anfang war vorgeschreiben: Drei Prinzessinnen lieben denselben Prinzen und bitten ihren Vater um Rat. Der gibt ihnen die Aufgabe: Reist in die Welt und bringt mir den seltsamsten und merkwürdigsten Gegenstand, den ihr finden könnt. Wer den seltsamsten bringt, wird den Prinzen heiraten.

Die Schüler sollten nun ein paar Entscheidungsfragen beantworten und schon konnte es los gehen, mit ihrem eigenen Märchenende.
Und was dabei herauskam, ist schon erstaunlich.

Bei fast allen Märchen starb mindestens eine Prinzessin, wenn nicht gleich alle drei. Manche brachten sie achselzuckend mit „die erste Prinzessin fand den Tod“ um. Andere ließen sie erst noch ein Vögelchen heilen, bevor sie ein Löwe samt Vögelchen fraß. In einem Märchen spießte ein Elch eine Prinzessin auf und schenkte der toten Prinzessin anschließend einen Tannzapfen…

Es gab aber auch Märchen, die mich wirklich erstaunt haben, so gut waren die geschrieben und sprachlich ausgekleidet. Da finden die Prinzessinnen tolle Gegenstände, kehren heim zum Vater, überlassen die Gegenstände dem Prinzen und sagen: Behalte sie ruhig, auf unseren Reisen haben wir erkannt, dass es noch so viel zu entdecken gibt. Darum wählen wir die Freiheit und reisen nochmals los.
Oder eine Prinzessin findet unterwegs die unsterbliche Liebe, eine zweite stirbt (was sonst?), die dritte aber kehrt mit einem magischen Gegenstand heim, aber der Prinz hat sich „inzwischen umorientiert“ und stellt der Prinzessin seinen blonden Gatten vor. Die Prinzessing sperrte sich daraufhin in ihrem Turm ein. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann ärgert sie sich noch heute.
🙂

Aber trotzdem wäre mal langsam EIN freier Tag schön. Mal schauen, wann der kommt.

33 und kein bisschen weise

Rückblickend frage ich mich, wer denn diese Frau war, die bei der Vorstellungsrunde im Seminar großspurig meinte „Eine meiner Stärken ist, dass ich merke, wenn mir die Puste ausgeht. Ich kann meine Power ganz gut managen.“
Denn ich kann das doch wohl nicht gewesen sein! Ich merkte zwar am Mittwoch, dass mein Hals kratzt, dass ich mich kaum konzentrieren kann und dass 21:30 keine gute Zeit für Feierabend ist, wenn man um 4:20 wieder aufstehen muss, aber das hielt mich nicht davon ab, am Donnerstag nochmal den gleichen Quatsch zu machen.
Und wer ist die Frau, die beim Zielvereinbarungsgespräch festhält, dass sie Feierabend und Freizeit gezielt einplant?
Sicher nicht die gleiche Person, die nach der Schule noch schnell zwei Kaffee schlürft, trotz Halsschmerzen wieder fit für die Buchmesse werden will, um dort Stunden bei den Schulbuchverlagen herumzulungern. Selbstverständlich setzt sich selbige nach der Buchmesse noch an die Korrektur der Kontrolle, die sie ja am nächsten Tag zurückgeben will.
buchmesse
Ich weiß nicht wie oft ich in den letzten Wochen feststellte, dass es so nicht laufen kann. Aber da muss mein Körper erst in Generalstreik gehen, damit sich etwas ändert. Womit wir wieder beim Punkt wären: Theoretisch weiß ich praktisch alles. Ich weiß, was falsch läuft. Ich weiß nur noch nicht, wie ich es richtig mache.

Fakt ist: Ich arbeite gern. Ich lese mir gern den Stoff an, den ich dann in bunten Erzählungen an meine Schüler weitergebe. Ich stöber gern in Büchern nach Bildern und Ideen für einen abwechslungsreichen Unterricht. Und ich LIEBE mein Arbeitszimmer! Ich liebe es, an mein Bücherregal zu gehen und ein Buch herauszunehmen. Ich liebe es, mich in den gemütlichen Stuhl zu setzen und alles so ordentlich berit steht. Wenn dann die dekorative Katze noch ihren Platz einnimmt und mit ihrem Schnurren den richtigen Ton angibt, dann fühl ich mich einfach genau da, wo ich seit langem sein wollte.
3
Aber jetzt muss ich mich mal zusammenreißen!
Im nächsten Lebensjahr wird alles noch besser. Bestimmt! 😉

Nun zur Buchmesse…wie hatte ich mich darauf gefreut! In meinen Träumen wandelte ich an Reihen von Schulbüchern vorbei, alle Händler drückten mir kostenlos Bücher in die Hand und fragten mich, ob ich noch etwas wünsche und mein Rucksack war prallvoll mit Büchern und Heften, die ich nur aufschlagen musste und schon präsentierte sich mir eine ganze Unterrichtsstunde…die Realität sah anders aus. Bei einigen Ständen waren die Zuständigen dauernd unterwegs zu Lesungen und Vorträgen. „Kommen sie einfach später wieder.“ Oder die Bücher waren noch eingeschweißt! Da kauft man ja die Katze im Sack!
2
Es gab deftige Rabatte für alle, sodass sich niemand für meinen Referendariatsausweis interessierte. Vielleicht lags an meiner Schwäche, an der Anstrengung oder daran, dass Mangas und Comics in eine Extrahalle ausgelagert waren und es diesmal wesentlich weniger bunt zuging, jedenfalls gefiel es mir diesmal nicht so gut.

Und was macht das Ref.?
Nachdem die erste katastrophale Woche überstanden war, lief es diese Woche richtig gut. Es hat richtig Spaß gemacht. Und ich spüre, dass das ein Job für mich ist. Lauter kleine Zaubershows, bei denen du die Hauptattraktion bist. Es ist anstrengend, aber definitiv nie langweilig. Und wenn morgens auf dem Weg zur Schule absolut undurchdringlicher Nebel herrscht, sodass die Oberleitungen über den Zügen nur so Funkengewitter erzeugen, oder man einen herrlich strahlenden Sonnenaufgang sieht, dann ist das auch richtig schön.
1

2
Auf dem Bild sieht man es leider nicht so gut, aber hier stieg richtig der Nebel von den Feldern auf, wie in dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“. Stimmung! ^^

33 ist ein tolles Alter und ich freu mich auf das kommende Jahr. 🙂

Voll auf Kaffee…

die erste Woche ist rum und ich bin echt glücklich.
Am Dienstag ging es auf dem Weg zum Seminar erstmal schön frühs durch den Palmengarten. Auf den Pfützen lag eine dünne Schicht Eis, der Kanal floss gemütlich dahin, Hunde rannten nach den geworfenen Stöckchen und in der Luft lag eine scharfe Kälte. Ich fühlte mich so unbändig wach und frisch und alles fühlte sich so voll an, so sinnhaft.

Die Stunden und Tage sind nur so dahin gerauscht, kein stundenlanges im Bett Gewälze, bei dem ich versuche, irgendetwas zu finden, was die Zugkraft besitzt, mich aus den Federn zu heben. Stattdessen steh ich um 3:40 auf, pack meinen Rucksack und flitz zum Bus. Zack, ab zum Zug, Buch auf, Quark in die Kuchenlade, aufm Zugklo Zähne putzen, umsteigen…es ist verrückt, aber jetzt, wo meine Zeit in vorhersehbare Schollen zerplatzt, fühlt sie sich endlich nicht mehr wie ein Gegner an. Ich bin raus aus der Wüste sinnloser Ewigkeiten und meine freien Stunden sind wieder kostbar. Gestern lag ich über eine Stunde im Ölduftbad in der Wanne und habe geschmökert. Das habe ich den ganzen Winter noch nicht getan!

Und meine Schule ist toll. Bei der Religionslehrerin hatte ich zweimal schon eine Gänsehaut, so hat mich der Unterricht mitgenommen. Nächste Woche übernehm ich da die erste Klasse. Aufregend!
Und heute war ich bei einer Deutschlehrerin im Lese-Rechtschreib-Nachhilfekurs. Sie zeigte mir, was die Kinder so machen können. Alles spielerische Arbeiten am PC. Dann beugte sie sich etwas vor, sodass sie hinterm Monitor, für die Kinder unsichtbar, verschwand und flüsterte: „Das ist der XXXXXXX, der ist schon so vom Leben gebeutelt, aber ein ganz lieber ist das. Das sind sie alle. Helle Köpfe, aber manche Dinge werden denen eben nicht klar. Ich kenn das selber, ich habe eine Rechts-Links-Schwäche. Wenn ich Zeit habe zu überlegen, mit welcher Hand ich schreibe, geht es. Aber ohne überlegen geht es nicht. Deswegen kann ich das nachvollziehen. Die müssen üben und brauchen Lob, aber auch ehrliche Kritik. Das brauchen alle, aber die hier brauchen eben ein Lob mehr.“

Das war in der fünften Klasse, danach hatte ich bei ihr Deutsch in der 9. Die 9. kannte ich schon aus anderen Fächern, die sind nicht wild, das sind ganz ordentliche, aber hier waren sie…wie eine Horde Mönche beim Gebet. Ich kanns nicht beschreiben, man könnte den gegenseitigen Respekt spüren. Auch wenn sich jemand langweilte oder abschaltete, saßen die still, kein Kippeln, kein Schwatzen und dabei sprach sie ruhig, fast leise. Kein hohes Gequäke, wie das Frauen leider oft passiert, wenn sie sich durchsetzen wollen. Als eine Schülerin eine Antwort, trotz Hilfestellung, nicht wusste, hörte man von der Seite kurz spöttisches Schnauben. Das hätte man leicht ignorieren können, weil es kaum zu hören war. Aber die Lehrerin schaute auf einen Punkt an der hinteren Wand des Raumes und sagte: „Leute, ihr wisst, wie ich das finde, wenn man sich selbst über andere erhebt. Jeder steht mal auf dem Schlauch!“
Kurz vor Ende der Stunde kam sie zu mir hinter und fragte, ob ich noch Fragen häötte, sie hätte in der Pause Aufsicht und keine Zeit. Ich fragte sie, wie sie ihre ersten Stunden in einer neuen Klasse hinsichtlich Regeln und Ritualen gestaltet. Weil ich staune, wie ruhig die Klasse hier ist.

Sie ging wieder vor ans Lehrerpult und stellte die Frage ans Plenum. Viele Hände gingen hoch.
„Wir müssen am Anfang die Rucksäcke zu machen und die Jacken hinten an den Haken hängen.“
„Wenn wir was ausfressen, müssen wir selber nach Lösungen suchen und Vorschläge machen.“
„Gegenseitigen Respekt zeigen.“
„Wir sollen in ganzen Sätzen antworten.“
„Wer kippelt muss stehen.“

„Und wenn mich etwas stört, dann sage ich es laut für alle, aber ich nenne keine Namen und gucke keinen an. Ich will niemanden beschämen. Nur wenn es dauernd vorkommt, drohe ich damit, beim nächsten Mal Namen zu nennen. Jetzt ist es angenehm hier zu arbeiten, aber in Klasse 6 und 7 haben wir uns auch ganz schön gekabbelt, stimmts?“ Die Schüler nicken und grinsen dabei.
Klare Regeln, respektvolles Verhalten und selbständiges Mitdenken…das ist eine Rolle, in der ich mich auch gut sehe.

Nächste Woche wird meine Feuerprobe, ich bin so aufgeregt!

Yes! Success!

Hallo da draußen!
1

Heute war in klasse Tag, ein großartiger Tag! denn heute habe ich meine Masterarbeit abgegeben.
Fertig, Ende, Schluss mit Studium.
1
Und was soll ich sagen, so ein bisschen stolz ist man da schon. ICH, Mittelschülerin, mit Handwerksausbildung, habe ein Hochschulstudium absolviert, habe eine Masterarbeit ganz allein geplant, verfasst und hundertmal überarbeitet. Dabei habe ich echt viel dazu gelernt, sodass all die Arbeit sogar immer ein wenig Spaß gemacht hat.
Und nun?
Erstmal Hartz IV beantragen (denn das Referendariat beginnt erst im Februar X_x), die Bewerbung fürs Ref. verfassen, auf einen Referendariatsplatz hoffen und vor allem: die freie Zeit genießen.
2
Denn wenn es etwas Frustrierendes gibt, dann ist es die Aussicht auf Stress, Stress, Stress und weiterhin kaum Kohle.
Im ersten Semester sagte man uns enthusiastisch lauschenden Studenten: „Die Burnoutkliniken sind voll mit Lehrern und Ärzten.“
Auf der Infoveranstaltung fürs Ref. hieß es letztens: „Der einjährige Vorbereitungsdienst ist eine Herausforderung für alle Beteiligten, aber wenn sie sich voll engagieren und mit all ihren Fähigkeiten einbringen, werden sie das erfolgreich bestehen.“
Aber da gibt es bestimmt keinen Zusammenhang. ;P

Jedenfalls werde ich in nun viel Zeit im Zoo verbringen und natürlich weiterhin viel Zeit im Studio.
Auch dort kann ich im Moment tolle Erfolge verbuchen. Meine Kraft nimmt zu, die Muskulatur wächst und zeigt sich und das ist im (endlich warmen) Sommer natürlich enorm motivierend.
Zwar kann ich bei den Kniebeugen wieder ganz von vorn beginnen (die Knie zeigen meterweit über die Fußspitzen hinaus), aber auf der Flachbank drücke ich ganz flockig endlich wieder die 50kg (jetzt auch mit besserer Ausführung), auf der Schrägbank habe ich mich endlich mal wieder an die 20kg Kurzhanteln getraut und war vollkommen von den Socken, weil die sich nicht schwerer angefühlt haben, als die 17,5kg. Böse Trainingspartnerzungen sagen, bei dieser Erkenntnis hätte ich ein satanisches Glitzern in den Augen gehabt. Mit den neuen, knallbunten Trainingsshirts fühle ich mich, trotz Frühlingsrollen im Hüftbereich, verdammt wohl und heute habe ich beim Rückentraining einfach mal in jeder Übung Gewicht draufgepackt.
Es läuft und ich will mehr, mehr, mehr.

Slaine hat neue BCAA’s bestellt, die sich geschmacklich im Bereich zwischen Kaugummi auf Asphalt und Bierschiss bewegen. Schmecken wie Malzbier mit Tonnen an Süßstoff. Davon bin ich in etwa so begeistert wie Rühl von Zumba.

Aber ein Ossi schmeißt nix weg! Und so komm ich zur BCAA-Supplementation. Nase zu und runter.
Voran, voran!

Denn irgendwann will ich ja auch mal tolle Vorher-Nachher-Fotos posten.
Apropos, da ist mir wieder etwas Tolles aufgefallen: Als Bodybuilder auf Diät hat man ja ständig Angst, Muskelmasse zu verlieren. Und wenn ich an meinen Speckfalten herumziehe, habe ich manchmal das Gefühl, wenn der Speck runter ist, ist nix mehr da.
Aber siehe da, ich habe mir Fotos von Leuten, die genau das durchgezogen haben, mal angeschaut und festgestellt, dass einfach durch den Fakt, dass magerere Muskelmasse auch tiefere Einschnitte mit sich bringt, alles größer wirkt. Die Berge werden überhaupt er sichtbar.
Schaut mal genau hin, sie hat weniger Umfang, sieht aber viel trainierter aus:


Ist das nicht erstaunlich? Das macht Mut.
Solche Fotos motivieren natürlich immer, aber die Erkenntnis, dass ich auf jeden Fall in allen Belangen besser aussehen würde, wenn da noch etwas Speck runter käme, gibt mir einen echten Powerboost.

Tschakka! 😀