Personal-Albtrainer

Nach 4 Wochen schlemmen, ruhen und Spaß freute ich mich schon am Sonntag auf die Rückkehr zum Plan. Ich werde die Insulinausschüttungen, den guten Schlaf, die atomsicheren Nerven und die Ruhe vermissen, doch andererseits freute ich mich schon vorher auf all die Vorteile des Lebens nach Plan, die da wären:

  • fitter fühlen, alles fällt irgendwie leichter
  • weniger Gewabbel/Zellulite/Besenreißer und Wasser in den Beinen
  • Gefühl von Kontrolle
  • Gefühl, gesünder zu leben
  • mehr Wohlgefühl im Körper, Spaß daran, sich zu zeigen und sich zu bewegen
  • Klamotten kneifen weniger, Beine scheuern sich nicht beim Gehen wund
  • weniger Kosten (man kauft einfach viel weniger)
  • Spaß am eigenen Werde-Prozess, an den spürbaren Veränderungen

Auf all das freute ich mich am Sonntag. Mir graute nur vor einem: dem gemeinsamen Training mit Marcel

„Das wird halb so wild. Es geht ja nicht darum, dich fertig zu machen. Wir können auch nach deinem Plan trainieren. Ich will nur mal hören, was du dir so dabei denkst.“

-Marcel vor 4 Wochen

Montagmorgen standen alle Tupperdosen wartend im Kühlschrank, die Sportklamotten lungerten schon im Rucksack und ich startete gut in den ersten Diättag. Die Tage zuvor war ich tief im Insulin-Suchtdruck. 2-3 Stunden ohne Zucker? Dagegen musste sofort etwas unternommen werden! Ich konnte mir an diesen Tagen nicht vorstellen, auch nur 5 Stunden ohne Zucker auszuhalten. Doch als ich kurz nach 16 Uhr zum Training aufbrach, musste ich feststellen, dass da gar ein Suchtdruck mehr war. Ich fühlte mich sogar satt…ein Gefühl, dass ich in den letzten Wochen nicht kannte. Da gab es nur „Bloß nicht bewegen, sonst reißt der Magen!“.

Meine Kohlenhydrat- und Fettspeicher waren prall gefüllt, ich war ausgeruht und entspannt, hatte mich von Slaine verabschiedet (Falls ich es nicht zurück schaffe: die Katzen kriegen alles!) und machte mich schonmal gemütlich auf dem Stairmaster warm. Und schon kam Marcel grinsend um die Ecke.

Ich durfte die erste Übung bestimmen und so begann das Beintraining mit Bauchübungen im Supersatz. Schon nach dem ersten Satz lief uns beiden der Schweiß buchstäblich in Strömen.

Die zweite Übung bestimmte Marcel: Beinstrecker. Klasse, denke ich, Beinstrecker ist halb so wild. Und dann folgte eine Lektion, die ich nun eigentlich hätte längst begreifen müssen:

Sage deinem Coach nie, dass etwas nicht schlimm ist und du kein Brennen/keine Erschöpfung/keinen Schmerz oder sonstige fehlenden Qualen spürst, denn er kriegt dich dazu, dass du all das in vollkommen ungeahnten Dimensionen erfährst.

Für den Beinstrecker hieß das konkret:

  • geringes Gewicht
  • Ausgangsstellung des Gewichts weit hinten, sodass der Muskel in der Dehnung ist
  • Schultern hinter, anlehnen, Brust raus, Bauchspannung und dann die Füße bis zur Waagerechten hoch und zum Körper ranziehen
  • langsam ab….richtig tief ab
  • und von vorn, keine Pausen

Nach dem Aufwärmsatz brannte mein Quadrizeps wie noch nie in meinem Leben und das Blut strömte in die Oberschenkel, sodass sie sich wie Beton anfühlten.

Da wurde mir dann spätestens klar, dass meine schlimmsten Befürchtungen gerade wahr werden.

Meine schlimmsten Befürchtungen bezüglich Personal Trainern:

  • Sie lassen dich mit wenig Gewicht Wiederholungen machen, bis sich deine Muskulatur anfühlt wie eine Cut-Out-Jeans und du dich wie die letzte Magersüchtige-Cardio-Pussy fühlst
  • Sie stehen wie gegossene Statuen neben dir, glotzen auf deine beweglichen Speckberge und wenn du nicht mehr kannst, rufen sie: Noch drölf Wiederholungen, los!
  • Wenn du nicht mehr kannst, schieben sie leicht das Gewicht mit und rufen: Los, weiter, keine Pause machen UND WIEDER RUNTER, los jetzt!$§“%
  • Während du zwischen Ohnmacht und Rage-Quit schwankst, fällt ihnen ein, dass man jetzt Teilwiederholungen oder Drop-Sätze machen kann.
  • Und für diese Folter zahlst du ihnen einen Haufen Geld.

Ich bin während der ersten Übung kaum über das Auswärmgewicht hinaus gekommen, wusste aber nach 3 „Arbeitssätzen“ nicht mehr, wie man die Beine beugt. Es waren starre Dönerspieße, die sich anmutig wie Piratenholzbeine steuern ließen.

Und Marcel nur so: Also ich habe heute zwei Stunden dafür eingeplant.

Wie konnte es dazu kommen?!?, war der Satz, der mich von da an begleitete. Abbrechen kam nicht in Frage, dafür habe ich zu viel Stolz. Als ich dann die dritte Übung bestimmen sollte, sagte ich trotzig: Kniebeuge. Ich mag aussehen, wie ein verfressener Kobold, aber in Wirklichkeit bin ich ein verfressener Hornochse. Und wenn es darum geht, irgendwem zu beweisen, dass ich Biss habe, dann bringe ich mich lieber um, als zuzugeben, dass es zu heftig ist.

Alle Kniebeugen-Racks waren besetzt und es warteten schon Leute darauf, dass sie frei werden…meine Rettung? Hätte es sein können, aber der Hornochse in mir rief schon: Dann Ausfallschritte. Kniebeuge müssen wir aber danach machen…die gehören beim Beintraining einfach dazu.

Verdammter Trotzkopf!$%§

Nach dem „Aufwärmsatz“ – einmal quer durchs ganze Studio – war klar, dass ich gar nicht mehr als 8kg Kettlebells schaffen kann. Marcel fand ich anhand der Schweißtropfenspur am anderen Ende des Studios wieder, wo er schon auf mich wartete.

„Lass die Gewichte stehen, pass auf, dass die Knie nicht nach innen rudern. Wenn du den Schritt nicht so breit wählst, sondern gerade vor gehst, passiert das nicht. Und ab jetzt machst du keinen Zwischenschritt mehr, deine Knie bleiben gebeugt, sodass du quasi schleichst.“

Ich „schlich“ los…auf dem letzten Loch pfeifend wie nach einem Senfgasangriff. Alle anderen waren mir egal, ich sah schemenhaft Leute ausweichen und sich an die Wand schmiegen, während ich mein persönliches Armageddon durchlebte.

Marcel hatte die Squat-Forderung nicht überhört, die Racks waren noch immer besetzt also schleifte er mich zur Hackenschmitt. Es ist wirklich ewig her, dass ich diese Geräte nutzte. Damals habe ich mit dem bloßen Schlitten aufgewärmt und maximal 30kg aufgeladen. Nun sollte ich mit 15 kg aufwärmen, obwohl meine Beine nur noch schrien, mein Kreislauf eckig lief und mein Nervengerüst in sich zusammengestürzt war. Zu dem Zeitpunkt hasste ich Marcel, ich spürte pure Verachtung durch meine Venen rinnen und fürchtete um meine Beherrschung. Bis dahin war alles sehr hart aber irgendwie machbar gewesen. Aber nun war ich an meine Grenzen gekommen. Mir war schlecht, der Schweiß brannte in den Augen, ich konnte gar nicht so viel atmen, wie ich Sauerstoff gebraucht hätte und ich wusste nicht, wie ich noch einen Schritt schaffen soll.

Ich packte meine Bissschiene zwischen die Beißer, Marcel tönte wieder „Nicht so tief und oben die Beine nicht strecken, langsamer runter, explosiv hoch und oben keine Pause machen“, die ersten Stöhnlaute ritten auf Speichelfetzen zwischen meinen verzerrten Lippen dahin und dann schob Marcel den Schlitten an und brüllte:

Los, weiter, keine Pause machen UND WIEDER RUNTER, los jetzt!$§“%

Und natürlich bezahle ich ihn dafür.

Irgendwann, inzwischen stapelten sich fröhliche 40 kg auf dem Schlitten, wurde mir klar, dass ich echt laut rumgrunze, aber es war mir egal…alles wurde mir egal. Da war keine Energie mehr für Wut oder Furcht oder irgendeine Emotion. Es mag lächerlich klingen, aber ich stand unter Schock. Als hätte ich mich gerade mehrmals überschlagen während der Kopf sich weigert, das zu begreifen.

Wie hatte es soweit kommen können? Wie bin ich von Steak und Eiscreme in dieses Kreißsaalsetting geraten?

Darauf folgte die Beinpresse. 90kg Aufwärmsatz…eigentlich easypeasy…aber natürlich nicht an diesem Tag. Marcel legte ordentlich Gewicht auf…er trainierte ja die ganze Zeit mit. In kurzen Hosen, die er schön hochzog, damit man die volle Pracht wettkampftauglicher Muskulatur live bei der Arbeit beobachten oder ggf. fürs Anatomiestudium lernen konnte. Alter Angeber. ;p Waren am Beinstrecker noch alle Fasern klar getrennt zu beobachten, war dann nach der Hackenschmitt schon der Tropfen über dem Knie prallvoll gelaufen, wie eine geladene Wasserbombe. Nun, in der Beinpresse angekommen, sah auch er Sternchen und von Fasern war in den Quatrizeps nichts mehr zu sehen. Alles war zum Platzen vollgepumpt. Aber gnädiger stimmte ihn das nicht. Typen wie Marcel stehen genau auf solche Grenzgänge…für die fängt das Training erst da an…andere gehen zur Domina…

„Was hältst du von Dropsätzen?“

„Nichts. Lass mich lieber noch 2 Scheiben drauflegen und dann nur 5 Wiederholungen machen.“

„Quatsch, wir sind doch keine Kraft-Dreikämpfer“

„Ach, mach doch, was du willst.“

Und das machte er dann auch…mit anbrüllen, kniend den Schlitten mitschieben und weiteren Anweisungen, die ich geflissentlich ausblendete, während ich wahrscheinlich unbemerkt sieben Kinder gebar…dann flupp zwei Scheiben runter und sofort weiter.

Und plötzlich kommt so ein süßes, nabelfreies Cardio-Reh angehopst und fragt Marcel in Regenbogen-Einhorn-Stimme: „Oh Marcel, wann nimmst du mich denn mal so richtig hart ran?“

Alter…

Und als hätte sie ihn auf sportliche Abwege gebracht, ging es von dort zu Abduktoren und Adduktoren…ich liebe diese Dinger, weil sie mir nichts tun. Inzwischen war ich so schlau, oder hatte nur nicht genug Sauerstoff im Hirn um es auszuspechen, jedenfalls sagte ich nicht, dass ich diese Geräte für Lulli-Spaß-Geräte halte. Aber nach der Einheit war selbst das übel.

Und so endete der Albtraum meines Sportler-Daseins. Zum Schluss fragte Marcel mit Unschuldsmiene: Nächstes Mal dann Rücken und Beinbeuger/Po?

Niemals, das passiert mir nie wieder!

Das sagte ich ihm sofort.

Und mir selbst während der gesamten 20 Minuten, die ich anschließend bewegungslos in der Umkleide verbrachte, während ich versuchte festzustellen, ob ich wirklich noch am Leben war oder vielleicht doch tot.

Und ich sagte es mir auf dem Heimweg.

9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagten das.

Während die 10. Stimme flüsterte: ‚Aber wie geil du dich jetzt fühlst und stell dir nur mal vor, wie du aussehen könntest, wenn du ab und zu solche Einheiten machst.‘ und dafür von den anderen 9 Stimmen furchtbar verprügelt wurde.

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Pause – diesmal wirklich!

Beim Coach im Büro angekommen plumpse ich in den Stuhl und lass ihn zunächst von meinem feinsten Cold Brew Coffee-Ansatz kosten. „Tre Forze“, was sich anhört wir „drei Fürze“, ist geschmacklich nicht von dieser Welt. Als Slaine ihn das erste Mal probierte, fragte er verwundert: „Was ist das? Likör?“
Es lässt sich schwer beschreiben…dunkel, aber samtig. Oft liest man ja von „Karamell-Noten“, die ich noch nie irgendwo erkannte habe. Aber auf ihn könnte das zutreffen. Genau beschreiben kann es den Geschmack nicht. Cold Brew Fans sei diese Bohne einfach ‚coldestens‘ ans Herz gelegt. 😉

Nach dieser Einstimmung rück ich mit der Wahrheit raus: „Different month, same shit.“ Es fällt mir immer schwerer, Diät zu halten. Schwer ist nicht die Umsetzeng…planen, einkaufen, kochen, essen, alles klappt wunderbar. Aber schon vor der letzten Mahlzeit schiebe ich einfach nur Panik.

„Das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein. Ich könnte glatt den ganzen Tag nochmal essen!“

Dieses Gefühl steigerte sich in den letzten Wochen, bis es zum dauerhaften inneren Toben wurde. Dinge, die mich sonst nie angehoben haben, erschienen mir nun verlockend. Alles flüsterte „Iss mich, ich schmecke wunderbar und mache dich glücklich!“ Der Tag wurde zur Qual, weil es nur noch darum ging, mich irgendwie abzulenken und das Unvermeidliche aufzuschieben.

Aufschieben. Denn je stärker der Zwang wird, desto klarer zeichnet sich ab, dass er nicht verschwindet. An guten Tagen aß ich abends etwas Salat. Zählbar. Kontrolliert. Gesund.
Aber immer öfter riss mich das Toben mit sich und ich tobte mich an Obsttheken, Eistheken, Schokoriegelregalen und anderem aus.

Und wie man sieht, fühlte es sich einfach nur gut an.
Einmal trackte ich mit. Bis 17 Uhr aß ich meine geplanten Kalorien (~1730). Bis 22 Uhr hatte ich knappe 4000kcal konsumiert. Nicht etwa durch Schokolade oder pures Fett…nein, durch einen ganzen Obstkorb und Eis. Durch das Volumen platzte ich fast aus allen Nähten. Am nächsten Vormittag waren wir beim Training, man sah mir nichts davon an. Der Bauch war flach.

Das klingt vielleicht gut, ist es aber nicht. Wenn solche Ausraster nicht bestraft werden, was hält mich dann noch in Zaum?
Es wurde jeden Tag schwerer.

Das alles erzählte ich meinem Coach.
„Okay, wie kann ich dir helfen, was willst du jetzt machen?“
„Ich brauch einen Monat Pause. Essen nach Plan, wie bisher. Aber abends ess ich noch dazu. Ich hoffe dadurch, dass das innere Toben nachlässt und ich wieder mit Verstand und Ruhe essen kann.“
Etwas zähneknirschend stimmt er zu.
Unter einer Bedingung: einmal mehr Training pro Woche.
Dafür geht es nach dem Monat dann wieder in den „Hardcore-Sprint“: Lowcarb bei 1600kcal. Und wir startet mit dem schon ewig angedrohten gemeinsamen Beintraining. Ich glaube, das Fotoshooting im August werde ich gar nicht mehr erleben. ;P

Aber im Moment habe ich das Gefühl der Befreiung, der Druck ist weg, das Gefühl täglich zu versagen auch. Ich essen abends, aber nur etwas…einen Riegel, ein Fischfilet, bis ich satt bin. Das fühlt isch gut an. Alles unter Kontrolle. Hoffentlich bleibt es so.

ps: Letztens sitz ich im Nähzimmer als Slaine den Kopf zur Tür reinsteckt: „Alles okay in Bangladesh?“ XD

Ein Jahr Coaching (Vorher-Nachher-Vergleich) Blickpunkt: Training

Auch im Training hat sich in den letzten 12 Monaten viel verändert. Dabei war das zu Beginn gar nicht beabsichtigt. Marcel sollte mir hauptsächlich bei der Ernährung helfen. Bei Trainingsanleitungen und Tipps werde ich schnell knatschig.

Das liegt zum Einen daran, dass Männer generell das Bedürfnis haben, Frauen im Studio anzuleiten und zu helfen. Mir gibt das häufig das Gefühl, als unwissender Neuling wahrgenommen zu werden, den man mal fix eines Besseren belehrt. Gerade am Anfang stand dauernd irgendwo jemand glotzend rum, kam mitten im Satz angeschlendert, um mich von der Seite anzuquaken. Konzentration adé.

Und zum Anderen gehen viele davon aus, was bei ihnen gut wirkt, wirke auch bei mir so. Und so stand man dann da, versuchte etwas nachzuahmen, was sich einfach falsch anfühlte und wobei man noch im Sekundentakt Anweisungen erhielt (Schulter so, hier so, dort mehr zurück, da mehr Spannung und jetzt HOCH damit…..zum Ausrasten).

Deshalb wollte ich mir da nicht viel reinreden lassen. Mittlerweile weiß ich Marcels Tipps sehr zu schätzen und habe einiges umgestellt.

Die Änderungen im Überblick:

  • ich trainiere den Bauch (Sogar die schrägen Bauchmuskeln! Unglaublich aber wahr.)
  • ich habe viele funktionale Übungen eingebaut
  • mehr duale Übungen, bei denen ich links und rechts einzeln trainiere
  • Stretchingübungen und Übungen die meiner Skoliose entgegenwirken

Marcel hat schnell erkannt, dass mein Bauch eine große Schwachstelle ist. Große Bodybuilder machen sich meist über Situps etc. lustig, doch ich musste schweren Herzens einsehen, dass mir die Muskulatur und Stützkraft im Bauch fehlt. Inzwischen sind Bauchübungen 2x/Woche im Plan, vor und nach Trainingseinheiten. Und es hilft. Im Bauch konnte ich in kurzer Zeit eine deutliche Formverbesserung sehen und beispielweise bei Kniebeugen deutliche Kraftsteigerung und Bewegungskontrolle.

Wo immer sich Defizite in der Symetrie, Kraft oder Haltung zeigten, schleifte Marcel mich zur Functional-Trainings-Ecke. Da zehrte am Ego, doch ich muss zugeben, dass die funktionalen Übungen mit Bändern und Eigengewicht enorme Stabilität und dadurch Kraft bringen. Nachdem ich monatelang Schmerzen in der Schulter hatte, zeigte Marcel mir beispielsweise Liegestütz an den Bändern, die ich zu Beginn der Einheit als Erwärmung einband. Die Schmerzen verschwanden sofort und plötzlich hatte ich Power und Pump, wie schon ewig nicht mehr. Auch für den Rücken und Bauch bin ich nun öfter in der „peinlichen“ Ecke.

Meine Kraftwerte und Umfänge zeigen deutliche Dysbalancen. Dazu kommt nun noch eine Skoliose mit Rippenbuckel, die für ständige Verspannung und eine krumme Haltung sorgt. Um dem entgegen zu wirken, sind nun viele Übungen als duale Version in meinem Plan, sodass ich links und rechts unabhängig von einander trainiere. Dazu nutze ich Kurzhanteln, rudere zum Beispiel einarmig am Kabelzug oder nutze den Kabelzug mit zwei parallelen Bändern. Hier wird auch in Zukunft der Blickpunkt drauf liegen, weil es hier auch noch viel zu tun gibt.

Stretching habe ich früher gar nicht gemacht. Nun merke ich, dass ich älter werde. Die ersten Zipperlein und ständige Muskelverkürzungen lassen grüßen. Früher kannte ich Stretching nur aus dem Fernsehen. Inzwischen ist es fester Bestandteil meiner Trainingseinheiten und ich werde dazu übergehen, zum Feierabend immer eine kurze Runde einzubauen, sobald ich nach Hause komme. Da mir generell ein Ausstiegsritual fehlte, um auch im Kopf Feierabend zu machen, kommt die Idee gerade recht. Runterkommen und etwas für meine Haltung, Entspannung und Beweglichkeit tun. Das ist der Plan.

45. Woche der Diät: Nee, das Wetter….

Vor drei Wochen hatte ich ein echtes Tief erreicht. Mein Power war aufgebraucht, alles zerrte an den Nerven, ich war schlapp und knatschig und hätte mir über die einfachsten Dinge die Haare ausraufen wollen.

Ich entschied mich für eine Pause. Pause von Arbeit war eh geplant (Urlaub), Pause vom Training (Erkältung…yay) und dann auch Pause von der Diät.

Letzteres bedeutet eigentlich immer: Auf zum Binge-Eating! Mal schauen, was der Magen wirklich für ein Fassungsvolumen hat! Solang es unten bleibt, ist noch nicht Schluss!

Ich wollte nur eines: Das essen, worauf ich wirklich just in diesem Moment Lust habe.

Rückblickend hat sich da etwas verändert. Landete sonst Pizza, Dürüm, Kuchen und Eis im Warenkorb, war es diesmal saftiges Obst vom Markt (kurz vor Marktschluss wird man nicht unter 6kg vom Platz gelassen) und Joghurt. Joghurt! So viele Sorten.

Der Fokus lag klar bei Zucker und die Mengen waren viel zu groß (immer über 3000 kcal/d). Trotzdem war ich….zufrieden damit, eine grundlegende Änderung zu spüren. Ich fühlte mich nicht so in der Falle wie sonst.

Dann war klar, dass der nächste Termin mit dem Coach anstand. Sonst habe ich immer drei Listen dabei: Abnahmeverlauf als Kurve, Maß- und Gewichtsangaben als Tabelle seit Beginn der Diät und eine Übersicht über die konsumierten Makronährstoffe und Tageskalorien. Diesmal hatte ich nichts.

Das machte auch nichts, denn ich spürte wieder, wie meine Kräfte zurückkehrten und wieder einmal verließ ich top motiviert und bereit für den neuen Monat das Studio. Die Rückkehr zum Diätplan war gar kein Problem. Wie sollte es auch. Dank Maria startete ich mit leckeren Kuchen und anderen Naschereien. Jeden Tag gab es etwas anderes.

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Das Brusttraining machte wegen Schulterschmerzen seit einiger Zeit gar keinen Spaß mehr. Der Orthopäde meint, es ist ein kleiner Muskel des Rotatorenapparats. Am Donnerstag geh ich deswegen zum MRT. Aber bis dahin muss ich ja auch trainieren. Also besprachen wir das und wie immer wusste Marcel fachkundigen Rat. Wir gingen den Bewegungsablauf beim Schrägbank und Flachbankdrücken durch. Änderten hier eine Kleinigkeit und dort ein bisschen was. Er zeigte mir eine andere Möglichkeit, die Hanteln umzusetzen, ohne dabei die Schultern wie bisher zu belasten und schließlich schleppte er mich wieder in die Ecke zum hippsterischen functional Training. Ab zu den Sling-Bändern.

Mein quengeliges „Marcel, das geht langsam ans Ego immer hier in der ecke zu trainieren!“ schob er grindesn beiseite. Nun sollte ich quasi hängende Liegestütze machen. Aber was trieben meine Hände dabei? Sie zitterten als gelte es, mit einer ausschlagenden Wünschelrute eine Wasserader zu finden.

Schon nach wenigen Wiederholungen brannte die Schultermuskulatur, die Brust war prallvoll und arbeitete wie schon lange nicht mehr. Und die Schulterschmerzen? Weg.

Gestern war ich wieder beim Brusttraining. Anfangs, nach einer harten Arbeitswoche (meine Teilnehmer waren diese Woche auf Krawall gebürstet), schleppte ich mich hundemüde zur Schrägbank, wo mich gleich der altbekannte Schmerz umfing. Erst als ich die Zahlen notieren wollte, fiel mir ein, dass ja die Sling-Liegestütze zuerst kommen sollen. Also nichts wie ran.

Und es klappte wieder. Die Hände zitterten nicht mehr ganz so, als würde ich Mehl durch ein Sieb schütten wollen, aber die Brust wurde sofort vollgepumpt, war bereit volle Leistung zu bringen, die Schulter wurde warm und der schmerz verschwand.

Zurück an der Schrägbank hatte ich richtig gut Power und so setzte ich mir seit Ewigkeiten nicht mehr berührte 20kg Kurzhanteln vor. Und zack! Kamen sieben Wiederholungen. Ganz souverän. Ein super Gefühl!

 

So eine Diät-Pause ist bei mir sehr oft das Ende der Diät gewesen. Spürte man doch immer, wie viel man in kurzer Zeit wieder zerstört. Schnell stellt sich der Gedanke ein, dass ja alles nichts bringt, man halte es ja doch nicht lange aus. Ein Coach ändert das bei mir grundlegend. Bin ich ein Einzelphänomen?

Ich denke nicht, denn nach vielen Monaten der Überlegung hat sich Slaine nun entschlossen, ebenfalls die Dienste von Marcel in Anspruch zu nehmen. Anfangs noch mit der Überzeugung, das bringe nichts und sei rausgeschmissenes Geld, teilte er mir nun nach seinem 2. Termin mit, er kaufe jetzt Beeren und Nüsse und anderes, weil er ja zu viel verarbeitetes Zeug esse.

Ich dachte, ich fall vom Glauben ab. Jetzt sind wir wieder ein Team. :))

 

42. Woche der Diät – neuer Lichtblick?

Vorletzte Woche traf ich mich mit meinem Coach und hatte nach einem Tief wieder neue Motivation darin gefunden.

Klingt super, was? Lang hielt sie nicht.

Mein Freund ist seit gefühlten 10 Wochen erkältet und nach einem gemeinsamen besuch im Studio kam der Husten mit voller Kraft zurück. Dann kamen Zahnschmerzen dazu, mit dem neuen Job ist er auch nicht so recht glücklich. Und da hilft dann bei all dem Frust nur Pizza, Chips, Bier und Wein. Die Stimmung war bedrückt.

Was kann man tun?

Ganz klar, man muss ein Spiel finden, in das man sich flüchten kann. Und TADAAA, Guild Wars 2 hat am Freitag ein neues Add-On veröffentlicht. Ich bettel Slaine seit 5 Jahren an, es nochmal zu versuchen. Doch erst als sein Arbeitskollege meinte, er solle es sich holen, war er bereit, dem ganzen noch eine Chance zu geben.

Damit war der Untergang eigentlich besiegelt. Die Voraussetzungen zur totalen Realitätsflucht. Das Ende jeden Plans.

Viermal wollte ich diese Woche zum Training. Am Samstag war ich bis dahin nur einmal gewesen. Gegen 13 Uhr knickte ich innerlich die Trainingseinheit, um mehr Zeit zum Zocken zu haben.

Gegen 17 Uhr dachte ich intensiv darüber nach, welches Essen ich denn dann noch vernichte.

Innerlich war ich unruhig, einerseits die euphorische Stimmung vom Abenteuer und gleichzeitig wusste ich: Ich stehe am Scheideweg und eigentlich habe ich mich gerade meinem Schicksal ergeben…zurück zum Zocken, fressen….versagen.

Und dann kam das retardierende Moment…von einem Moment zum anderen ärgerte ich mich, sprang auf, flitzte zum Training und schrieb auf dem Weg meinen Coach an, um ihm zu sagen, was da gerade bei mir passiert. er solle mich doch bitte am Sonntag kontaktieren, um mir in den Hintern zu treten.

Gesagt, getan. Das Unglück ist zunächst abgewendet.

Und als Bonus hat Slaine nun einen Termin mit meinem Coach…vielleicht die große Wende?